Vergiftung : Bittere Zucchini kann tödlich sein – Rendsburgerin musste ins Krankenhaus

Für Elke Frahm steht fest: „Zucchini kommen mir nicht mehr in den Topf.“
Für Elke Frahm steht fest: „Zucchini kommen mir nicht mehr in den Topf.“

Das Gartengemüse enthält in seltenen Fällen das Gift Cucurbitacin. Eine Rendsburgerin (78) musste drei Tage im Krankenhaus behandelt werden.

shz.de von
28. August 2017, 12:45 Uhr

Vorsicht bei selbst gezogenen Zucchini aus dem eigenen Garten: Elke Frahm aus Rendsburg hat sich dadurch eine Vergiftung zugezogen und musste drei Tage im Krankenhaus behandelt werden.

Die Vorgeschichte: Elke Frahm bekam drei Zucchini geschenkt. Diese stammten aus dem Garten des Bruders einer Freundin. Zwei davon bereitete sie zu und genoss sie ohne Beschwerden. Als Elke Frahm die dritte Zucchini für eine Suppe in kleine Stücke schnitt, probierte sie davon, und es fiel ihr ein bitterer Geschmack auf. „Also habe ich sie geschält. Aber als ich erneut ein Stück probierte, schmeckte es immer noch außergewöhnlich bitter“, berichtete die 78-Jährige. Es sei ihr als Kriegskind zwar schwer gefallen, Nahrungsmittel wegzuwerfen, aber sie entschied sich dafür, die Zucchini nicht zu verwenden.

Um drei Uhr nachmittags bekam Elke Frahm blutigen Durchfall, furchtbare Bauchschmerzen und musste sich heftig erbrechen. Nachts schickte sie ihrer Freundin eine SMS und schilderte ihre Symptome. Am nächsten morgen rief die Freundin zurück, nachdem sie im Internet über Vergiftungen durch den Genuss von Zucchini recherchiert hatte. „Du musst ins Krankenhaus, das kann tödlich enden.“

Zwei Nachbarn fuhren Elke Frahm in die Imland-Klinik. Nach einer ersten Untersuchung habe ihr ein Arzt gesagt, sie solle sich an ihren Hausarzt wenden. „Wie soll ich es denn dahin schaffen? Ich kann nicht mehr“, habe sie geantwortet. Drei Tage lang wurde Elke Frahm in der Imland-Klinik stationär behandelt. Ihre Erkrankung sei als „Giftfall“ gemeldet worden. Bei ihrer Entlassung bekam sie die Diagnose schriftlich: „Cucurbitacin-Vergiftung.“ Die Imland-Klinik wollte sich auf Nachfrage der Landeszeitung nicht zu dem Fall äußern.

Auf der Internetseite des Bundesinstituts für Risikobewertung (BFR) wird auf einen Vergiftungsfall mit Todesfall 2015 hingewiesen, der durch den Verzehr von Zucchini verursacht worden sei. Zudem warnten einige Bundesländer vor bitteren Zucchini, nachdem vermehrt Vergiftungen gemeldet wurden. Die Zucchini stammten laut BFR aus dem privaten Anbau. Der bittere Geschmack werde durch sogenannte Cucurbitacine verursacht, die von verschiedenen Kürbisgewächsen, zu denen auch die Zucchini zählt, gebildet werden. Allerdings sei in den für den menschlichen Verzehr gedachten Kultursorten die Fähigkeit zur Bildung dieser Stoffe herausgezüchtet worden. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart teilt mit, dass es bei Selbstvermehrung des Saatguts von Zucchini nach spontaner Rückmutation zum Wachstum cucurbitacinbildender Pflanzen kommen kann. Das Gift löse die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt auf. Weiter heißt es, dass davon auszugehen sei, dass der durchschnittliche Verbraucher aufgrund des extremen Bittergeschmacks vom Verzehr absieht und damit eine Vergiftungsgefahr abwendet. Eine akute Gefahr bestehe jedoch insbesondere für Personen, die in ihrer Wahrnehmung für Bittergeschmack beeinträchtigt sind.

Der Krankenhausaufenthalt von Elke Frahm liegt mittlerweile einige Tage zurück. „Ich habe Glück gehabt“, stellt sie erleichtert fest. Den Appetit auf das Gemüse, das zur Pflanzenfamilie der Kürbisgewächse zählt, hat sie verloren. Sie macht deutlich: „Zucchini kommen mir nicht mehr in den Topf.“

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