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Landeszeitung

22. September 2017 | 08:12 Uhr

Bittere Tränen in der Privatschule

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Insolvenzverwalter will Gymnasialzweig mit Regionalschule schließen / Klassen 1 bis 4 bleiben erhalten, bekommen aber einen neuen Träger

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 14:53 Uhr

Er müssen herzergreifende Szenen gewesen sein. Wie eine Mutter gegenüber der Landeszeitung schilderte, brachen fast alle Kinder der fünften Klasse an der Privatschule Mittelholstein gestern in Tränen aus. Der Grund war eine Botschaft von Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber. Demnach wird das G9-Gymnasium mit Regionalschule zum Schuljahresende geschlossen. Laut Schmid-Sperber ist keine wirtschaftlich rentable Fortführung möglich. Anders verhält es sich mit den drei Grundschulen der Privatschule in Rendsburg, Neudorf-Bornstein und Gnutz. Diese seien finanziell solide aufgestellt, bekommen aber voraussichtlich einen neuen Träger. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Der Insolvenzverwalter: „Wir sind froh, für zwei Drittel der Betroffenen eine Beschulung nach dem erfolgreichen Ansatz der Privatschule gewährleisten zu können.“

Während die 127 Grundschüler einen Grund zur Freude haben, müssen die 66 Kinder und Jugendlichen der Mittel- und Oberstufe nach den Sommerferien auf eine andere Schule wechseln. Das sorgt auch beim Personal für einen Aderlass. Nur die Verträge der 14 Grundschullehrer und der Schulsekretärinnen werden fortgeführt, die Pädagogen für die Schüler ab Klassenstufe 5 erhalten hingegen die Kündigung. Es handelt sich um insgesamt elf Mitarbeiter. Zu denjenigen, die gehen müssen, zählt der bisherige Geschäftsführer Michael Claßen.

Die Eltern zeigten sich schockiert von den Ereignissen. Bis zuletzt hatten sie darauf gehofft, dass auch die Sekundarstufe der Anfang des Jahres in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Bildungseinrichtung eine Zukunft hat. „Nun werden Klassen und Freundschaften auseinandergerissen“, hieß es aus der Elternschaft. Gleichzeitig gab man sich kämpferisch. Wie eine Mutter berichtete, fehlten zur Rentabilität der Privatschule ab Klassenstufe 5 lediglich 30 Schüler. Man werde sich mit privaten Geldgebern zusammensetzen. Erste Gespräche sind offenbar bereits anberaumt. Man habe noch Hoffnung.

Das Bildungsministerium bestätigte auf Anfrage, dass alle 66 Kinder und Jugendlichen nach den Sommerferien einen Platz an einer staatlichen Schule erhalten werden. Ob das in jedem Fall die favorisierte Schule sein könne, müsse man prüfen, machte eine Sprecherin deutlich. Die Eltern berichteten, dass sie eine Liste mit den Wunschschulen ihrer Kinder zusammenstellen sollen. Diese Liste werde vom Ministerium mit den freien Kapazitäten an den in Frage kommenden Gemeinschaftsschulen und Gymnasien abgeglichen.

Ob dieser Wechsel jedoch reibungslos funktioniert, ist mit Fragezeichen behaftet. In Elternkreisen ist man beunruhigt. Dort hieß es, dass eines der staatlichen Gymnasien in Rendsburg in Erwägung ziehe, alle aufzunehmenden Fünftklässler der Privatschule zurückstufen zu wollen. Demnach müssten die Schüler das fünfte Schuljahr wiederholen. Eine Mutter sagte, dass sie eine pauschale Zurückstufung aller Schüler ablehne.

In der Privatschule mussten die weinenden Fünftklässler gestern getröstet werden. Diese Aufgabe übernahmen ihre Paten aus den höheren Klassenstufen.

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