zur Navigation springen

Rendsburg-Eckernförde : Bis 2030 fehlen 16 000 Fachkräfte

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Demografischer Wandel im Kreis: Künftig ist jeder Zehnte über 80 Jahre alt. Weil jüngere Altersgruppen schrumpfen, fehlen bald Arbeitnehmer.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Schulschließungen, leerstehende Gebäude, Mangel an Landärzten – die Folgen der Alterung in der Bevölkerung haben im Kreis Rendsburg-Eckernförde viele Gesichter. Besonders die Unternehmen müssen um Arbeitskräfte kämpfen. Nun hat die Kreisverwaltung aktuelle Zahlen zum demografischen Wandel vorgelegt. Es zeigt sich: Rendsburg-Eckernförde gehört zu den Kreisen im Land, in denen zukünftig überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben.

Bis zum Jahr 2030 wächst der Anteil von Einwohnern über 80 Jahren auf 9,5 Prozent. Das sind fast fünf Prozentpunkte mehr als im Vergleichsjahr 2009. Nur in drei der 15 Kreise und Städte wird der Anteil von Menschen über 80 Jahren der Prognose zufolge höher sein: In Ostholstein (10,8 Prozent), Plön (10,1) und Dithmarschen (9,8). Am geringsten fällt der Anteil in den Städten Kiel (6,7) und Flensburg (7,4) aus. Das Durchschnittsalter im Kreis beträgt dann 48,8 Jahre, während es 2011 noch bei 44,2 Jahren lag.

Insgesamt schrumpfen die Anteile junger und mittlerer Altersgruppen. Gegenüber 2009 verkleinern sich die Gruppen der Null- bis 15-Jährigen von 15 auf zwölf Prozent im Jahr 2025 und die der 15- bis 60-Jährigen von 58 auf 51 Prozent. Die Gruppe der Menschen über 60 Jahre hingegen wächst von 27 auf 37 Prozent. Für die Gesamtbevölkerung des Kreises wird ein Rückgang von über fünf Prozent vorhergesagt: Von 273 133 in 2009 auf 258 700 im Jahr 2025. Zurzeit leben rund 268 000 Menschen im Kreis.

Mit dem Anteil älterer Menschen steigt auch der Bedarf an Pflegekräften. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) rechnet mit einer Personallücke in der Gesundheitsbranche von 3000 Fachkräften bis 2030. Insgesamt fehlen im Kreis Rendsburg-Eckernförde der von der IHK in Auftrag gegebenen Studie „Fachkräfte- und Ausbildungsprojektionen 2030“ rund 16 000 Fachkräfte. Neben der Gesundheitsbranche steht dabei auch der Handel mit einem Mangel von 3000 Fachkräften an der Spitze. „Dort gibt es einen riesigen Bedarf, der Handel ist ein personalintensives Geschäft“, sagt Hans Joachim Beckers, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK zu Kiel. Wie in allen Branchen finde dort ein altersgemäßer Abgang statt. Ein großer Mangel besteht der Studie zufolge auch mit jeweils 1500 Fachkräften auch im verarbeitenden Gewerbe und im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Es folgen wirtschaftliche Dienstleistungen wie durch Unternehmens- und Steuerberater mit 1000, die Bauwirtschaft mit 800 und Informationstechnologie mit 500 Fachkräften.

„Gemeint sind in erster Linie Arbeitnehmer der mittleren Qualifizierung, die nach der dualen Ausbildung als Facharbeiter tätig sind“, sagt Hans Joachim Beckers. Für 70 Prozent der Arbeitsplätze seien Facharbeiterqualifikationen nötig. Um dem Mangel zu begegnen, sei es nötig, „die Älteren länger im Arbeitsprozess zu halten“, so Beckers. Die Pläne der Regierung zur Rente mit 63 Jahren sei in dieser Hinsicht kontraproduktiv. Zudem müsse das Potenzial der Niedrigqualifizierten durch Weiterbildung genutzt werden. Der größte Effekt wird in der IHK-Studie von Frauen erwartet: Wenn es gelänge, so viele Frauen ins Arbeitsleben zu bringen wie Männer, wäre die Fachkräftelücke zu schließen. Dazu sei jedoch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung. Es gebe zwar eine flächendeckende Betreuung. „Wenn die aber nur von acht bis zwölf Uhr angeboten wird, lässt sich damit keine sinnvolle Berufstätigkeit koppeln“, so Hans Joachim Beckers. Da seien die Unternehmen gefragt, Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, die für Frauen attraktiv sind. Die IHK unterstütze auch ganze Firmen bei der Organisation der Kinderbetreuung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert