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Rendsburg-Eckernförde : Biotonne hat Appetit auf Speisereste

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mit der richtigen Müll-Mischung im neuen Pflichtbehälter ab 2015 kann die Abfallwirtschaftsgesellschaft um die Hälfte mehr Strom produzieren.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Was vom Fischgericht zu Karfreitag und vom Braten zum Osterfest auf dem Teller liegen bleibt, hat noch großes Potenzial. Zumindest Ralph Hohenschurz-Schmidt sieht das so. „Speisereste sind ein energetisch hoch interessantes Material“, sagt der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR). Ihm zufolge sind sie zu schade für den Hausmüll. Denn mit Bioabfall erzeugt die AWR Strom, im vergangenen Jahr fünf Millionen Kilowattstunden. Die Ausbeute erhöhe sich ab 2015, denn die Biotonne wird zur Pflicht für alle Haushalte.

„In den vergangenen Monaten hat es eine interessante Entwicklung gegeben: Die Bürger haben offenbar erkannt, dass die Biotonne sinnvoll ist“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Während die Anschlussquote der braunen Tonne seit Jahren bei etwa 50 Prozent der Grundstücke im Kreis stagnierte, verzeichnete die AWR seit Mai 2013 eine Steigerung von etwa zehn Prozent. In dichter besiedelten Räumen wie Rendsburg, Büdelsdorf und Eckernförde liege die Quote bereits jetzt zwischen 65 und 80 Prozent, auf dem Land jedoch noch unter 50 Prozent. Hanerau-Hademarschen etwa ist mit 45 Prozent versorgt.

Ab dem 1. Januar 2015 muss jedes Haus eine Biotonne halten. Wer bis zum Stichtag 30. Juni 2014 eine bestellt, muss für das restliche Jahr keine Gebühren bezahlen. „Das ist ein großer Anreiz, denn wer später bestellt, bekommt keine kostenfreie Tonne“, sagt Ralph Hohenschurz-Schmidt. Er rechnet damit, dass ab Juli rund 30 000 Tonnen an die restlichen Eigentümer ausgeliefert werden. Erst kommen die Wohnungsbaugesellschaften mit ihren Mehrfamilienhäusern dran, bis September auch die Einzeleigentümer.

Hintergrund der Tonnen-Pflicht ist eine Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, nach der bis zum Jahr 2020 65 Prozent des Mülls aus privaten Haushalten stofflich verwertet werden müssen. „Außerdem ist es sinnvoll, den Müll als Sekundärrohstoff zu betrachten“, so der AWR-Geschäftsführer. Die organischen Anteile des Restmülls seien zu wertvoll, um sie zu verbrennen. Das betreffe gerade auch die Küchenabfälle, die für die Biogasproduktion sehr interessant seien. Mittelfristig rechne er mit der Pflicht-Tonne mit einer Steigerung der Stromausbeute von fünf auf 7,5 Millionen Kilowattstunden. Zudem werde auch Wärme für die AWR-Liegenschaften und einige Gebäude in der Nachbarschaft des Industriegebietes Borgstedtfelde erzeugt. Dadurch werden ihm zufolge die Gebührenzahler entlastet. Zurzeit kostet eine 120-Liter-Biotonne 2,50 Euro im Monat. Wenn die Gebühren mit der Pflicht auf mehrere Schultern verteilt werden, rechnet er mit einem Satz zwischen zwei und 2,30 Euro. Das berichtete Hohenschurz-Schmidt jetzt dem Umwelt- und Bauausschuss des Kreises. Bislang sind 1000 Befreiungen von der Pflicht genehmigt worden. Die Hürden dafür liegen dem AWR-Chef zufolge jedoch gesetzlich hoch.

 

> Die AWR hat im vergangenen Jahr etwa 43 000 Tonnen Biomüll verarbeitet. Davon kamen 29 000 Tonnen aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. Der Rest wurde aus den Kreisen Schleswig-Flensburg, Nordfriesland und Plön zugeliefert. Aus dem durch Fermentation entstandenen Biogas generierte das Unternehmen in einem Blockheizkraftwerk knapp fünf Millionen Kilowattstunden Strom. Das entspricht laut AWR-Angaben dem Jahresbedarf von 1200 Vier-Personen-Haushalten. Den Strom speiste sie ins Netz ein, rund 800 000 Kilowattstunden brauchte die AWR selbst zur Bearbeitung des Materials.

 


> Die AWR ist unter Tel. 0 43 31/34 51 22 und unter www.awr.de zu erreichen.

 

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