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Büdelsdorf : Bierflasche mit Botschaft – Fund nach 101 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Überraschende Entdeckung bei Umbauarbeiten im Café Reimers: Hinter einer Holzplatte finden Handwerker im Gebälk eine seltsame Flaschenpost.

Da staunten Monika Habicht und Andreas Hoffmann nicht schlecht: Während der Umbauarbeiten ihres Café Reimers in der Hollerstraße fanden Handwerker im Gebälk hinter einer Holzplatte eine Bierflasche. Diese war anscheinend während der Bauphase des Gebäudes dort versteckt worden, machte zwar einen angestaubten Eindruck, war aber vollkommen unbeschädigt. Noch überraschender: In der Flasche steckte ein Butterbrotpapier, auf dem sich im Jahre 1913 zwei Zimmereilehrlinge verewigt hatten.

Heinrich Mahrt und Carl Petersen, beides Auszubildende der Rendsburger Zimmerei Haase, die heute nicht mehr existiert, hatten in blauer Schrift Angaben über ihre Lehrzeit und ihr Geburtsdatum hinterlassen. So wurde Heinrich Mahrt am 4. Februar 1897 und Carl Petersen im Jahre 1895 geboren. Mahrt absolvierte seine Lehrzeit von 1912 bis 1916, Petersen von 1910 bis 1914.

Interessant ist auch, dass beide die Bauphase als „trockenen Bau“ bezeichneten. Das dürfte ein Hinweis darauf sein, dass Bierflaschen wie die gefundene wohl eher Mangelware waren. „Da wurde anscheinend nicht gut genug für die Handwerker gesorgt“, vermutet Dirk Schmalfuss, Bausachverständiger aus Büdelsdorf und Obermeister der Innung des Baugewerbes Rendsburg. „Das zeigt einfach, dass früher auf dem Bau gerne Bier getrunken wurde.“ Damals sei es üblich gewesen, dass Handwerker zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Baustelle fuhren, berichtet Schmalfuss weiter. Bier gebe es heute höchstens noch nach Feierabend, betont er. „Das Baugewerbe hat sein Image mittlerweile aufpoliert. Das mit dem Alkohol ist vorbei.“

Doch warum hinterließen die beiden Lehrlinge in der Flaschenpost auch persönliche Angaben? „Sie wollten einfach zeigen, dass sie dort gearbeitet haben und eine Fußnote für die Nachwelt hinterlassen“, weiß Dirk Schmalfuss. Heinrich Mahrt und Carl Petersen sind mit Sicherheit längst tot, doch ihr Vermächtnis für die Nachwelt wurde nun gefunden. „Es würde uns sehr interessieren, ob es noch Angehörige der beiden gibt. Die können sich gern bei uns im Geschäft melden“, meint Monika Habicht (Tel. 04331/31130).

Die schlanke Bierflasche aus braunem Glas und mit Bügelverschluss stammt übrigens aus der Neumünsteraner Harms-Brauerei Boes und Berkhoff, die in den 1920-er Jahren mit der Hamburger Holstenbrauerei fusionierte.

 

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