Anschaulicher Unterricht : Bienenfleißige Altstadt-Schüler

Aisha aus der siebten Klasse trug einen Imkeranzug.
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Aisha aus der siebten Klasse zeigt eine Wabe. Fotos: Bodendorff

In der Imker-AG lernen Jugendliche den Umgang mit den wichtigen Insekten.

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06. Juli 2018, 09:35 Uhr

Rendsburg | Es ist eine ganz besondere Arbeitsgemeinschaft, klassenübergreifend und im Wortsinne bienenfleißig: Die Jugendlichen der Schule Altstadt tragen weiße, körperverhüllende Schutzanzüge und einen Hut, der das Gesicht mit einem halb durchsichtigen Gewebe geheimnisvoll verschleiert.

Die Schülerinnen und Schüler stehen vor fünf auffällig bunt angemalten Holzkästen, in denen es sanft summt. Jeweils ein Bienenvolk ist bei der Arbeit zu hören. Die sogenannten Smoker – Rauchkannen aus Blech – qualmen vor sich hin. Mit ihnen lassen sich die Bienen beruhigen. In der seit etwa einem Jahr bestehenden Imker-AG betreuen jeweils zwei Jugendliche ein Volk. In jedem Kasten stecken zehn Rähmchen. Darin bauen die Bienen ihre Waben und verstecken den leckeren Honig.


Alles wird akkurat zu Papier gebracht

Vorsichtig und behutsam, um die flauschigen Tierchen nicht zu verletzen, holt Aisha ein Rähmchen heraus. Freudig meldet die Siebtklässlerin ihrer Lehrerin Andrea Lehmann, die die Arbeitsgemeinschaft leitet, sie habe die gekennzeichnete Bienenkönigin entdeckt, die mit den anderen Bienen emsig auf den Waben umhertanzt. Die Jugendlichen führen genau Buch über Datum, Temperatur, Brutwaben, Pollen und Nektar, über die männlichen Drohnen, ob sich Stifte – die Eier – in den gedeckelten Waben befinden, ob es Madenbefall gibt. Auch die Einschätzung, ob sich die Bienen eher sanftmütig oder leicht aggressiv verhalten, wird akkurat zu Papier gebracht. Aisha zieht ein weiteres Rähmchen heraus. Ans Tageslicht kommt etwas Erstaunliches – ein Wabengebilde in Herzform.

Die Schüler werden Zeuge einer Geburt

Um die Schüler fundiert über die Welt der Bienen zu informieren, kooperiert die Schule Altstadt eng mit der Imkerschule in Bad Segeberg. Sie nimmt am Schulprojekt „Sommerbienen“ des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker teil. Material und Gerätschaften wurden kostenfrei von der Imkerschule zur Verfügung gestellt. Fachwissen auch. Drei Altstadt-Lehrer eigneten es sich in der Stadt am Kalkberg an.

Ein Aufwand, der sich lohnt. Die Schüler würden „großes Interesse“ zeigen, versichert Andrea Lehmann. Plötzlich platzt eine „Eilmeldung“ in die Biene-Maja-Idylle: „Frau Lehmann, da schlüpft gerade eine Biene!“ Und tatsächlich, die Anwesenden werden Augenzeugen einer leibhaftigen Geburt: Zunächst sieht man nur den kleinen Kopf, dann arbeitet sich die Jungbiene hoch, windet sich in ihrer Wabe, kämpft, ringt. Andere Bienen eilen zu Hilfe. Die Neugeborene ist frei. Sofort nimmt die Gemeinschaft sie auf. Anschaulicher kann moderner Unterricht kaum sein.

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