Nortorf/Aukrug : „Bienen brauchen bunte Vielfalt“

Gewimmel an den Waben: Fleißige Honigbienen bei der Arbeit.
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Gewimmel an den Waben: Fleißige Honigbienen bei der Arbeit.

Tag der deutschen Imkerei am 5. Juli. Bienenzüchter im Kreis werben für ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot.

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04. Juli 2015, 06:00 Uhr

Morgens ab sechs Uhr setzt das große Summen im Garten ein. Mohn und Kornblume werden angeflogen und wenn der Lavendel blüht, sind auch seine Blüten begehrt. „Auch Himbeer- und Brombeerblüten bieten Nahrung“, sagt Reimer Reimers aus Aukrug, und die wachsen in den heimischen Knicks. „Und der Weißklee steht in voller Blüte.“ Momentan ist der Tisch für die Bienen also reichhaltig gedeckt. Aber das ist nicht überall und nicht in jedem Monat der Fall. Darauf macht der Deutsche Imkerbund an diesem Wochenende beim Tag der deutschen Imkerei aufmerksam. „Gesunde Bienen brauchen bunte Vielfalt“ lautet das Motto.


Beim Raps gab es in diesem Jahr eine Läpper-Tracht


Im Frühling gibt es genügend Pollen und Nektar durch Obstbäume und Raps. In diesem Jahr fiel die Rapsblüte nicht so gut aus – und aufgrund der kühlen und windigen Witterung konnten die Bienen nicht fliegen, erklärt Reimers. „15 Grad sollten es schon sein“, sagt Heiner Büller. Normalerweise beschere der Raps den Imkern eine Massentracht, weiß er. Von Tracht sprechen die Imker, wenn die fleißigen Bienen mehr Nahrung im Stock sammeln, als sie selbst verbrauchen. Aber in diesem Jahr gab es beim Raps eine Läpper-Tracht. Manche Imker fahren ihre Bienenstöcke zu den Rapsfeldern. Nicht so Reimer Reimers: „Ich bin ein Standimker“. Aber Apfel- und Kirschbäume sowie Löwenzahn sorgten bei ihm für ein gutes Ergebnis.

„Jetzt ist die Situation gut“, sagt Heiner Büller aus Warder zu dem sommerlichen Nahrungsangebot. Unter anderem, weil die Linden blühen. „Aber danach ist es wieder vorbei.“ Der Grund: „Es fehlt die Vielfalt“. Die Gärten sind meist „aufgeräumt“. Da kann es dann schon geschehen, dass die Honigsammlerinnen auf das Jakobskreuzkraut fliegen. Was den Honig für die Imker unbrauchbar macht, denn er enthält dann das giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Büller berichtet von einem Fall, wo die Bienenstöcke direkt neben einem Feld mit dem ungeliebten Kraut standen. Doch eine Honiganalyse ergab: Keine Spur von PA. „Wenn das Angebot da ist, suchen sich die Tiere andere Quellen“, begründet Büller dies. Nur im Notfall würden sie das Jakobskreuzkraut wählen. Noch ein Argument also für Blumenwiesen statt sterilem Rasen, für Blühstreifen an den Feldern und den Verzicht auf Pestizide.

Die Frühjahrs-„Ernte“ haben die Imker abgeschlossen, der süße Rapshonig ist schon erhältlich. Jetzt wird der Sommerhonig geschleudert. „Fleißige Völker können bis 42 Kilo pro Volk einlagern, faule nur 10 Kilo Honig“, erklärt Reimer Reimers. Wobei eigentlich kein Bienenvolk faul ist, sie sind nur unterschiedlich groß. Ansonsten arbeiten sich die unermüdlichen Sammlerinnen im wahrsten Sinne des Wortes tot, wissen die Büllers. „Sommerbienen werden nur sechs Wochen alt“, so Heiner Büller. Mit Honigsammeln und Brutpflege haben sie reichlich zu tun. Die Winterbienen existieren dagegen vom Spätsommer bis zum Frühjahr. Aber sie können auch von den Vorräten leben.


Drittwichtigstes Nutztier für die Landwirtschaft


Aber noch summen die Bienen auf Nektarsuche durch Gärten und Felder. 175 Linden stehen an den beiden Nortorfer Friedhöfen. Darum hat Heiner Büller dort noch einen Garten mit Bienenstöcken. „Aber nach den Linden ist es vorbei“, sagt er. Dann blühe nur noch Heide, aber nicht hier. Im Oktober fliegen die Bienen noch Efeu an, „aber den erntet man nicht“. Auf dem Nortorfer Wochenmarkt informiert er heute über die kleinen Tiere, die Großes vollbringen. Sie sind geflügelte Helfer der Landwirtschaft, bestäuben zahlreiche Pflanzen – und sind nach Rind und Schwein damit das drittwichtigste Nutztier. Ein guter Grund, ihnen eine bunte Vielfalt zu bieten.

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