Kinderschutz : Bewährte Hilfsangebote für Familien

Sicher aufgehoben: Die Zahl der Kindswohlgefährdungen ist im Kreis rückläufig.
Sicher aufgehoben: Die Zahl der Kindswohlgefährdungen ist im Kreis rückläufig.

Kinderschutzbericht am Mittwoch Thema im Kreistag

shz.de von
11. September 2018, 11:13 Uhr

Das Thema ist hochsensibel: Im Normalfall ist es dem Staat nicht gestattet, in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen. Wenn aber das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes gefährdet ist, wird es zu seiner Pflicht. Der Jugenhilfeausschuss im Kreis befasst sich am Mittwoch mit dem Kinderschutzbericht 2017. Dabei ist eins auffällig: Zwischen 2015 und 2017 wurde immer häufiger der Verdacht auf eine Kindswohlgefährdungen gemeldet. 2015 waren es noch 478 Meldungen, 2017 lag die Zahl dann bei 613. Eine bedenkliche Entwicklung, so wirkt es auf den ersten Blick.

Doch im gleichen Zeitraum nahmen die tatsächlich festgestellten Kindswohlgefährdungen von 57 auf 36 ab, bei den latenten Gefährdungen gab es einen Anstieg von 42 auf 55. Thomas Voerste, Leiter des Jugendamts des Kreises Rendsburg-Eckernförde, erklärt dies zum einen damit, dass sich die Erfassungsweise bei den Verdachtsfällen geändert habe. Wenn zum Beispiel ein nicht strafmündiger Jugendlicher einen Diebstahl begehen würde, zieht dies automatisch eine Überprüfung nach sich, ob das Kindeswohl gefährdet ist. Ob sich dieses Verfahren bewährt, müsse sich noch zeigen.

„Zum anderen hat sich aber die Sensibilität für das Thema seit einigen Jahren deutlich gesteigert“, so Voerste, „und durch Maßnahmen wie das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz ist das Netzwerk verbessert worden. Ziel ist es, dass kein Kind mehr durchrutscht“. Alle Menschen, die mit Kindern zusammenarbeiten, wie zum Beispiel Lehrer oder Richter, sind stärker in die Pflicht genommen. Aber auch die Rechte von Berufsgeheimnisträgern wie Ärzten wurden gestärkt, wenn es um die Weitergabe von Verdachten geht.

Bei festgestelltem Unterstützungsbedarf für Familien gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg von 300 im Jahr 2015 auf 342 zwei Jahre später. Ob Leistungen in Anspruch genommen werden, hänge von den Familien selbst ab, eine Verpflichtung dazu besteht nicht. Voerste sagt, dass zunächst öfters eine Scheu bestehe, mit dem Jugendamt in Kontakt zu treten – häufig aus Furcht, die Kinder zu verlieren. Wenn es aber doch zum Gespräch kommt, würden Möglichkeiten gefunden, um den Familien zu helfen und die Kinder zu schützen. Dies könne mitverhindern, dass es überhaupt zu einer Gefährdung des Kindswohls komme. „Wir erreichen die Menschen besser und das ist ein positiver Effekt“. Als ein effektives Mittel hat sich auch das Kriseninterventionsteam „KIT42“ der Gesellschaft „Familienhorizonte“ erwiesen, die vor über zehn Jahren vom Kreis und dem Verein „Die Brücke“ gegründet wurde. „Dadurch kann bei Verdacht durch ambulante Hilfen in den Familien flexibel reagiert werden“, erklärt Heike Rullmann, Geschäftführerin der „Familienhorizonte“. Die Zusammenarbeit zwischen einem freien und einem öffentlichen Träger in diesem Bereich ist in Deutschland einmalig und hat sich als effektiv herausgestellt. Ein Indikator dafür seien die Inobhutnamen: „Deren Zahl ist bundesweit in den vergangenen Jahren gestiegen, im Kreis ist sie seit 2007 in etwa konstant“. Und das obwohl es den Sonderfall gibt, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hier statt in Sammelunterkünfte direkt in Obhut gegeben werden würde. Für dieses erfolgreiche Arbeiten, ist es notwendig, dass das Team von KIT42 im regelmäßigen Austausch mit Jugendamt, Polizei und Gerichten steht. Die Anerkennung aus allen Parteien beweist zudem den richtigen Weg.




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