Elsdorf-Westermühlen : Beutezug mit einem wendigen Jäger

Habichte sind die beliebtesten Vögel für die Beizjagd. Auch Falknermeister Hans Newe und sein zweijähriger Terzel streifen während der Saison durch die Jagd-Pacht rund um ihren Heimatort.
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Habichte sind die beliebtesten Vögel für die Beizjagd. Auch Falknermeister Hans Newe und sein zweijähriger Terzel streifen während der Saison durch die Jagd-Pacht rund um ihren Heimatort.

Der Habicht ist der Vogel des Jahres 2015. Falkner Hans Newe aus Elsdorf-Westermühlen geht mit den Tieren zur Beizjagd.

shz.de von
12. Januar 2015, 06:00 Uhr

Anmutig und stolz sitzt der Habicht auf Hans Newes Hand. Das zweijährige Männchen, auch Terzel genannt, gehört zu der Gattung, die Vogel des Jahres 2015 ist. Mit stechenden gelben Augen beobachtet das Tier seine Umgebung aufmerksam. Normalerweise gehen Newe und sein Vogel gemeinsam zur Beizjagd. Die Falknerei, wie diese auch genannt wird, ist die Jagd mit einem Greifvogel auf freilebendes Wild. Hans Newe jagt mit seinem Gespann, zu dem außer dem Greifvogel auch ein Hund und Frettchen gehören, meistens Kaninchen. „Zuletzt haben wir die Nager auf dem Sportplatz in Elsdorf-Westermühlen gejagt.“ Hier dürfen wegen der angrenzenden Bebauung keine Waffen benutzt werden.

Die Beizjagd, für die am häufigsten der Habicht verwendet wird, gilt als besonders ökologisch, nachhaltig, lautlos und rückstandsfrei. Für Mensch und Natur ist sie ungefährlich und wird deshalb auch an Orten eingesetzt, wo die Jagd normalerweise nicht möglich ist. Neben Sportplätzen zum Beispiel in städtischen Parkanlagen oder auf Friedhöfen. In derartiger Umgebung haben sich wegen der vorhandenen Nahrung in Form von Eichhörnchen, Krähen oder Tauben in den letzten Jahren auch Habichte niedergelassen. So gibt es unter anderem in den Innenstädten von Berlin, Hamburg und Kiel Brutpaare. In der Natur sieht man die Vögel selten. „Habichte sind scheue Tiere. Sie leben im Wald, wo sie viel Deckung haben“, berichtet Hans Newe. Seit über zehn Jahren ist er Falkner.

Den 52-Jährigen fasziniert und begeistert das Erlebnis der gemeinsamen Jagd mit seinen Tieren. „Der Hund spürt die Beute auf, ich schaue dann, was er entdeckt hat und lege den Hund ab, damit der Habicht seine Arbeit tun kann. Der sitzt auf einem Baum in der Nähe, behält das Geschehen im Auge und schlägt zu, sobald sich die Gelegenheit bietet.“ Die Frettchen kommen immer dann zum Einsatz, wenn sich die Beute im Bau versteckt, um diese rauszutreiben. In dem Fall startet der Habicht seinen Beuteflug von Newes Hand, der so die Kontrolle über den Vogel behält. Dem Habicht könnten ansonsten auch die Frettchen zum Opfer fallen. „Dieses Zusammenspiel funktioniert nur, wenn ich mich vollkommen auf meine Tiere verlassen kann“, sagt Newe, der mittlerweile Falknermeister ist. Als Vorstandsmitglied im Landesverband des Deutschen Falkenordens (DFO) bereitet er mit einem Kollegen Anwärter auf die Falkner-Prüfung vor. Nur wer diese besteht, darf die Beizvögel Habicht, Wanderfalke und Steinadler halten. Voraussetzung für die Falkner-Prüfung ist der Jagdschein.

Schon seit über 3000 Jahren gehen Menschen und Greifvögel die Symbiose der Beizjagd ein. Die Vögel haben in der Obhut des Menschen eine deutlich größere Überlebenschance als in freier Wildbahn. In der Natur sterben im ersten Lebensjahr 40 Prozent der Brut, im zweiten nochmal etwa 30 Prozent. Die maximale Lebenserwartung eines wild lebenden Habichts liegt bei 19 Jahren, in Gefangenschaft bei 29 Jahren. „Das liegt auch daran, dass wir die Tiere bei Verletzungen und Krankheit medizinisch versorgen“, so Newe.

Bis in die 1960er-Jahre war der europäische Bestand von Habichten stark rückläufig. Eine große Gefahr stellte der Mensch dar: Vor allem Geflügelzüchter und Jäger setzten den Populationen zu. Die Jäger sahen die Greifvögel als Konkurrenz bei der Jagd auf Kaninchen und Fasane, die Geflügelzüchter schützten so ihre Tiere vor dem Habicht. Seit Anfang der 1970er-Jahre gehören Greifvögel zu den streng geschützten Arten. Die Habicht-Bestände erholten sich seither. Heute gibt es nach Schätzungen von Vogelkundlern in Deutschland zwischen 11  500 und 16  500 Brutpaaren. Dennoch ist die illegale Verfolgung der Vögel noch in einigen Teilen der Republik Alltag. Um darauf aufmerksam zu machen, haben Naturschutzbund (Nabu) und Landesbund für Vogelschutz den Habicht zum Vogel des Jahres 2015 ernannt.

„In Schleswig-Holstein stellt der Uhu die größte Gefahr für Habichte dar. Die Eulenart und der Greifvogel teilen dasselbe Biotop, nicht selten belegen Uhus Habichthorste für die Brut. Außerdem stehen junge Habichte auch auf der Speisekarte des Uhus“, weiß Hans Newe. Erreicht ein Habicht das Erwachsenenalter und findet einen ebenbürtigen Partner, bleiben beide ein Leben lang zusammen.

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