„Divine“ in Rendsburg : Betrunkene Besatzung und Mängel: Auslaufverbot für Frachtschiff

Das Frachtschiff „Divine“ im Rendsburger Hafen.
Das Frachtschiff „Divine“ im Rendsburger Hafen.

Im Hafen in Rendsburg muss der Frachter „Divine“ vorerst am Kai bleiben. Technische Mängel, fehlende Seekarten und eine betrunkene Mannschaft sind die Gründe für das Auslaufverbot.

shz.de von
23. Juli 2015, 16:05 Uhr

Rendsburg | Ein betrunkener Kapitän, keine Seekarten und eine kaputte Bordwand – die Mängelliste der „Divine“ ist lang. Deshalb hat die Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) ein Auslaufverbot für den Frachter verhängt. Seit einer Woche liegt das 81 Meter lange Schiff im Rendsburger Kreishafen. Es darf erst weiterfahren, wenn alle Fehler behoben wurden. Doch die verantwortliche Reederei in der Türkei meldet sich nicht.

Die „Divine“ ist ein Frachtschiff, das unter panamaischer Flagge fährt. Es ist 81 Meter lang, zwölf Meter breit und hat einen Tiefgang von 5,9 Metern und wurde 1994 gebaut. Bis 2010 hieß das Schiff „Playa de Finisterre“, danach „Golden Dream“ und „Golden Deam I“ (bis 2012).

Dass es das Schiff in diesem Zustand überhaupt  nach Rendsburg geschafft hat, wundert den Leiter der Wasserschutzpolizei Jens Oltmann. Schließlich muss es durch zahlreiche Kontrollen gekommen sein. Erst in Kiel sei man auf die „Divine“ aufmerksam geworden, da sich der Kapitän an der Schleuse verkehrswidrig verhalten haben soll.

„Alkohol war im Spiel“, bestätigte Oltmann. Der Kapitän musste vor der Weiterfahrt nach Rendsburg ausnüchtern. Die Kieler Beamten ließen die zwölfköpfige Mannschaft danach  mit ihrer Ladung Dünger  in Richtung Zielhafen Rendsburg weiterziehen. Sie  benachrichtigten aber die Kollegen am Kanal, Sicherheitskontrollen durchführen. Was dabei alles entdeckt wurde, ist selbst für den langjährigen Polizisten Oltmann erstaunlich. Der Promillewert des Kapitäns von unter 0,8 sei dagegen das geringste Problem  gewesen. Das Öltagebuch – fehlerhaft. Seekarten – unvollständig. Alarmglocken – defekt. Auch die  Bordwand ist vermutlich undicht und Abwasser wurde illegal im schwedischen Hoheitsgebiet eingeleitet, stellten die Kollegen aus Brunsbüttel fest. Sie waren den Rendsburgern zur Hilfe gekommen. Insgesamt 30 gravierende Mängel stehen auf der Liste.

Dass Schiffe mit mehreren Mängeln entdeckt werden, sei laut Polizei nicht ungewöhnlich. Dass sich aber die Reederei überhaupt nicht rührt dagegen schon. Für den Kreishafen ist das Schiff zu einem Sicherheitsproblem geworden, bestätigte Oltmann. Im aller schlimmsten Fall könnte es sinken und mit ihm 20 Tonnen Kraftstoff. Solange sich die türkische Reederei nicht meldet und die Fehler beseitigt, muss die „Divine“ im Kreishafen bleiben. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises hat bereits international tätige Rechtsanwälte eingeschaltet.

Die Ladung ist inzwischen von Bord, die  Crew dagegen nicht. Die Männer warten auf ihren Lohn.

Die „Divine“ am Kreishafen in Rendbsurg.
Screenshot/Vesselfinder.com
Die „Divine“ am Kreishafen in Rendbsurg.
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