Zu Gast bei Partnern : Besuch beim berühmten Birnbaum

Lange Alleen, flache Felder, gelber Raps. Fahrt durchs Havelland.
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Lange Alleen, flache Felder, gelber Raps. Fahrt durchs Havelland.

Havellandkreis in Brandenburg ist seit 25 Jahren Partner des Kreises Rendsburg-Eckernförde.

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19. Mai 2015, 06:00 Uhr

Wer kennt sie nicht – die Birnen des Herrn von Ribbeck? Dem Menschenfreund aus dem Havelland setzte Theodor Fontane in seinem berühmten Gedicht ein Denkmal. Doch das gepriesene Obst ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit im Havellandkreis. Hier gibt es seit 2014 den ersten Sternenpark Deutschlands, weil der Nachthimmel von wenig Lichtquellen beeinträchtig wird. Der Griff nach den Sternen hat Tradition: Auf dem Gollenberg bei Stölln hob Otto Lilienthal mehrfach ab und verunglückte tödlich. Momentan ist die Bundesgartenschau an mehreren Orten ein Anziehungspunkt. Und außerdem ist da noch die Havel.

Sie ist blaue Band des Partnerkreises von Rendsburg-Eckernförde. Der Fluss umschließt das Havelland wie ein „U“. „Zu den vielen Eigentümlichkeiten der Havel gehört auch die, dass sie, von Norden kommend, auf dem letzten Drittel ihres Laufes wieder nach Norden fließt. Sie beschreibt also einen Halbbogen und umfängt mit ihrem gekrümmten Arm ein fünfzig Quadratmeilen großes Stück Land, das Havelland“, schreibt Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg, 3. Teil“.

Der Landkreis ist nicht mit der Landschaft Havelland identisch, aber ein Großteil seines Gebietes umfasst den
Naturpark Westhavelland. Das bedeutet: Uferschnepfe und Biber haben hier ihr zu Hause, Wiesenschaumkraut und Kuckuckslichtnelke gedeihen in den weiten Niederungen mit Feucht- und Nasswiesen. „Hier befindet sich das größte zusammenhängende Feuchtgebiet im westlichen Mitteleuropa“, ist von Naturschützern zu erfahren. Versteht sich, dass die Störche die Region lieben. Überall am Straßenrand hocken sie in ihren Nestern, auch vor dem „Lilienthal-Centrum“ in Stölln mit seiner kleinen, aber feinen Ausstellung.

Das passt: „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ betitelte der Luftfahrtpionier sein Buch, in dem er die Erfahrungen seiner Versuche darlegte. Ab 1894 hatte Otto Lilienthal sie auf dem nahegelegenen Gollenberg unternommen. Hier wird noch heute aktiver Luftsport betrieben, darum sprechen die Flugfreunde gerne vom „ältesten Flugplatz der Welt“. Und eine Original Iljuschin 69, ein Langstreckenflugzeug der ehemaligen Interflug, ist dort zu besichtigen. Das Gelände ist zudem Teil der Bundesgartenschau.

Bei der Fahrt durch die Havelaue wird deutlich: Das Land ist platt. Wären da nicht am Horizont Wälder, man könnte weiter schauen als in der nordfriesischen Marsch. Im Frühjahr machen die Landwirte denen in Schleswig-Holstein Konkurrenz. Überall blüht Raps. Dann taucht unvermittelt vor einem verschlafenen Örtchen ein Schild auf: „Elsdorf-Westermühlen“. Die Reisenden reiben sich die Augen. Die wenigen Häuser der knapp 240 Einwohner sind schnell passiert, die anschließende Recherche bestätigt: Strodehne ist Partnergemeinde von Elsdorf-Westermühlen. Hier gibt es einen Wasserwanderrastplatz (mit Kanusafe) – schließlich sind Kanutouren sowie Hausbootfahren auf der Havel sehr beliebt.

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Auch Radfahrer sind willkommen. Das Wegenetz ist sehr gut ausgebaut und bestens beschildert. Ebenso wie die Sehenswürdigkeiten in Ribbeck. An der Kirche wächst ein Birnbaum, der allerdings nicht mehr aus Fontanes Zeiten stammt. Dennoch ist er ein beliebtes Fotomotiv. In der Alten Brennerei produziert die Familie von Ribbeck jetzt Birnenessig. Und zum Schloss, heute ein kulturelles Veranstaltungszentrum, sind es nur wenige Schritte. Hier sitzen drei ältere Herren gemütlich auf einer Bank. „Können Sie denn auch Fontanes Gedicht aufsagen?“, wollen sie augenzwinkernd von den Besuchern wissen. Die müssen eingestehen: Sie können nicht. Aber haben natürlich sofort nachgelesen.



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