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RENDSBURG : „Bescherungen im 20-Minuten-Takt“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wenn Lothar Möhding das Weihnachtsmann-Kostüm überzieht, dann spielt er keine Rolle, dann lebt er sie. Redakteurin Sabine Sopha sprach mit ihm über seine Beweggründe, Wunschzettel und Rentier-Schlitten.

von
erstellt am 23.Dez.2015 | 17:30 Uhr

Hallo, lieber Weihnachtsmann. Oder soll ich sagen: Hallo, Herr Möhding?
Ho, ho, ho. Und moin, moin, liebe Leute. Hier ist der Weihnachtsmann Lothar.


Hat sich eigentlich noch nie jemand gewundert, dass es mehrere Weihnachtsmänner gibt?
Doch, natürlich. Aber dass ein einziger Weihnachtsmann auf der ganzen Welt alle Kinder beschenken kannst – also, wer soll das denn glauben?

Warum wird man Weihnachtsmann?
Das ist Erfahrungssache. Ich bin auf Gut Osterrade aufgewachsen. Als ich vier oder fünf Jahre alt war, baten meine Eltern einen Nachbarsjungen, als Weihnachtsmann vorbeizukommen. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Dann ist da noch die Erinnerung an einen Besuch in Rendsburg. Die ganzen Fenster waren hell erleuchtet. In der Innenstadt hatte ich die zweite Begegnung in meinem Leben mit dem Weihnachtsmann. Ich bin nun 68 Jahre alt, aber ich spüre noch immer das Gefühl von damals.

Wann bist du zum ersten Mal in den roten Mantel geschlüpft?

Das war vor fast vierzig Jahren. Bekannte baten mich – ich hatte damals schon einen schönen Bart – bei ihnen die Bescherung zu machen. Ihr Enkelsohn, der in die zweite Klasse ging, ärgerte seine kleine Schwester damit, dass es gar keinen Weihnachtsmann gebe.

Und – konntest du überzeugen?
Der Weihnachtsmann, der klingelt ja nicht. Der Weihnachtsmann stapft die Stufen hoch und bullert an die Tür. Bumm, bumm, bumm! Der Schlauberger rennt den Flur runter, reißt die Tür auf und sagt: Ha! Der Weihnachtsmann ist da! Ganz erschrocken hat er die Tür wieder zugeschmissen. Dann machte die Oma auf, und es wurde eine tolle Bescherung. Wieder in der Schule erklärte er dann „Natürlich gibt es den Weihnachtsmann. Er war bei mir zu Hause!“

Aber Erwachsene glauben doch nicht mehr an den Weihnachtsmann...

Das ist die Moral der Geschichte: Wenn man an den Weihnachtsmann glaubt, dann gibt es ihn – in jedem Alter, von acht bis achtundachtzig.

Wer nicht an ihn glaubt, für den gibt es keine Geschenke?
Hm, ja (überlegt). Also, so herzlos ist der Weihnachtsmann nun auch wieder nicht. Ich möchte mit diesen Auftritten ja die Illusion, das Märchen, diese Erwartungshaltung und diese Freude auf Heiligabend erhalten. Uns ist in jener Nacht der Heiland geboren worden – das ist ein Geschenk. Deswegen gibt es für uns Christen Geschenke.

Zuerst muss man sich was wünschen.
Ja. Ich sage immer zu den Kindern: Den Wunschzettel entweder beim Weihnachtsmann direkt abgeben, dann geht er mit den Wichteln zum Nordpol. Oder man legt ihn abends zu Hause auf die Fensterbank. Ist er am Morgen weg, haben ihn nachts die Wichtel geholt.

Das ist gut zu wissen.
Ja, und dann, meine Liebe, guckst du Heiligabend unter den Tannenbaum, ganz unten, am Fuß – es könnte sein, dass ein Wunsch (er betont das „ein“) in Erfüllung gegangen ist. Wünsche hat man viele, aber nicht alle gehen in Erfüllung. Ein Mensch, der gar keine Wünsche mehr hat, ist ein armer Mensch.

Sonnabend haben Kinder bei dir Wunschzettel abgegeben. Was sollen wir als Zeitung damit machen?
Ihr sollt die per Luftpost zum Nordpol schicken, damit die Wichtel sich darum kümmern können. (Der Weihnachtsmann hat vor sich etliche Wunschzettel liegen. Von Briefpapier bis zu einem Pferdestall mit Boxen reichen die Wünsche, von einer Feuerwehr mit echtem Tatütata bis zu einem Puppenhaus. Die Briefe sind beklebt mit Glitzer und liebevoll bemalt.) Was für eine Mühe sich manche machen.

Bekommst du auch etwas geschenkt?
Ah ja, das gibt es ganz oft, dass mir welche einen kleinen Teller mit Keksen hinstellen und auch etwas zum Trinken, damit ich meinen Weg weiter machen kann. Und dann fragen sie nach Rudi.

Reist du mit dem Rentier-Schlitten?

Nicht immer. Es liegt ja nicht immer Schnee. Das habe ich letztens in einer Schule erklären müssen. „Bist du denn mit dem Schlitten hier?“, hab’ ich den Steppke gefragt. „Nö“, hieß es. „Siehst du“, sag ich, „darum bin ich mit dem Auto gekommen.“ Dann kommt der Einwand: Aber Rudi kann fliegen. (Der Weihnachtsmann hebt den Finger) Das kann er aber nur am Heiligen Abend.

Wann beginnt heute dein Dienst?
Am Vormittag bin ich in der Innenstadt unterwegs. Um 15 Uhr beginnen die Bescherungen, im Zwanzig-Minuten-Takt bis etwa 20.45 Uhr. Dann fahre ich nach Hause, geh’ unter die Brause.

Mit wem feierst du?
Ich habe meinen persönlichen Engel, der schenkt mir dann auch was – Freude und Rückhalt. Denn wenn du keinen Rückhalt hast, kannst du diese Aufgabe nicht bewältigen. Meine Frau ist bis abends alleine zu Hause. Wenn ich komme, gibt es traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen und anschließend machen wir uns das so richtig gemütlich.

Hat der Weihnachtsmann dann bis zum nächsten Jahr dienstfrei?
Nicht ganz. Ich arbeite am ersten Weihnachtstag noch einmal, denn dann ist in vielen anderen Ländern Bescherung. Ein Mal kam eine Familie aus Afrika, aus Namibia. Hier hatte es geschneit. Und dann kam auch noch der Weihnachtsmann, das war der absolute Höhepunkt für die Erwachsenen und die Kinder.

Warum lässt du im Januar deinen Bart stutzen?
Er muss kurz sein, damit für die Kinder ein Unterschied zu sehen ist. Sie können sonst nicht verstehen, dass der Weihnachtsmann durch die Stadt läuft. In der Adventszeit kann ich sagen: Ja, ich bin ja nicht im Kostüm, ich bin inkognito. Das ganze Jahr lasse ich den Bart wachsen, an seiner Länge kannst du also die Jahreszeit erkennen! (lacht)

Ziehen Kinder manchmal am Bart?

Nein, nur die Eltern schicken sie immer vor. Aber die Kinder wollen nicht ziehen. Das sind einzig die alkoholisierten Erwachsenen. Und das tut sehr weh!

Welche Wünsche hat der Weihnachtsmann?
Dass dieses Elend auf der Erde einmal ein Ende nimmt. Wenn ich sehe, wie die Kinder auf der Flucht weinen  . . . nein, das geht mir so etwas von nahe (schluckt). Die Kinder, unsere Zukunft, die können nichts für die Zustände. Ich wünsche mir Frieden auf der Welt.

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