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Ein Rendsburger filmte mit : Berliner Mauer auf Super 8

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Dokumentarfilm entstand aus Amateuraufnahmen. Morgen ist er in der Schauburg zu sehen.

Als am 13. August 1961 der Bau der Mauer begann, standen die Berliner Bürger unter Schock. Sie konnten nicht glauben, was mitten in ihrer Stadt passierte. Ungläubig hielten sie mit Fotoapparaten und Kameras das Geschehen fest. Auch Besucher des fortan geteilten Berlins machten unzählige Aufnahmen – zunächst in Schwarz-Weiß, später in Farbe. Lange Zeit blieben diese persönlichen Eindrücke im Verborgenen. Genauer: bis 2010. In jenem Jahr machten sich die Regisseure Claus Oppermann und Gerald Grote auf die Suche nach den privaten Aufzeichnungen. „Es stand der 50. Jahrestag des Mauerbaus an. Wir haben uns gesagt, dass wir das vorhandene Privatmaterial irgendwie retten müssen“, erklärt Oppermann die Idee.

Die damals verwendete Schmalfilm-Technik ist heute bei vielen Menschen in Vergessenheit geraten. Mit den alten Filmrollen können die wenigsten etwas anfangen. Verstirbt ein Amateurfilmer, landen seine Aufnahmen oftmals im Müll, mit Glück auf dem Flohmarkt. Diese Erfahrung haben Oppermann und Grote bereits bei zwei vorherigen Projekten gesammelt. Die beiden haben sich auf Super 8-Aufnahmen spezialisiert. 2007 veröffentlichten sie den Film „8mm Kieler Woche“ und ein Jahr später eine Doku über die Schneekatastrophe von 1978/79. Titel: „Schnee von gestern“. Dabei setzten sie ausschließlich Material von Privatleuten ein.

Für das Vorhaben um die Mauer suchten die Filmemacher mittels Aufrufen in Zeitungen und Handzetteln Personen, die entsprechende Acht-Millimeter-Filme besitzen. Außerdem schrieben sie Mitglieder von Schmalfilm-Clubs an. Die Suche war erfolgreich: Am Ende verfügten sie über 250 Filme mit insgesamt 50 Stunden Material. Weil davon nichts verloren gehen sollte, machten sich die Kieler selbst auf den Weg zu den Besitzern. „Wir waren in ganz Deutschland unterwegs. Der Draht zu den Menschen war uns sehr wichtig. Schließlich wurden uns private Aufnahmen anvertraut“, berichtet Oppermann. Zu einem der Amateurfilmer hatten sie es nicht weit: Ein Rendsburger hatte sich gemeldet. Der frühere Seefahrer war passionierter Super-8-Filmer und hatte Verwandte in der DDR. Bei Besuchen hatte er viel in Berlin und an der Mauer gefilmt. Ein Glücksfall für Oppermann und Grote. Ungesehen wurde das zur Verfügung gestellte Material im Kopierwerk zunächst digitalisiert. Erst die Duplikate verwendeten die Regisseure für ihre Arbeit. Im Jahr 2012 feierte der Film „Bis an die Grenze. Der Private Blick auf die Mauer“ schließlich Premiere. Bereits damals war er in Rendsburg zu sehen.

Im Rahmen des 25-jährigen Mauerfall-Jubiläums kam der Dokumentation unlängst neue Beachtung zu. Das Auswärtige Amt kaufte den Film an – in 74 Ländern war er zu sehen. Ausschnitte wurden auf Videoleinwänden bei den Feierlichkeiten in Berlin am vergangenen Wochenende gezeigt. „Das ist ein großer Ritterschlag für uns“, sagt Grote stolz. Am morgigen Sonnabend läuft „Bis an die Grenze“ nun noch einmal in Rendsburg. Das Schauburg-Filmtheater zeigt die Dokumentation um 17 Uhr. Oppermann und Grote sind zum Filmgespräch anwesend. Karten für sechs Euro können unter Tel. 0 43 31/2 37 77 reserviert werden.

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