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Landeszeitung

15. Dezember 2017 | 07:58 Uhr

Bericht aus Sien: „Esel schmeckt gut“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hella Kohlmeyer berichtet über ihre Erlebnisse in Aukrugs Partnergemeinde

von
erstellt am 25.Sep.2013 | 18:22 Uhr

Ein Jahr Burkina Faso in zwei Stunden: Hella Kohlmeyer berichtete im Gästehaus von ihren Erlebnissen in Aukrugs Partnergemeinde Sien. Die ehemalige Schulleiterin von Bargstedt (1995-2012) und Langwedel (2011-12) hat zehn Monate in Burkina Faso gelebt und dort für ein besonderes Schulangebot gesorgt: Deutschunterricht für die 7. bis 11. Klassen von Sien.

Die mangels Zwischenstopps etwas eintönige Schiffsreise nach Afrika handelte die ehemalige Schulleiterin kurz und bündig ab: „Zehn Tage vorne Wasser, hinten Wasser, links und rechts und unten Wasser.“

„Weil Burkina Faso ja nicht ans Wasser grenzt“, reiste Hella Kohlmeyer über Benin Richtung Sien, wo sie von der Dorfbevölkerung mit allem Tamtam empfangen wurde: „Wie Queen Mum wurde ich vom Dorfeingang zu meiner Herberge geleitet.“ Diese dem Privatschulbesitzer von Sien gehörende „Luxus-Suite“ (so Hella Kohlmeyer) mit eigener Terrasse und Fernseher sollte sogar noch luxuriöser ausgestattet werden: „Man hat mir eine riesige Parabolantenne im Garten installiert, damit ich deutsches Fernsehen empfangen könnte, was letztendlich nicht geklappt hat, aber das war eine nette Geste.“ Die Großfamilie, mit der die Schleswig-Holsteinerin auf dem gleichen Hof zusammenlebte, war meist draußen unter einem Maisstrohdach anzutreffen: „Man geht nur zum Schlafen ins Haus, alles andere spielt sich draußen ab.“

In den Schulklassen der weiterführenden Schule von Sien sah sich die Deutschlehrerin Klassen mit bis zu 80 Jugendlichen gegenüber: „Am Anfang hatte ich einen Weißen-Bonus, aber als der sich abgeschliffen hatte, war es schwierig, so eine große Anzahl von Schülern zu bändigen.“

Die Schilderung des Schulunterrichts war das Stichwort für Eitel-Wolf Necker, der seinen Job als Fotoeinspieler am Laptop kurz unterbrach, um über das neueste Projekt des Rotary-Clubs Neumünster-Vicelin berichtete. „Wir bezahlen das Schulgeld für einige begabte Kinder, damit die das Abitur machen können“, erklärte Aukrugs Ex-Bürgermeister. „Dieses Jahr haben sich sechs Schüler beworben, allen sechs konnte ich ein Stipendium zusagen, und das Geld ist auch schon überwiesen.“

Hella Kohlmeyer lud ihr Publikum zu einem „Spaziergang durch Sien“ ein, bei dem man unter anderem erfahren konnte, dass das Mofabenzin in Flaschen verkauft, das Dolo-Bier hingegen in Kanistern angeliefert und aus Kalebassen getrunken wird. Das Fleischangebot bietet für jeden Geschmack etwas: „Esel schmeckt gut, Hund sehr zart, Rind etwas zäh.“ Dem Leibgericht der Einheimischen konnte Hella Kohlmeyer nicht allzu viel abgewinnen: „Es gibt morgens Hirsebrei und abends Hirsebrei und immer mit irgendeiner grünen Schleimsoße.“ An den dauernden Hirsebrei gewöhne man sich indes irgendwann: „Er schmeckt ja nicht wirklich schlimm, er schmeckt eigentlich nicht nach viel.“

Die neuerdings in Düsseldorf wohnende Lehrerin zeigte auch Bilder vom Besuch einer Krankenstation im fünf Kilometer entfernten Zouma. „So eine Krankenstation ist ja auch das nächste Projekt unseres Partnerschaftsvereins für Sien“, erläuterte Hella Kohlmeyer.
Nach der Fotoreise durch Sien und einige Nachbarorte gab es als „Bonus“ ein Video vom Abfischen im Regenrückhaltebecken, und dann bedankte sich Partnerschaftsvereins-Chef Reimer Reimers beim 70-köpfigen Publikum: „Durch Ihr Interesse ermutigen Sie uns, mit unserer Arbeit weiterzumachen.“

Hella Kohlmeyer hat ihre Erlebnisse ausführlich in einem Blog geschildert, den man auf www.aukrug-sien.com nachlesen kann.


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