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Mörderische Autorin : „Bella Donna“ macht’s mit Belladonna

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Niederdeutsche Bühne Rendsburg feierte Premiere für eine Schwarze Kriminalkomödie. Das Ende bringt eine Überraschung. Weitere Aufführungen finden am Freitag und Sonntag statt.

Die Zuschauerin mochte ihren Ohren nicht trauen. Ein ums andere Mal war im Stadttheater schräg hinter ihr diese juchzende Lache zu vernehmen, die erst vor ein paar Tagen wieder – same procedure as every year – aus dem Fernsehgerät gedrungen war. Sollte die Niederdeutsche Bühne Rendsburg (nbr) für die Premiere von „Bella Donna“ etwa die Frau aus dem „Dinner for one“ engagiert haben? Doch eine 86-Jährige – dieses Alter hat Sonja Göth mittlerweile erreicht – war auf den in Frage kommenden gut gefüllten Rängen nicht auszumachen. Also wird es sich um eine Doppelgängerin gehandelt haben, die einfach ihren Spaß an der Schwarzen Kriminalkomödie hatte. Sie spielt – wie passend – an Silvester.

Im letzten Stück, „Wieverregiment“, stand ein vorsintflutliches Radio auf der Bühne, diesmal war eine Liebesbeziehung im Internet angeknüpft worden. Die nbr kann also auch modern, musste aber mit ihrer Interpretation den Nachbarn den Vortritt lassen. Das Stück des 1969 geborenen Österreichers Stefan Vögel, von Gerd Meier ins Plattdeutsche übersetzt, wurde 2012 von der Niederdeutschen Bühne Neumünster erstmals in der Mundart aufgeführt.

„Jeder hett sien Hochbeet kreegen. Un to Fröhjohr ward he Humus“ für das Kräuterwerk. So schlicht erklärt die liebestolle Kochbuchautorin Carmen ihrer fassungslosen Tochter die Methode, alle zwei Jahre am Silvesterabend einen Mann mittels Belladonna (Tollkirsche) um die Ecke zu bringen. Das schafft sie dank einer Unmenge Champagner, in den die erotisierenden, später die tödlichen Mittel eingestreut werden, und mit Hilfe zeichengebender Musik. Singt Nat King Cole „Unforgettable“, wird das prickelnde Getränk verabreicht, ertönt „Je t’aime“ mit Jane Birkin und Serge Gainsbourg, beginnt das Gebräu zu wirken. Genauso drastisch wird über weite Strecken vom „In-de-Puch-Gahn“ gesprochen. Doch auf Platt klingt bekanntlich alles harmloser, und bei der Deutlichkeit der Sprache wird das Gruselig-Absurde als normal empfunden.

Im ersten Akt knallen Korken und Silvester-Böller, im zweiten lässt es Regisseur Hans-Jürgen Klingenhoff – er gibt auch die später wieder zum Leben erwachende Leiche Bernie – deutlich ruhiger angehen. Fast scheint es, als sei mit dem Feuerwerk auch das zündende Pulver der Komödie etwas verschossen.

Dem Publikum, in dem schon bald ein „Richtig gut“ geraunt wurde, hat’s prächtig gefallen. Einen großen Anteil daran hatte das sich zankende und versöhnende junge Paar: die kratzbürstige Studentin Sabine und Valentin, der angeblich auf Eltern, Rotarier und Junge Union fixierte Sohn aus gutem Hause. Zwei-Meter-Mann Lars Böhrnsen und Christiane Buhl wurden ebenso mit Jubelrufen und Füßetrampeln verabschiedet wie „Carmen-Bella Donna“ Angelika Prokasi, deren Stimme jedoch manchmal als zu durchdringend empfunden wurde. Rolf Dammann imponierte mit seiner Fähigkeit, im Stehen zu schlafen und aus der Blumenvase zu trinken (da war doch was?). Und Hartmut Lorenzen wirkte als Vater Strachwitz ein bisschen zart gegenüber seinem Riesensohn.

Wer auf das nach mehreren Wendungen doch überraschende Ende gespannt ist, dem sei ein Besuch bei „Bella Donna“ im Theater am kommenden Freitag (20 Uhr) oder Sonntag, 12. Januar (19 Uhr), empfohlen.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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