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Landeszeitung

18. August 2017 | 22:28 Uhr

„Bella Block ist tot“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Doris Gercke las aus ihrem neuen Buch und sprach über ihre bekannte Ermittlerin

„Es geht heute nicht um Bella“, stellte Doris Gercke gleich zu Beginn fest. „Literatur Live“ hatte die Autorin nach Nortorf ins Markushaus eingeladen. Nachdem Gercke aus ihrem neuen Buch gelesen hatte, beantwortete sie aber doch bereitwillig Fragen über ihre berühmte Ermittlerin.

2012 ist der letzte Bella-Block-Krimi erschienen. Anschließend wollte die in Hamburg lebende Schriftstellerin „auch einmal etwas anderes machen“. Ein Urlaub auf der griechischen Insel Samos gab dann den Ausschlag. „Wenn ich eine Idee habe, sucht sie sich eine Form. Und manchmal ist der Krimi ungeeignet“, erklärte die 78-Jährige. „Eine Liebesgeschichte hatte ich noch nie geschrieben“, gestand sie. „Königin der Insel“ (Atlantik Verlag) ist eine Erzählung, in der Gercke die Geschichte einer Liebe auf Samos beschreibt. Und da sie aus der Feder der frauenkämpferischen Autorin stammt, ist es keine romantisch-verklärte Version, sondern eine, die auch die momentanen sozialen Verhältnisse in Griechenland beleuchtet, eine „Liebesgeschichte mit Ecken und Kanten“.

Erzählt wird aus der Sicht von vier Personen. Zu Wort kommen Genia (die Frau des Bauunternehmers Stavros), der Wirt Kostas, der Fischer Christos und Lorenzo, der Geliebte von Genia. Die vorgelesenen Passagen vermittelten einen guten Eindruck vom Rhythmus der Erzählung und zogen die Zuhörer im Markushaus schnell in den Bann. Man fühlte und schmeckte die warme griechische Luft, die spannungsgeladene Atmosphäre, als Stavros seinem Konkurrenten begegnet und erhielt einen Einblick in die Lebens- und Denkweise auf der Insel. Den Ausgang der Geschichte verriet die Autorin nicht: „Dafür müssen Sie sich das Buch ausleihen oder kaufen“, erklärte sie lächelnd und so bildete sich eine Schlange am Büchertisch.

Einige Besucherinnen hatte einen Bella-Block-Krimi zum Signieren dabei. 1988 war unter dem Titel „Weinschröter, du musst hängen“ der erste Fall mit der Hamburger Kommissarin erschienen, wurde gleich ein Erfolg und 1991 verfilmt. Hannelore Hoger in der Rolle der Bella Block „gefällt mir nach wie vor ganz wunderbar“, gestand deren geistige Mutter. Es sei damals auch Senta Berger im Gespräch gewesen, die sie sehr möge. Aber Bella sei ein norddeutscher Charakter. Ein Drehbuch für die Filme hat Doris Gercke nie geschrieben, ja, sie hat sogar die Rechte an der Filmfigur verkauft. „Das habe ich nie bereut.“

Zwar käme von der besonderen Biografie der Roman-Bella nichts in den Filmen zur Sprache, ebensowenig wie die politischen Aspekte, die in ihren Büchern eine wichtige Rolle spielen. Aber: „Hannelore Hoger hat gesagt, die beiden sind wie Zwillinge. Die eine ist zum Film gegangen, die andere zum Buch.“

Als Doris Gercke in der dtv-Anthologie „Sie kriegen jeden“ einen Steckbrief und eine Geschichte über ihre Heldin verfassen sollte, „war es günstig, zu schreiben, dass Bella gestorben ist“, meint sie. Damit hatte sie Zeit für etwas Neues – wie die „Königin der Insel“.

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erstellt am 24.Apr.2015 | 11:58 Uhr

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