Insolvenz : Bei IBG Haus gehen die Lichter aus

In Büdelsdorf sind mehr als 80 von insgesamt 150 Angestellten betroffen - die meisten werden durch die Pleite arbeitslos. Foto: Trittmaack
In Büdelsdorf sind mehr als 80 von insgesamt 150 Angestellten betroffen - die meisten werden durch die Pleite arbeitslos. Foto: Trittmaack

Viele Mitarbeiter von IBG Haus in Büdelsdorf werden arbeitslos, die meisten Baustellen des insolventen Unternehmens werden nicht weitergeführt.

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05. Dezember 2012, 11:32 Uhr

büdelsdorf | Für die Mitarbeiter ist es ein schwarzes Kapitel kurz vor Weihnachten, für Büdelsdorf eine "bittere Pille", so Bürgermeister Jürgen Hein: Das Amtsgericht Neumünster hat das Insolvenzverfahren für sieben der elf Gesellschaften der IBG Gruppe eröffnet. Ein Investor für das gesamte Unternehmen mit Stammsitz an der Hollerstraße konnte nicht gefunden werden - beim bundesweit tätigen Massivhaus-Anbieter gehen damit endgültig die Lichter aus.
Eröffnet wurden die Insolvenzverfahren für folgende Gesellschaften der IBG-Gruppe: IBG Holding GmbH, IBG Haus GmbH (Büdelsdorf), IBG Haus Süd GmbH, IBG Haus Hennigsdorf GmbH, IBG Haus NRW GmbH, IBG Grundstücksverwaltung GmbH und IBG Select GmbH. Für die weiteren vier Gesellschaften steht die Entscheidung über eine Aufnahme des Insolvenzverfahrens oder eine Ablehnung mangels Masse noch aus.

Kernteam wickelt Arbeit ab

In Büdelsdorf sind mehr als 80 von insgesamt 150 Angestellten betroffen - die meisten werden durch die Pleite arbeitslos. "Ein Kernteam von rund ein dutzend Mitarbeitern wickelt in Büdelsdorf die Arbeit ab. Alle anderen wurden freigestellt oder haben ihre Kündigung bekommen", sagte ein Sprecher des Kieler Insolvenzverwalters Reinhold Schmid-Sperber.
Bauherren, Handwerker, Lieferanten und sonstige Gläubiger der mit rund 50 Millionen Euro verschuldeten Gruppe können ihre Forderungen ab sofort beim Insolvenzverwalter anmelden. Mit minimaler Aussicht auf Erfolg: "Wir rechnen aufgrund der geringen Insolvenzmasse und der sehr hohen Verbindlichkeiten derzeit bestenfalls mit einer Quote im einstelligen Prozentbereich", sagte Schmid-Sperber. "Dabei werden alle Gläubiger gleich behandelt - vom Finanzamt und Sozialversicherungsträgern sowie Banken über Handwerker und Lieferanten bis hin zu den Bauherren."

Viele Baustellen werden nicht weitergeführt

Das Gros der Baustellen wird von IBG nicht weitergeführt. Die Bauherren sollen hierüber demnächst schriftlich informiert werden. Derzeit werden Verhandlungen über die Übertragung einzelner Bauverträge geführt, heißt es aus dem Büro des Insolvenzverwalters. Sofern Bauherren, Handwerker und Lieferanten dem zustimmen, treten sie jeweils in ein neues Vertragsverhältnis mit dem Investor. Verbindlichkeiten und Haftung für Gewährleistungsmängel aus den IBG-Verträgen wird dieser in aller Regel nicht übernehmen.
Handwerker und Zulieferer sollten jetzt prüfen, mit welchem der Unternehmen ein Vertragsverhältnis besteht. Material, das bereits fest verbaut wurde, ist Eigentum des Bauherren und bleibt es auch. Es darf nicht wieder entfernt werden. Das gilt selbst für Geräte und Armaturen, bei dem ein Ausbau ohne Schaden möglich wäre, etwa Sanitäranlagen oder Heizkörper. Ein Verstoß hiergegen wäre ein Straftatbestand. Außerdem dürfen Lieferanten oder Handwerker Leistungen nur in Rechnung stellen, wenn sie direkt und ausdrücklich vom Bauherrn beauftragt wurden - etwa um ein Dach vor dem Winter abzudichten, weil die IBG diese Leistung noch nicht vertragsgemäß erbracht hatte. In allen anderen Fällen besteht das Vertragsverhältnis mit der IBG-Gesellschaft - Adressat ist damit der Insolvenzverwalter.
Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein nannte die IBG-Pleite "eine Katastrophe für jeden einzelnen Mitarbeiter". Es sei aber auch eine Chance, dass an dem Standort an der Hollerstraße etwas Neues entstehe. "Für den Wirtschaftsstandort Büdelsdorf ist es ein Tritt gegen das Schienbein, aber es haut uns nicht um. Wir sind froh, dass Büdelsdorf so breit aufgestellt ist."
Fragen und Antworten von und für Handwerker seit Montag online.

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