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Interview mit Harald Striewski : Bei Hobby geht es wieder aufwärts

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Kurzarbeit in Fockbek endet voraussichtlich Ende Februar. Unternehmenschef Striewski will Mitte 2014 eine neue Baureihe präsentieren.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2013 | 09:44 Uhr

Gute Nachrichten von Hobby: Der Wohnmobil- und Caravan-Markt zieht europaweit wieder an, und davon profitiert der Hersteller aus Fockbek. Gründer und Inhaber Harald Striewski (76) ist optimistisch, dass ab März wieder mit voller Kraft produziert werden kann. Mit dem Chef und Firmengründer von Hobby sprach unser Redaktionsmitglied Dirk Jennert.

Herr Striewski, im September wurde die Region von der Nachricht aufgeschreckt, dass bei Hobby kurzgearbeitet werden müsse. Wie geht es Ihrem Unternehmen derzeit?

Uns geht es gut, wir kommen vernünftig durch die Krise. Zwar werden wir in diesem Jahr nicht die Gewinne einfahren können, mit denen wir in den vergangenen Jahren verwöhnt worden sind, aber zumindest eine schwarze Null werden wir erreichen. Ein Verlust kommt auch gar nicht in Frage. Da habe ich meinen kaufmännischen Stolz.

Der Markt für Wohnmobile und Wohnwagen ist im vergangenen Jahr geschrumpft. Wie lange werden Sie noch auf Kurzarbeit setzen müssen?

Ich bin optimistisch, dass die Kurzarbeit nur bis Ende Februar dauern wird. Bei uns in Deutschland hatten wir nicht die Absatzprobleme. Sorgen haben uns lediglich die Märkte in Holland und Südeuropa bereitet. Hobby lebt aufgrund seiner Größe vom Exportgeschäft, und hier ist eine deutliche Zurückhaltung zu spüren. Aber es gibt wieder positive Signale. Das Geschäft zieht an. Von allen Caravan-Messen in Europa werden Besucherrekorde gemeldet.

Sie hätten in Sachen Personal auch einen anderen Weg gehen können: Entlassungen statt Kurzarbeit. Wäre das für Sie gar nicht in Frage gekommen?

So lange wir die Flaute mit Kurzarbeit überbrücken können, wollen wir keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen. Es gab in der Geschichte von Hobby immer mal Durststrecken, die wir bewältigen mussten. Anschließend ging es wieder bergauf, und dann wurden alle Mitarbeiter auch wieder gebraucht. Wenn man seine Belegschaft halten will, ist Kurzarbeit die bessere Lösung.

Ihre Mitarbeiter gelten als loyal gegenüber dem Unternehmen. Was zeichnet Hobby als Arbeitgeber aus?

Wir halten zusammen, auch jetzt in der Krise. Ich persönlich habe ein sehr gutes Verhältnis zum Betriebsrat und zur Belegschaft. Ich zahle die Löhne pünktlich, berücksichtige jede Lohnerhöhung, es gibt Weihnachts- und Urlaubsgeld. Für mich ist es eine angenehme Pflicht, kurz vor Weihnachten durch den Betrieb zu gehen, jedem Mitarbeiter die Hand zu geben und ihm ein frohes Fest zu wünschen. Der Betriebsrat hat mal bei einer Betriebsversammlung gesagt: „So lange Ihr Auto jeden Tag vor dem Büro steht, machen wir uns um die Firma keine Sorgen.“ Das ehrt mich, verpflichtet aber auch zugleich.

Sie sind jetzt 76 Jahre alt. Aber an einen Rückzug ins Private scheinen Sie nicht zu denken.

Nein, werde ich auch nicht. Ich habe früher gesagt: Wenn ich 50 werde, ziehe ich mich aus dem Geschäftsleben zurück. Diese Frist habe ich dann immer weiter verlängert. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass ich ohne meine Firmen nicht sein kann. Ich bin weiterhin jeden Tag um 6 Uhr im Büro und kümmere mich unter anderem um neue Modelle. Mir macht das große Freude. Das operative, tägliche Geschäft überlasse ich aber meinen Geschäftsführern.

Vor Jahren soll es sogar mal einen Interessenten gegeben haben, der Ihre Firmen kaufen wollte.

Das stimmt. Er hat für den Konzern über eine Milliarde Euro geboten. Aber was hätte ich damit machen sollen? Ich hätte es vielleicht bei Lehman Brothers deponiert. Die haben jedoch in der Finanzkrise pleite gemacht, und alles hätte sich in Luft aufgelöst. Nein, das wäre nichts gewesen. Ich hätte mich hier in Fockbek ja nicht mehr sehen lassen können. Und just zu dieser Zeit erfuhr ich dann, dass die Gemeinde eine Straße nach mir benennen möchte. Da konnte ich natürlich erst recht nicht mehr verkaufen.

Mitbewerber von Ihnen sind gerade auf Gedeih und Verderb den Banken ausgeliefert und benötigen dringend frisches Geld. Können Sie sich auf die Banken verlassen?

Das muss ich gar nicht. Denn Bankkredite, Hypotheken oder andere Fremdmittel habe ich nie in Anspruch genommen. Das gibt mir die nötige Freiheit und Sicherheit für meine unternehmerischen Entscheidungen. Alle Gewinne bleiben im Konzern und werden zur Weiterentwicklung und Sicherung unserer Arbeitsplätze eingesetzt.

Wie wollen Sie die Marktführerschaft bei Wohnmobilen und Caravans verteidigen?

Der Trend geht eindeutig vom Wohnwagen zum Reisemobil. Hier liegt unsere große Chance. Die Produktionshallen und erforderlichen Maschinen für eine größere Reisemobilproduktion sind fertiggestellt, die Entwicklung einer weiteren Baureihe und der Ausbau von Kastenwagen laufen auf vollen Touren. Derzeit planen wir, Mitte des Jahres 2014 unsere neue Baureihe zu präsentieren.

Und was geschieht mit Hobby, wenn Sie eines Tages nicht mehr da sein sollten?

Dann wird Hobby in eine Stiftung überführt. Das wird zur Zeit geregelt. Klar ist: Die Firma wird nicht verkauft. Und meine letzte Ruhestätte möchte ich gern in Fockbek finden.

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