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Von Atomen und Molekülen : Bei Chemie ist er in seinem Element

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wahram Andrikyan, Schüler des Helene-Lange-Gymnasiums, unter den Top 60 in Deutschland. Er kämpft jetzt in der dritten Runde um die Qualifikation für eine ganz spezielle Olympiade.

Aufgaben, die zahlreiche seiner Mitschüler verzweifelt aufgeben lassen, spornen Wahram Andrikyan nur an: Die Hauptbestandteile von Lavendelöl zu identifizieren. Die Zersetzungsreaktion von Harnstoff zu erklären. Oder selber eine Aspirin-Tablette herzustellen. Denn wenn’s um Chemie geht, ist der 18-Jährige ganz in seinem Element. Mit seinem Wissen und Willen zum Durchbeißen ist er bis in die dritte Runde der Internationalen ChemieOlympiade gelangt. Damit gehört er zu den 60 besten in ganz Deutschland . Und damit hat seit fünf Jahren erstmals wieder ein Schüler aus Schleswig-Holstein die Chance, an der Entausscheidung des Wissens-Wettkampfes teilzunehmen.

Drei Stunden Chemie in der Woche stehen bei dem Schüler des Helene-Lange-Gymnasiums (Hela) auf dem Stundenplan. Das sei nicht viel, bedauern er und seine Chemie-Lehrerin. Von Vivien Rohwer erhielt er den Tipp zu der Olympiade. Wer sich jetzt vorstellt, dass der 18-Jährige zu Hause mit dem chemischen Baukasten experimentierte, ist auf dem Holzweg. „Nee“, lächelt Wahram. „Das ist was für Grundschüler.“ Und ein Labor in der Garage habe er auch nicht. Das wiederum sei nur was für die richtigen Nerds, die absoluten Freaks, die er bei Seminaren während des Wettbewerbs kennen gelernt hat.

Der Hela-Schüler taucht lieber lesend in die Welt von Molekülen und Atomen ein und hat auch noch weitere Interessen. So macht er regelmäßig Karate: Kürzlich belegte er bei den Landesmeisterschaften den fünften Platz. Auch an der Schüler- und Abizeitung arbeitet er mit. Dennoch fand Wahram Zeit für die Olympiade-Aufgaben. „Weil es spannend ist“, wie er sagt. Gegen 1128 Mitbewerber setzte er sich in der ersten Runde durch. „Andrikyan löste die vielfältigen Aufgaben mit Bravour“, bescheinigte ihm das Leipniz-Instiut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel, dass den Wettbewerb betreut. Dann wurde es kniffelig, anspruchsvoll und ging weit über die Schulchemie hinaus. Daher stiegen von den 794 Teilnehmern die meisten aus. Lehrerin Vivien Rohwer: „Da muss man sich reinfuchsen. Es sollen Schüler sein, die sich mit der Materie auseinander setzen.“

Genau das tat Wahram, macht aber kein großes Aufheben davon. „Ich versuche erst mal, in die vierte Runde zu kommen“, winkt er – nach seinen Aussichten befragt – bescheiden ab. Vom 22. Februar bis 3. März wird er sich in Göttingen mit den 59 weiteren Teilnehmern messen. Das ist kein Zuckerschlecken, unter anderem zwei theoretische Klausuren von je fünf Stunden sind zu bestehen. Außer einer kleinen Formelsammlung, einem Periodensystem, einem Geodreieck und einem Taschenrechner gibt es keine Hilfsmittel.

Als Belohnung für Leistung und Durchhaltewillen gab’s bisher ein Themencamp im XLab in Göttingen: „Die praktische Arbeit war richtig gut“, ist der Hela-Schüler begeistert. In dem Experimentallabor ist nämlich alles an Geräten vorhanden, was sich ein Chemiker wünscht. Da ist der junge Mann auf den Geschmack gekommen. „Ich möchte Pharmazie studieren“, sagt er und rechnet damit, dass sein Wunsch zu 95 Prozent Wirklichkeit wird.

Und sollte er unter den besten Vier sein, die Deutschland bei der ChemieOlympiade vertreten, dann ist Wahram Andrikyan weit herumgekommen: Von Jerewan, der armenischen Hauptstadt, in der er geboren wurde, nach Rendsburg, in das er im Alter von einem Jahr kam, bis nach Hanoi in Vietnam.

 

Stichwort: ChemieOlympiade

> Chemie ist eine Naturwissenschaft, die sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen beschäftigt. Die Stoffportionen enthalten entweder Atome (z. B. Metalle wie Eisen), Moleküle (z. B. flüchtige Stoffe wie Wasser) oder Ionen (z. B. Salze wie Kochsalz). Zentrale Konzepte der Chemie sind chemische Reaktionen und chemische Bindungen.

> Die Internationale ChemieOlympiade (IChO) wird seit 1967 jährlich in einem anderen Land ausgetragen: Vierköpfige Schülerteams aus mehr als 70 Nationenmessen sich in theoretischen und praktischen Aufgaben. In Deutschland führt das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel die Auswahlrunden durch.

> Vom 21. bis 30. Juli 2014 findet die ChemieOlympiade in Hanoi (Vietnam) statt.

> Ab 3. März kann man sich für den Wettbewerb 2015 bewerben: www.icho.de


 

 

 

 

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erstellt am 18.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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