Die Not mit dem Strom : Behörde warnt: Zu wenig Notstrom bei Katastrophen

Schiffsdieselmotor sichtert die Notstromversorgung. Im Kreisgebiet stehen jedoch zu wenige Aggregate für den Notfall zur Verfügung, bemängeln Thilo Rohlfs (rechts) und Svend Rix.
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Schiffsdieselmotor sichtert die Notstromversorgung. Im Kreisgebiet stehen jedoch zu wenige Aggregate für den Notfall zur Verfügung, bemängeln Thilo Rohlfs (rechts) und Svend Rix.

Umfrage im Kreis ergibt unzureichende Versorgung mit Aggregaten.

shz.de von
23. Juli 2015, 12:00 Uhr

Im Katastrophenfall droht in Rendsburg-Eckernförde ein Engpass bei der Versorgung mit Notstrom. Davor warnt die Kreisverwaltung nach der Auswertung einer Umfrage. Sie hat erhoben, welche Einrichtungen sich selbst im Fall eines längeren, flächendeckenden Stromausfalls mit Elektrizität versorgen können. Das Ergebnis: In mehr als zwei Dritteln gehen die Lichter komplett aus. In manchen Fällen kann das sogar Menschenleben in Gefahr bringen.

Die Verwaltung verfügt über Angaben von 909 „kritischen Infrastrukturen“ im Kreis. Dazu gehören unter anderem Feuerwehrhäuser, Rettungswachen, Wasser- und Klärwerke sowie Kliniken. Bei ambulanten Pflegediensten ist das Ergebnis besonders erschreckend. Von den 14 Firmen, die auf die Anfrage geantwortet haben, verfügt keine einzige über eine Notstromversorgung. „Das ist eine ganz schlechte Quote“, sagt Dr. Thilo Rohlfs, Leiter des Katastrophenschutzes im Kreis. Das Problem: Die Dienste betreuen Dialyse- und Beatmungspatienten zu Hause. Fällt der Strom aus, können die lebenswichtigen Geräte in manchen Fällen zwar durch einen Batteriepuffer etwa zwei Stunden lang weiterlaufen. Doch wenn der Ausfall länger anhält, brauchen die Patienten schnelle Hilfe. Wo die sich aufhalten, wissen allein die Pflegedienste. Eine Evakuierung, etwa in die mit Notstrom versorgte Imland-Klinik, ist laut Rohlfs also schwierig. „Das ist ein großes Problem. Wir können den Pflegediensten nur eindringlich raten, sich Gedanken zu machen“, sagte er.

Vor „Schwarzfällen“ hatte die Kreisverwaltung bereits im vergangenen Jahr gewarnt (wir berichteten). Das Szenario eines Stromausfalls in großen Gebieten über mehrere Tage werde immer wahrscheinlicher – und kaum zu beherrschen. Die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern wie Essen, Wasser, Geld und Benzin werde dann „in kürzester Zeit zusammenbrechen“, sagte Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer damals. Der Grund dafür sind Netzfrequenzschwankungen durch die Einspeisung von Strom aus erneuerbarer Energie. Tritt der Schwarzfall ein, müsse laut Rohlfs jeder selbst für sich sorgen. „Wir können nur die allergrößten Gefahren für Leib und Leben abwehren“, sagte er. Er wolle Panik vermeiden, doch die staatlichen Ressourcen stoßen ihm zufolge „schnell an ihre Grenzen“. Denn Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste werden alle Hände voll mit einer rasant steigenden Zahl von Unfällen und Bränden zu tun haben.

Mit der Umfrage unter allen Einrichtungen, die entweder für die öffentliche Ordnung oder die „Sicherung von Leib und Leben“ wichtig seien, wolle der Kreis sich einen Überblick verschaffen und die betroffenen Stellen sensibilisieren. Unter den neun Pflegeheimen, die auf die Anfrage geantwortet haben, haben fünf keine Notstromversorgung. In dreien kann Strom von außen eingespeist werden, etwa durch einen fremden Generator. Nur eines kann im Fall der Fälle autark arbeiten: Das Therapiezentrum Rickert. Besser sieht es bei den Feuerwehrhäusern aus: 47 von 110 im Kreis haben eine Notstromversorgung. „Die Quote ist schon ganz gut. Das ist wichtig, weil die Häuser im Ernstfall die einzige Anlaufstelle der Bürger in kleinen Gemeinden sind“, sagte Rohlfs. Von 537 befragten Bauernhöfen mit Viehhaltung haben ihm zufolge 137 eine Alternative zum Strom aus der Steckdose. Denn Melkmaschinen und Stallbelüftung müssen auch im Schwarzfall weiterlaufen. „Die Tiere leiden sonst massiv“, so der Katastrophenschutzleiter.

Fast beruhigend findet Rohlfs, dass es drei Tankstellen im Kreis gibt, die nicht auf das öffentliche Stromnetz angewiesen sind. „Die Dieselversorgung ist eine der ersten Ressourcen, auf die wir zugreifen würden.“ Denn die Notstromaggregate werden mit diesem Kraftstoff betrieben. Auch der Fünf-Zylinder-Schiffsdieselmotor im Keller des Kreishauses, der dort mit 60  000 Watt Leistung die Versorgung sicherstellen kann. Damit bildet das Kreishaus die Ausnahme unter den 21 Verwaltungsstellen im Kreis – zusammen mit dem Amt Jevenstedt. Das hat in diesem Jahr zwei Notstromaggregate für seine beiden Häuser in Jevenstedt und Westerrönfeld für insgesamt 7700 Euro angeschafft – und gleich auch die beiden Feuerwehrgerätehäuser in der Nähe daran angeschlossen.

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