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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 14:08 Uhr

Begleitung auf dem letzten Weg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Helfer des ambulanten Hospizdienstes berichten von ihren Erfahrungen / In Kursen werden sie für ihre Aufgabe intensiv vorbereitet

von
erstellt am 26.Nov.2014 | 20:57 Uhr

Wenige Sätze oder kleine Gesten sind seine Belohnung. Hans-Heinrich Cordt erinnert sich genau an die Worte eines sterbenskranken Mannes: „Jetzt plane ich bis Ostern.“ Dabei hatte der Mann vier Wochen zuvor noch überlegt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Doch die Betreuung und der Zuspruch des Hospiz-Helfers hatten zu einem Sinneswandel geführt.

Cordt ist einer von 17 Ehrenamtlern, die kürzlich ihren Befähigungskurs für die Hospizarbeit beendet haben. Nach einem Grundkurs im Frühjahr hatten sie im Sommer die ersten Praxiseinsätze; jetzt im Herbst folgte ein Vertiefungslehrgang. Einige der Helfer hatten zuvor schon persönliche Erfahrungen mit dem Thema Tod gemacht. Tina Storm-Ohm aus Elsdorf-Westermühlen beispielsweise begleitete ihre Schwiegereltern „sehr intensiv“ auf ihrem letzten Weg, beobachtete aber auch das einsame Sterben im Heim. „Das fand’ ich schrecklich.“ Darum entschied sie sich, Hospizhelferin zu werden.

„Wir sind kein Pflegedienst“, betont Tanja Engel – das gilt für den Kinder- und Jugendhospizdienst wie für die Unterstützung der Erwachsenen. Hilfe im Alltag ist angesagt, vielleicht die Begleitung zum Arzt. Ansonsten gilt: „Fragen, zuhören und nicht belehren“, fasst Hans-Heinrich Cordt die Aufgabe zusammen. Das konfrontiert die Männer und Frauen manchmal mit schwierigen Situationen – oder mit berührenden. Werner Frahm aus Fockbek erinnert sich an den Besuch bei einer 70-Jährigen, die noch kurz vor dem Tod bedauerte: „Meine Mutter hat nur meinen Bruder lieb gehabt.“ Das ging Frahm nahe. Aber er und die anderen Helfer haben in den Kursen gelernt, dass sie nicht mitleiden dürfen. „Dann sind wir nicht unbedingt eine Hilfe.“

Zwei Kinder hat Karin Willmann aus Fockbek groß gezogen. Jetzt widmet sie sich Familien, in denen jemand krank ist. „Wenn ein Kind erkrankt ist, ziehen die Geschwister oft den Kürzeren“, weiß Tanja Engel. Die Helfer gehen mit ihnen zum Schwimmen oder spielen mit ihnen. Die Kinder haben feine Antennen, fragen auch ganz direkt: „Muss meine Mama sterben?“ In den Seminaren haben die Helfer auch das Rüstzeug für Situationen wie diese erhalten. Aufklärungsarbeit dürfen sie nicht leisten, die Fragen sollen die Eltern beantworten. Vermittelt wurde ihnen auch, dass Kinder anders trauern als Erwachsene. Ein Junge malte Bilder für seinen toten Opa und sprach mit ihm. Besorgt wollte die Mutter wissen: „Ist mein Kind normal?“ Tanja Engel konnte sie beruhigen.

Eines betonen die Helfer: Die Begleitung auf dem letzten Weg ist nicht nur von Trauer geprägt. Die Atmosphäre im Haus Porsefeld ist entspannt, es wird auch gelacht. Dass das Thema Tod tabuisiert wird, bedauern die Männer und Frauen. Schließlich gehöre der Tod zum Leben, betont Werner Frahm. Und von seinem Ehrenamt sagt der ehemalige Banker: „Wenn man etwas gibt, bekommt man es mehrfach zurück“.

> Infoabende: Ambulanter Hospizdienst, 21. Januar und 17. Februar, 19 Uhr, Denkerstraße 3 / Kinder- und Jugendhospizdienst, 26. Januar, Uhrzeit und Ort werden in der Landeszeitung bekannt gegeben. Bei Fragen: 04331/94371-31 (Busch), -41 (Engel).

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