Besuch im Fendt-Werk : Bayerns Wohnwagenkönig kommt aus Schleswig-Holstein

Unternehmer Harald Striewski in seiner 25000 Quadratmeter großen Fabrik. Im Vordergrund werden Einzelteile produziert. Im Hintergrund ist die Fertigungsstraße zu erkennen.
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Unternehmer Harald Striewski in seiner 25000 Quadratmeter großen Fabrik. Im Vordergrund werden Einzelteile produziert. Im Hintergrund ist die Fertigungsstraße zu erkennen.

In Fockbeck werden Hobby-Wohnwagen und Wohnmobile produziert. Im süddeutschen Mertingen lässt Harald Striewski Fendt-Caravans herstellen. Viermal im Jahr besucht der Unternehmer die Firma, die seit 1998 zu seinem Konzern gehört..

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02. Juli 2014, 19:32 Uhr

Es ist wie immer. Fast. Nur in einem Detail unterscheidet sich der Rundgang durch die Fabrik auf der grünen Wiese von seiner regelmäßigen Tour durchs heimische Hobby-Wohnwagenwerk in Fockbek. Statt „Guten Tag“ oder „Moin, Moin“ ruft Harald Striewski (77) seinen Mitarbeitern ein fröhliches „Grüß Gott“ zu. So ist das nun mal in Bayern. Mit dem norddeutschen Gruß könnte im Fendt-Werk in Mertingen – 35 Kilometer nördlich von Augsburg – niemand etwas anfangen.

Seit 1998 gehört die Firma Fendt-Caravan zum Hobby-Konzern. Drei Jahre zuvor war Fendt vom US-amerikanischen Unternehmen AGCO übernommen worden. Die Amerikaner waren vor allem auf die Fendt-Traktoren fixiert, mit den Wohnwagen und Wohnmobilen konnten sie hingegen nicht viel anfangen. Striewski erfuhr davon und griff zu, zumal er in der Marke ein großes Potenzial sah. Doch zuvor musste alles auf den Kopf gestellt werden. Mitten durch das alte Fendt-Werk verlief eine ICE-Strecke. „Wenn der Zug da durchdonnerte, bekam ich immer einen Schreck“, sagt der Unternehmer. Er entschied, ein neues Werk zu bauen mit optimal aufeinander abgestimmten Produktionsabläufen. „Das ist noch besser als in Fockbek, da habe ich ja immer angebaut.“

Für Fendt war die Hochzeit mit Hobby ein Glücksfall: „Von meinen guten Einkaufskonditionen bei den Zulieferen hat Fendt profitiert.“ Von 1998 bis 2013 verdoppelte sich der Umsatz von 60 Millionen auf 130 Millionen Euro. Die Zahl der gebauten Wohnwagen stieg von über 5000 auf knapp 8000 Stück pro Jahr. Allerdings: Die Absatzdelle, mit der Hobby seit 2013 zu kämpfen hat, erfasste auch Fendt. Durch die Wirtschaftskrise in Frankreich und den südeuropäischen Staaten sank der Absatz um etwa zehn Prozent. Striewski allerdings ist optimistisch und verweist auf neue Modelle und und die Erweiterung der Produktpalette sowohl in Mertingen und als auch in Fockbek: „Im kommenden Jahr wird es wieder aufwärts gehen.“

In den ersten Jahren nach der Fendt-Übernahme verbrachte der Unternehmer die Hälfte seiner Arbeitszeit in Bayern. „Zwei Wochen in Fockbek, zwei Wochen in Mertingen, das war der Rhythmus“, sagt er. Mittlerweile hat er seine Präsenz im Freistaat deutlich verringert. „Ich habe bei Fendt mit Klaus Förtsch einen exzellenten Geschäftsführer.“ Etwa viermal im Jahr reist der Fockbeker an, meist mit dem Flugzeug eines befreundeten Unternehmers, „weil’s einfach schneller geht“. Die Fabrik präsentiert sich aufgeräumt und betriebsam. „Hoffentlich bleiben Sie uns noch lange erhalten“, sagt eine Näherin zum Chef. Dieser lächelt und nickt: „Ich bin ja noch fit“. So fit, dass Ingenieur Striewski sofort auffällt, wenn eine Maschine nicht rund läuft. Ein Automat, der ein Holzelement mit Furnier beklebt, verursacht unsaubere Schnittkanten. „Das müsst ihr nacharbeiten“, bemerkt Striewski und begutachtet die gesamte Charge. Überall der gleiche Fehler. Das ist ein Fall für den Werkleiter.

Qualität ist für Harald Striewski das oberste Gebot. Geradezu gebetsmühlenartig wird dies auf Plakaten propagiert, die überall im Werk zu sehen sind. „Qualität ist, wenn der Kunde wiederkommt, nicht das Produkt“, kann man darauf lesen. Zudem legt Striewski Wert auf Individualität. Wie bei Hobby kann man auch bei Fendt seinen Wohnwagen aus einer umfangreichen Zubehörliste nach eigenen Wünschen zusammenstellen.

Selbst die unterschiedlichen Mentalitäten der Kunden in Europa wurden bei der Produktpalette berücksichtigt. Ein geradezu klischeehaftes Beispiel: Die deutschen Kunden lassen ihren Wohnwagen mit Einzelbetten ausstatten, die französischen Kunden hingegen ordern grundsätzlich Doppelbetten.

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