Gastronom in Sorge : Baustelle verdrängt Sitzplätze

Blick in die Holsteiner Straße. Links die im Mai vergangenen Jahres eröffnete Gaststätte „Fräulein Möhls“, gegenüber eines der ältesten Bürgerhäuser von Rendsburg, in dem sich nun eine Bäckerei befindet. Beide Geschäfte dürfen draußen mit Genehmigung der Stadt (und gegen Gebühr) Tische und Stühle aufstellen.
Blick in die Holsteiner Straße. Links die im Mai vergangenen Jahres eröffnete Gaststätte „Fräulein Möhls“, gegenüber eines der ältesten Bürgerhäuser von Rendsburg, in dem sich nun eine Bäckerei befindet. Beide Geschäfte dürfen draußen mit Genehmigung der Stadt (und gegen Gebühr) Tische und Stühle aufstellen.

Der Umbau der Holsteiner Straße in Rendsburg beginnt im April. Für die Geschäftsleute beginnt eine Zeit der Belastung und Ungewissheit: Bleiben die Kunden treu?

shz.de von
09. Januar 2017, 19:06 Uhr

Nach zwölf Jahren Anlauf soll jetzt endlich es klappen: Bereits 2005 hatte die Firma Big-Städtebau im Auftrag der Stadt Rendsburg mit den Voruntersuchungen für das Sanierungsgebiet „Nördliche Altstadt“ begonnen. Jetzt steht der letzte große Straßenausbau im Zuge der Aufwertung des Innenstadt-Quartiers bevor. Die Erneuerung der Holsteiner Straße startet voraussichtlich im April und soll 15 Monate dauern. Die Gesamtkosten betragen 1,05 Millionen Euro, von denen die Stadt 350  000 Euro selbst zu tragen hat.

Niklas Puls gehört zu denen, die mit gemischten Gefühlen auf die kommenden eineinhalb Jahre blicken. Einerseits zieht er Nutzen aus einer modernisierten Einkaufsstraße, andererseits muss er die Bauphase wirtschaftlich schadlos überstehen. Puls, Sohn des Jevenstedter Gaststättenbetreibers Tom Puls, bringt seit Mai 2016 frischen Wind an die Ecke Holsteiner Straße/Schiffbrückenplatz. Mit „Fräulein Möhls“ sorgt er für Belebung am Eingang zum nördlichsten Ausläufer der Fußgängerzone. Gut angenommen wurden seitdem auch die Außenplätze vor dem Lokal, von ihnen blickt man auf den Schiffbrückenplatz.

Wo die Tische und Stühle ab April stehen werden, weiß Puls zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es habe zwar schon Vorgespräche mit der Bauverwaltung gegeben, aber keine Entscheidung, sagte er gestern. Auch im Rathaus kann man noch keinen verbindlichen Zeitplan nennen. „Der Bauablauf wird im Einzelnen mit den Anliegern abgesprochen werden, sobald die Baufirma feststeht“, antwortete Bau-Fachbereichsleiter Frank Thomsen auf die Frage, was die Stadt unternehmen werde, um den Geschäftsbetrieb in der Holsteiner Straße so wenig wie möglich zu stören. Eine Überlegung ist, die Außenplätze von „Fräulein Möhls“ vorübergehend auf den Schiffbrückenplatz zu verlagern. Verbunden wäre das mit langen Wegen für die Servicekräfte. Weil die Wege für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge frei bleiben müssen, ist nur der einen Steinwurf vom Eingang des Lokals entfernte Wochenmarkt-Bereich erlaubt. Verzichten kann Puls auf die Plätze unter freiem Himmel auf keinen Fall. „Ohne sie würde ich den Sommer nicht packen“, sagte er und betonte, dass er keinen Streit mit der Stadtverwaltung anzetteln wolle. Er hoffe auf ein Entgegenkommen aus dem Rathaus und baue auf eine konstruktive Zusammenarbeit.

Wie aber will die Stadt das bauliche Update schaffen, ohne die Laufkundschaft zu vergraulen – auch die der anderen Geschäftsleute? Geplant sind zwei Phasen des Umbaus. Im ersten Schritt werden neue Versorgungsleitungen verlegt. Dafür heben Bagger, beginnend am Schiffbrückenplatz, einen Graben an der westlichen Seite der Holsteiner Straße aus. Er bietet Platz für die Gas- und anderen Rohre. Sie werden später im Erdraketen-Verfahren zur anderen Seite durchgeschossen. Erst nach dem Rendsburger Herbst sollen die Pflasterarbeiten beginnen. Die vorhandenen Zierapfelbäume werden durch Zierkirschen, die keine Früchte tragen, ersetzt. Zwei Granitblöcke mit Holz obendrauf dienen als Sitzgelegenheit. Errichtet werden auch drehbare Spielelemente für Kinder in Form von Hinkelsteinen. Sie sind umstritten. Der Radfahrer-Club ADFC sieht in ihnen ein verzichtbares Hindernis und Unfallrisiko. Die Stadt hingegen will ihr Konzept der dezentralen Spielecken im Stadtgebiet fortführen. Der Spielbereich wird zwischen Schleuskuhle und Unterführung zum Thormannplatz eingerichtet. Die breitere Durchfahrt liegt stadteinwärts, wer in die andere Richtung will, hat zwei Meter Platz. Für den motorisierten Durchgangsverkehr bleibt die Holsteiner Straße auch in Zukunft gesperrt. Nur Taxen und der Lieferverkehr dürfen hinein.

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