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Landeszeitung

21. September 2017 | 18:07 Uhr

Aukrug : Bangen um den Traum vom Eigenheim

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Ehepaar streitet mit der Deutschen Rentenversicherung Nord um ein Kabel, das ihr Haus mit Strom versorgt.

shz.de von
erstellt am 09.Jul.2017 | 08:45 Uhr

Aukrug | Vor 13 Jahren ging für Heinz und Elke Geider der Traum vom Eigenheim in Erfüllung: Das Ehepaar kaufte das ehemalige Rentnerwohnheim der Fachklinik Aukrug, die von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Nord betrieben wird. Mit eben jener wurde seinerzeit auch der Kaufvertrag geschlossen. In mühevoller Kleinarbeit haben der Pensionär und die Krankenschwester anschließend das Haus aus dem Jahr 1954 saniert und den Garten angelegt. Doch jetzt fürchten die beiden um den Wert ihres Hab und Guts – Problem ist die Stromversorgung.

In einem Schreiben vom 2. Dezember des vergangenen Jahres kündigt die Fachklinik an, dass „im Zuge der geplanten und bereits durchgeführten Veräußerungen“ verschiedener Immobilien „eine Elektro-Neuversorgung der Gebäude erforderlich“ ist. Mit Adresse benannt ist dabei auch das Haus von Familie Geider. Weiter heißt es, dass die Kosten für die neuen Hausanschlüsse von der Fachklinik übernommen werden.

Soweit, so gut. Doch kurze Zeit später erhielt das Ehepaar ein weiteres Schreiben, in dem es dazu aufgefordert wird, das Kabel, über das es mit Strom versorgt wird, zu übernehmen oder ein neues auf eigene Kosten legen zu lassen. In diesem Zusammenhang stellte sich für Heinz und Elke Geider heraus, dass das vorhandene Kabel etwa 800 Meter lang ist und von einem Gebäude der Fachklinik aus quer durch ein bewaldetes Gebiet zu ihrem Haus an der Itzehoer Straße verlegt wurde. Heinz Geider vermutet, dass es ebenso alt ist wie das Haus – also 63 Jahre.

„In jedem Fall handelt es sich um ein altes Kabel und niemand weiß, welche Kosten auf uns zukämen, wenn es kaputtgeht.“ Doch auch ein neues Kabel ist keine Lösung: Die Kosten dafür belaufen sich bei etwa 60.000 Euro. Geld, das das Ehepaar nicht hat. „Wir müssen ja immer noch unser Haus abbezahlen und als Pensionär bekomme ich auch kein Geld mehr von der Bank“, so der 66-Jährige.

Doch würden er und seine Frau das vorhandene Kabel übernehmen, das dann über eine Zählersäule mittels Hausanschlusskasten an das öffentliche Stromnetz angeschlossen würde, gibt es außer den unvorhersehbaren Kosten noch einen weiteren Knackpunkt: Vor fünf Jahren wurden die Waldflächen, über die zumindest aktuell das Kabel läuft, an die Schrobach-Stiftung verkauft. Es handelt sich dabei um die größte private Naturschutz-Stiftung im Land.

Die Verantwortlichen wurden zum Zeitpunkt des Landkaufs nicht darüber informiert, dass ein Stromkabel über die entsprechende Fläche führt – in dem Vertrag ist somit auch kein Durchleitungsrecht festgehalten. Fraglich ist also, ob zur Reparatur eventueller Schäden an dem Kabel überhaupt ein Bagger anrücken dürfte. Immerhin hat sich die Stiftung den „Erhalt wertvoller Lebensräume mit ihren Pflanzen- und Tierarten“ auf die Fahnen geschrieben.

Dr. Cordelia Wiebe, Geschäftsführerin der Stiftung, betont aber, Lösungsmöglichkeiten gegenüber aufgeschlossen zu sein. „Die dürfen allerdings nicht zu Lasten des Naturschutzes gehen, wir verfolgen da immerhin auch Landes- und EU-Ziele“, so Wiebe. Derzeit wisse sie allerdings noch nicht einmal, wo genau das Kabel entlang läuft.

Laut Heinz und Elke Geider beruft sich die DRV bei der Angelegenheit auf die Tatsache, zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht gewusst zu haben, dass das Stromkabel für das Haus durch den Wald verläuft. Obwohl das Haus 50 Jahre in ihrem Besitz war und auch das Kabel ihnen gehört. Fragen dazu bleiben unbeantwortet, da der „Sachverhalt Gegenstand eines laufenden Gerichtsverfahrens vor dem Landgericht Kiel ist und man einer Entscheidung des Gerichts nicht vorgreifen“ möchte, so DRV-Pressesprecher Dieter Groth auf Nachfrage.

Für Elke und Heinz Geider steht in jedem Fall fest: „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir das Haus nicht gekauft.“ Immerhin bedeute es einen enormen Wertverlust für ihr Haus, wenn sie das 800 Meter lange Kabel übernehmen und für dessen Wartung und Instandhaltung verantwortlich zeichnen müssten. Deshalb hat das Ehepaar einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Dieser geht laut Heinz und Elke Geider davon aus, dass die DRV Nord von dem Verlauf des Kabels wusste, die Käufer aber im Unwissen ließ. Wäre dem so, handelte es sich womöglich um arglistige Täuschung, so das Ehepaar. Der Anwalt möchte sich ebenfalls wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Das Haus der Aukruger ist aktuell nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, sondern bezieht die Energie über die DRV, bezahlt sie aber von Anfang an monatlich bei den Stadtwerken Neumünster. Warum das Ehepaar das Kabel jetzt übernehmen oder ein neues legen lassen soll, war nicht zu erfahren. Und auch, warum es im letzteren Fall selbst in die Tasche greifen soll. Immerhin sind auf dem Gelände der Fachklinik Aukrug bereits drei andere Gebäude verkauft worden – die allerdings für die neuen Eigentümer kostenlos an das Netz angeschlossen werden. Offen bleiben viele Fragen, die das Gericht nun zu klären hat. Und es bleibt auch Angst bei Heinz und Elke Geider, dass ihr Traum vom Eigenheim in einem bösen Erwachen endet.

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