zur Navigation springen

Antikriegstag : Ballons und Kränze für den Frieden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Viele Jugendliche erinnerten an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Auch die tödlichen Schüsse im Rendsburger Finanzamt waren ein Thema auf der Gedenkveranstaltung.

Eigentlich war gestern zu einer stillen Kranzniederlegung in den Innenhof des Kulturzentrums eingeladen worden. Angesichts der Geschehnisse des gestrigen Tages wandte sich Bürgermeister Pierre Gilgenast dann doch mit einigen Worten an die Gruppe. Die tödlichen Schüsse auf einen Finanzbeamten nannte er eine „ganz fürchterliche Gewalttat“. Weiter sagte er: „Das macht uns schwer betroffen. Unsere gemeinsamen Gedanken sind bei der Familie, den Freunden und Kollegen.“

Aber nicht nur dieses tragischen Ereignisses wurde gestern Nachmittag gedacht: Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Antikriegstag. Er erinnert an den Einmarsch der deutschen Truppen in Polen und damit an den Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939. „Genau 75 Jahre nach diesem traurigen Ereignis tut es besonders gut, dass wir jetzt die Jubiläen mit unseren Partnerstädten feiern können“, sagte Gilgenast und begrüßte ausdrücklich die Gäste als dem polnischen Kreis Ratibor unter den rund 60 Besuchern.

Die Gedenkveranstaltung am Antikriegstag ist in Rendsburg längst zur Tradition geworden. Seit 1980 erinnern die Stadt und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gemeinsam an die Konflikte der Vergangenheit und Gegenwart. „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ lautet das Motto, unter welchem der DGB deutschlandweit seit 1957 am Antikriegstag aufmerksam macht.

Im Innenhof des Kulturzentrums wurden gestern vor dem Gedenkstein drei Kränze niedergelegt – von der Stadt, dem Gewerkschaftsbund und der SPD. Frank Hornschu vom DGB Region Nord mahnte in seiner Rede an, dass Deutschland Verantwortung zu übernehmen habe, allerdings nicht in militärischer Hinsicht, sondern in humanitärer. Hornschu: „Der DGB und seine Gewerkschaften sind der Meinung, dass Deutschland viel mehr Flüchtlinge aufnehmen kann, als es bisher geschehen ist.“

Bei der anschließenden Veranstaltung im kleinen Saal des Kulturzentrums lasen Schüler der Christian-Timm-Regionalschule Texte zum Thema „Nationalsozialismus im Rendsburger Raum“. Die Neunt- und Zehntklässler brachten anschaulich nahe, wie die Hitler Jugend an ihrer eigenen Schule gefördert wurde und wie die Zeitung damals die Propaganda der Nationalsozialisten verbreitete. Gilgenast lobte das Engagement der Jugendlichen: „Es ist gut, dass wir so viele Generationen heute hier haben“, sagte er und ergänzte: „Der Aufruf zu Frieden und Toleranz in der Welt muss immer wieder erneuert und von Generation zu Generation getragen werden. Dieser Tag ermahnt uns, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern erarbeitet werden muss – im privaten Bereich wie auch in Städten und Ländern.“

In diesem Sinne engagierten sich gestern auch die Herderschüler: „Wir wünschen allen Menschen Frieden“, stand auf einer Taube aus Papier, die ein Mädchen gestern Vormittag mit einem weißen Luftballon gen Himmel schickte. Mit hundert solcher Ballons machte die Herderschule auf den Antikriegstag aufmerksam.

Lehrer Dr. Jan Winkelmann hatte seinen Wirtschaft-Politik-Kurs aus dem 12. Jahrgang spontan für diese Aktion gewinnen können. In der einen Stunde Vorbereitung, die den 26 Schülern noch blieb, verfassten sie eine öffentliche Erklärung. Diese ist nicht an einen bestimmten Politiker oder Entscheidungsträger adressiert, sondern richtet sich vielmehr „an uns selbst“, erklärte der Kurs. „Denn auch wenn wir nicht direkt in Syrien, der Ukraine oder in Israel eingreifen können, so sind doch unsere Einstellungen und Haltungen zu Krieg und Frieden wichtig.“ Mit der Aktion und dem Statement, das bereits mehr als 130 Schüler unterschrieben, wollen sie zur Diskussion in den Klassen, den Familien und Freundeskreisen anregen.

Hunderte Jugendliche versammelten sich deshalb gestern während der Pause auf dem Schulhof und verabschiedeten die Ballons unter lautem Jubel in den Himmel.

zur Startseite

von
erstellt am 01.Sep.2014 | 13:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen