Fachtagung : Balance im „Haus der Arbeitsfähigkeit“ ist wichtig

Referierte über das „Haus der Arbeitsfähigkeit“: Professor Juhani Ilmarinen aus Finnland.
Referierte über das „Haus der Arbeitsfähigkeit“: Professor Juhani Ilmarinen aus Finnland.

Finnischer Wissenschaftler referierte darüber, welche Faktoren die Produktivität im Berufsleben verbessern.

shz.de von
06. Mai 2015, 11:55 Uhr

Arbeitszeit ist Lebenszeit – und die möchte man möglichst schön, positiv, motiviert und energiegeladen verbringen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Arbeitsfähigkeit. Sie verändert sich im Laufe eines Berufslebens. Um dauerhaft eine möglichst schöne Arbeits- und damit auch Lebenszeit zu haben, ist es wichtig, eine nachhaltige Balance in ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu bekommen, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Zu diesem Thema referierte gestern der finnische Wissenschaftler Professor Juhani Ilmarinen, international einer der führenden Arbeitsphysiologen. Der Unternehmensverband Mittelholstein und die Brücke Rendsburg-Eckernförde hatten zu einer Fachtagung mit dem Titel „Arbeitszeit = Lebenszeit“ in das regionale Bürgerzentrum in Büdelsdorf eingeladen.

In seinem Vortrag beschrieb Ilmarinen die Arbeitsfähigkeit als ein Haus. Das unterste Stockwerk, die Basis, bilden Gesundheit und Leistungsfähigkeit. „Je stärker sie ausgebildet sind, umso größer kann das Haus werden“, erklärte Ilmarinen. Der nächste Stock ist die Kompetenz, die vorhanden sein muss. Die dritte Etage ist die wichtigste: Sie wird ausgefüllt von Werten, Einstellungen und Motivation. „Die drei Faktoren sind stark miteinander verbunden und beeinflussen gemeinsam, wie sich die Beziehungen zwischen Mensch und Arbeit entwickeln können“, so der Professor. Das vierte Stockwerk sind Arbeit, Arbeitsumgebung und Führung. Wirkt der Arbeitgeber durch Anerkennung, Vertrauen, Unterstützung und eine faire Behandlung positiv auf die Inhalte des dritten Stockwerks ein, so hat dies die größten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit – unabhängig vom Alter. Um diese zu fördern, ist es aber wichtig, auch auf die anderen drei Stockwerke einzuwirken. Für eine gute Gesundheit kann jeder selbst viel tun. Lebensstil und Hobbys spielen hier eine Rolle. Die Kompetenz wiederum wird durch Weiterbildungen und altersgerechte Lernkonzepte seitens des Arbeitgebers gefördert. Gute Arbeit (vierte Etage) wird geprägt vom Führungsstil des Chefs, Arbeitsgestaltung und Flexibilität.

„Voraussetzungen für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit sind außerdem, dass man etwas dafür tun kann, also zum Beispiel gesundheitlich nicht eingeschränkt ist, will und seitens des Arbeitsgebers auch darf“, berichtet der finnische Wissenschaftler.

Insgesamt 120 Teilnehmer aus Rendsburg und Umgebung haben an der Fachtagung teilgenommen, zu der weitere Vorträge und Workshops gehörten. Ziel war es, Impulse für eine gute familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik zu geben. Dazu gehörte auch, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Generation „50+“ in Unternehmen zu thematisieren.

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