Krummwisch : Baggern für den Kanal

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Am Flemhuder See laufen die Vorbereitungen für den Kanalausbau auf Hochtouren. Hier entstehen ein Schiffsanleger und das Materiallager.

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12. Juli 2015, 18:16 Uhr

Die Fluss-Seeschwalben wissen die Baustelle am Flemhuder See zu schätzen. Für den Schutz des Gewässers sind Ölsperren ausgelegt worden. Unterhalb der gelben Barrieren sammeln sich Fische an – und die schlauen Vögel haben herausgefunden, dass sie hier auf einfache Weise an ihre Nahrung kommen. „Das war nicht geplant“, lacht Niels Böge. Aber Tier- und Naturschutz hätten einen hohen Stellenwert bei den Baumaßnahmen für den Kanal, erklärt der Ingenieur vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel. Momentan wird eine Fläche am Flemhuder See darauf vorbereitet, beim Ausbau der Kanal-Oststrecke als Basislager zu dienen.

Wenige Meter vom Seeufer entfernt erhebt sich ein riesiger Sandberg. Unablässig transportieren Laster den Erdaushub ab. „Am Ende werden wir 150  000 Kubikmeter Boden bewegt haben“, erklärt Michael Kneppenberg, der für die örtliche Bauüberwachung zuständig ist. Eine logistische Herausforderung, denn die Fläche, die für die Arbeiten genutzt werden kann, ist nicht groß. Rechts und links liegen Naturschutzgebiete. „Das sind Tabuzonen“, sagt Niels Böge. Die Erde auf dem Gelände stammt nicht vom Kanal und wird es auch künftig nicht. Der Kanalaushub soll in der Ostsee verklappt werden. Aber es wird eine Straße gebaut – geeignet für den Schwerlastverkehr. Auf diese Weise sollen die Bewohner der Region möglichst wenig belästigt werden. Und am See muss Platz geschaffen werden für das künftige Baumaterial und für die Steine von den Kanalböschungen. Sie sind „ein wertvolles Material“ und werden hier zwischengelagert, erklärt Böge. Die Erde beginnt zu vibrieren. Jetzt werden wieder Teile der Spundwand im Boden verankert. Ein 200 Meter langer Schiffsanleger entsteht am westlichen Seeufer. „So können wir das Baumaterial mit Schiffen von und zu den Kanalbaustellen transportieren“, erläutert der WSA-Ingenieur. Zur Schonung der menschlichen Nerven und der Tierwelt werden die Spundwände nicht in den Boden gerammt, sondern mit einem speziellen Gerät (auf dem Foto rechts mit Kran) „hineinvibriert“. Vor der neuen Spundwand liegen die Ölsperren – denn hier gab es bereits einmal einen Anleger: Von 1938 bis 1945 war auf dem Gelände ein Marineöllager untergebracht. Ein Grund, warum „jede Baggerschaufel voll Erde begutachtet wurde“ (O-Ton Kneppenberg), und rund 4000 Quadratmeter Boden eingelagert wurden – denn sie enthalten Öl. Und ein Grund, warum „wir permanent unter den Bedingungen einer Kampfmittelräumbaustelle arbeiten“. So sind Taucher vor Ort, die das Gelände unter Wasser inspizieren, bevor die Maschinen anrücken. Mit Kampfmittelmanagement ist Kneppenberg seit zwanzig Jahren befasst. „Von der Mine bis zur Bombe bin ich alles gewöhnt“, sagt der Fachmann, der unter anderem bei der Hafenerweiterung in Altenwerder eingesetzt gewesen ist. „Wir haben hier für jede Aufgabenstellung ein Profiunternehmen“, betont Niels Böge. Die schleswig-holsteinische Firma SWA ist zuständig für die Land- und Straßenbauarbeiten, „Colcrete-von Essen“ ist auf Wasserbau spezialisiert.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt achtet außerdem sehr genau darauf, dass alle Maßnahmen zum Schutz von Natur und Umwelt eingehalten werden. Da die Seeschwalben in dem Gebiet nisten, wurden für sie extra Brutinseln angelegt. Jene in den Spülfeldern wird sogar besser angenommen als die auf dem See – dort halten sich jetzt gerne die Kormorane auf. Damit Amphibien in für sie angenehme Gefilde abwandern können, wurden für sie Rampen angelegt. „Die Menschen stören, die Maschinen nicht“, hat Kneppenberg auf seinen Baustellen bemerkt und beobachtet am Flemhuder See des öfteren einen Fischadler, der in der Nähe brütet.

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