Hitze : Bäume kämpfen mit der Trockenheit

Die Blätter eines Bergahorns an der Alten Kieler Landstraße verfärben sich bereits braun – ein Hitzeschaden.
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Die Blätter eines Bergahorns an der Alten Kieler Landstraße verfärben sich bereits braun – ein Hitzeschaden.

Der Umwelt- und Technikhof wässert sie mit täglich 12 000 Litern.

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09. August 2018, 09:25 Uhr

Rendsburg | Die dreimonatige Trockenheit hat Spuren an den Bäumen hinterlassen: An der Konrad-Adenauer-Straße zwischen Bahnhof und Nordmarkhalle stehen etwa 40 Baumhasel. Ihre Blätter weisen braune Ränder auf. Linden stoßen verfrüht Laub ab, um Kraft zu sparen. „Baumarten wie Erlen und Pappeln werfen sogar Äste ab, kein Totholz, sondern lebende Äste“, sagt Michael Lindowsky (57), Leiter der Sparte Park- und Gartenanlagen beim Umwelt- und Technikhof (UTH). Die Regenschauer gestern halfen kaum, weil die Böden hart sind. „Ein Sturzregen bringt nichts. Das Wasser fließt oberflächlich ab. Wir bräuchten einige Tage Landregen.“

Etwa 30 000 der städtischen Bäume sind kartografiert. Ein gewisser Anteil fällt regelmäßig Krankheiten zum Opfer, sodass der UTH pro Jahr etwa 50 Exemplare nachpflanzt. Seit Mai fahren die Mitarbeiter täglich etwa 300 junge Bäume an und gießen sie mit insgesamt 12 000 Litern Wasser. Ein Unimog mit einem 3000-Liter-Fass dreht pro Tag vier Runden.

Es leiden nicht alle Bäume. Entscheidend ist der Untergrund. Der Stadtpark profitiert von einem hohen Grundwasserspiegel. Dort ist sogar der Rasen grün. Die Baumhasel an der Konrad-Adenauer-Straße dagegen kämpfen seit Jahren mit dem Boden des Ex-Güterbahnhofs. Der UTH kaufte daher vor zwei Jahren 100 Kunststoffsäcke. Sie lehnen an den Stämmen und werden täglich befüllt. Aus Löchern sickern pro Tag 75 Liter Wasser.

An der Alten Kieler Landstraße wachsen Bergahorne auf einem knapp 1,20 Meter schmalen Grünstreifen, eingezwängt zwischen Fahrbahn und Radweg. „Ein schlechter Standort“, so Lindowsky. Blätter sind braun verfärbt – „ein Hitzeschaden“. Gegossen werden sie nicht. „Zu viel Aufwand.“

Ein Stressfaktor ist der Winterdienst: Vielbefahrene Straßen müssen oft gestreut werden. Gerade Bergahorne vertragen das Salz schlecht.

Tiefbauarbeiten schädigten Bäume früher erheblich. In verletzte Wurzeln traten Pilze ein, sodass Bäume Jahre später starben. Inzwischen hat man daraus gelernt: Im Auftrag der Stadtwerke hoben die Firmen Max Huss (Neumünster) und Fernmeldetechnik Lausen (Sörup) gestern an der Tondernstraße im Stadtteil Schleife einen Schacht für Glasfaserkabel aus. Per Saugbagger wurde das Erdreich zwischen Lindenwurzeln schonend herausgesaugt.

Lindowsky rechnet damit, dass die städtischen Bäume die Hitze überstehen. Sicher ist er aber nicht: Wie viele Exemplare absterben, zeige sich erst im kommenden Jahr.

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