Owschlag : Backkunst für die ganze Welt

Gibt sein Wissen weiter:  Bäckermeister Hans- Peter Rathmann (rechts) in der neu eröffneten Backstube in der Mongolei. Stolz präsentieren die Verkäuferin Eujuna, die beiden Bäckerinnen Unce und Ragna und der Bäcker Tulgra die selbstgebackenen Produkte.
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Gibt sein Wissen weiter: Bäckermeister Hans- Peter Rathmann (rechts) in der neu eröffneten Backstube in der Mongolei. Stolz präsentieren die Verkäuferin Eujuna, die beiden Bäckerinnen Unce und Ragna und der Bäcker Tulgra die selbstgebackenen Produkte.

Der Bäckermeister Hans-Peter Rathmann aus Owschlag gibt sein Wissen weiter. Er engagiert sich für die Stiftung „Brot gegen Not“. Mit viel Herz bildet er Jugendliche weltweit in bedürftigen Regionen zu Bäckern aus.

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06. Januar 2015, 06:00 Uhr

OWSCHLAG

Leuchtende Augen bekommt Bäckermeister Hans-Peter Rathmann, wenn er von seinem „Un-Ruhestand“ berichtet. Für die Organisation „Brot gegen Not“ der Heiner-Kamps-Stiftung errichtete der Ehrenamtler Backstuben in Albanien, Nicaragua und der Mongolei und bildete Not leidende Jugendliche zu Bäckern aus.

„Es waren alles so tolle Projekte. Was man dabei lernt, auch menschlich, kann man kaum mit Worten beschreiben“, schwärmt der 65-Jährige. „Mit Erreichen des Rentenalters hatte ich plötzlich Zeit, und als ich angesprochen wurde, für ’Brot gegen Not’ aktiv zu werden, war ich gleich interessiert”, berichtet Rathmann, der auch als Obermeister der Bäcker-Innung Rendsburg-Eckernförde tätig war. Seine Frau Gisela unterstützte ihn von Anfang an bei seinem ehrenamtlichen Engagement und besuchte ihn auch mehrfach.

Sein erstes Projekt führte den engagierten Bäckermeister von September bis Dezember 2011 nach Albanien. Dort war Rathmann zuständig für den Aufbau einer Bäckerei in der Hafenstadt Durres. Da sein Nachfolger erkrankte, verlängerte der Owschlager seinen Aufenthalt kurzentschlossen um weitere drei Monate. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, und in meiner freien Zeit habe ich die Gelegenheit genutzt, das Land kennen zu lernen“, berichtet Rathmann. Das Projekt sei wegen der zur Zeit stattfindenden Glaubenskämpfe allerdings in Gefahr.

2013 fragte die Stiftung „Brot gegen Not“ wieder bei Rathmann an. Dieses Mal ging es für drei Monate von März bis Juni nach Nicaragua. Zu Anfang haben ihm dort die hohe Luftfeuchtigkeit und 45 Grad Celsius im Schatten zu schaffen gemacht. Acht Kilo habe er dabei verloren, berichtet der reiselustige Rentner und lacht. Doch dann habe er sich daran gewöhnt und eine großartige Zeit dort verbracht. Besonders die Gastfreundschaft der häufig äußerst armen Menschen hat ihn sehr berührt.

Direkt an der Grenze zu Costa Rica, in dem kleinen Städtchen San Carlos, hat er in einem ehemaligen Krankenhaus die Bäckerei „Panaderia Pantzin“ mit aufgebaut. Allen Unwägbarkeiten zum Trotz – manches Mal gab es über mehrere Tage keinen Strom – brachte der Bäckermeister dort jungen, arbeitslosen Leuten das Brot- und Kuchenbacken bei und verhalf ihnen damit zu einer langfristigen Tätigkeit. „Brot mit Körnern kannten die Menschen in Nicaragua gar nicht und auch kein Brot, das über mehrere Tage weich bleibt“, erzählt Rathmann, „und in die Kuchen dort kommt viel mehr Zucker als wir es gewohnt sind.“

Sein drittes Projekt führte Rathmann im Oktober 2013 und im März 2014 in die Mongolei. „Ich war total überrascht, was für ein tolles Land die Mongolei ist“, schwärmt der Weltenbummler. „Die Menschen dort waren uns sehr freundschaftlich zugetan, fast jeden Abend wurden wir irgendwo eingeladen.“ Bei allen drei Projekten sei er bis zur Eröffnung der Ladengeschäfte dabei gewesen. Die dort geschlossenen Freundschaften pflegt er bis heute per Mail oder auch per Skype und steht den Bäckereien auch weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung.

„Ein weiterer Besuch der Mongolei ist geplant“, verrät Rathmann, und auch ein ganz neues Projekt steht für das neue Jahr auf der Agenda. „Entweder geht es nach Malawi in Südostafrika oder nach Bolivien“, freut sich der Bäckermeister und fügt hinzu: „So lange ich das noch kann, werde ich es auch machen. Man erlebt so viel dabei.“

Für Reisekosten, Unterkunft und Versicherung kommt die Stiftung „Brot gegen Not“ auf. Jedes Jahr will die im Jahr 2000 ins Leben gerufene Stiftung mindestens ein neues Hilfsprojekt in bedürftigen Regionen der Welt aufbauen. „Brot gegen Not bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Wir errichten Backstuben anstatt Brot zu verteilen. In diesen Backstuben werden Not leidende Jugendliche von ehrenamtlichen Bäckermeistern zu Bäckern ausgebildet”, erklärt Stiftungsgründer Heiner Kamps das Prinzip der Entwicklungshilfe.

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