Backbranche : „Backeria“ – Das Ende einer Tradition nach 127 Jahren

Der neue Chef: „Steiskal“-Geschäftsführer Eckhardt Schütz gestern auf dem Betriebsgelände im Büdelsdorfer Gewerbegebiet.
Der neue Chef: „Steiskal“-Geschäftsführer Eckhardt Schütz gestern auf dem Betriebsgelände im Büdelsdorfer Gewerbegebiet.

Die Firma „Backeria“ wird durch die Bäckerei „Steiskal“ übernommen. Mehr als 50 Arbeitsplätze in der Büdelsdorfer Zentrale sind gesichert.

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29. März 2014, 17:00 Uhr

Büdelsdorf | Der Wandel in der Backbranche führt zum Ende eines der traditionsreichsten Namen in der Region. Die Kieler Bäckerei „Steiskal“ hat zum Jahreswechsel insgesamt 24 „Backeria“-Filialen in Hamburg und Schleswig-Holstein übernommen, darunter acht im Raum Rendsburg und zwei in Eckernförde. Wie „Steiskal“-Geschäftsführer Eckhardt Schütz gestern der Landeszeitung bestätigte, habe sich Inhaber Lorenz Schulz, der die „Backeria“-Geschäfte seit 2007 in fünfter Generation führte, aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Damit ist das Ende einer 127-jährigen Familientradition besiegelt. 1887 hatte Wulf Ferdinand Schulz die „Sehestedter Backstube“ gegründet.

Als Gründe für das Aus gibt Schütz den harten Wettbewerb an. Die Einführung von Backautomaten bei den Discountern „Aldi“ und „Lidl“ vor eineinhalb Jahren hat die Branche in Aufruhr versetzt. Experten rechnen damit, dass sich die Zahl der Backbetriebe in Deutschland in den kommenden Jahren drastisch reduzieren wird.

Von der „Backeria“-Übernahme sind 193 Angestellte betroffen. Von ihnen arbeiten mehr als 50 in der vor 20 Jahren eröffneten Backzentrale im Büdelsdorfer Gewerbegebiet. „Die Arbeitsplätze bleiben erhalten, darüber ist die Belegschaft bereits informiert worden“, sagte Schütz. Auch für die Kunden im Raum Rendsburg werde sich zunächst nichts ändern. Das Sortiment bleibt gleich, und auch alle noch vorhandenen Verkaufsstellen sollen erhalten bleiben. Schütz: „Stand heute ist nicht eine einzige Filiale von der Schließung bedroht.“ Nur der Eckladen in der Kieler Straße wurde wegen schlechter Umsätze mit der Übernahme aufgegeben. Von drei Hamburger Geschäften trennt sich die zum Kieler Großhandelsunternehmen Bartels-Langness (kurz: Bela) gehörende Steiskal GmbH zum 1. April, sie wechseln zur „Dat Backhus“-Kette.

Der Betrieb in der Büdelsdorfer Backzentrale soll nach Aussage von Schütz in den nächsten Jahren weitergehen. Die Zentrale gehöre der Familie Schulz, die Mietverträge liefen über 2020 hinaus. So lange werde man dem Standort die Treue halten, so der „Steiskal“-Chef. Im Raum Rendsburg plane man überdies einen behutsamen Übergang zur neuen Marke. In diesem Jahr werde der 2001 eingeführte Name „Backeria“ bleiben. Was danach kommt, ist offen. Denkbar sei auch, dass man den historischen Namen „Sehestedter Backstube“ wieder zum Leben erwecke, so Schütz. „Wir finden es schade, dass er vom Markt verschwunden ist.“ Bei „Steiskal“ lege man Wert darauf, nicht als Massenbetrieb gesehen zu werden. „Wir wollen die Authentizität des Backhandwerks zeigen. ,Backeria‘ drückt die Anonymität aus, die wir nicht wollen.“ Nach der Übernahme beschäftigt „Steiskal“ nun knapp 700 Mitarbeiter in 77 Filialen.

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