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Kropp / Busdorf : B77 – die Straße der Autodiebe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Innerhalb weniger Tage wurden an der Bundesstraße 77 in zwei Autohäusern Fahrzeuge im Wert von fast 400.000 Euro gestohlen.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 09:27 Uhr

Ist die Bundesstraße 77 zum Selbstbedienungsladen für Autodiebe geworden? In den vergangenen drei Wochen wurden in zwei Autohäusern zwischen Schleswig und Kropp sieben hochwertige Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von knapp 400.000 Euro gestohlen. Die Polizei will einen Zusammenhang zwischen den Taten nicht ausschließen und weist auf die besondere Lage der Tatorte hin. „Die Täter schlagen am liebsten dort zu, wo sie auch schnell wieder verschwinden können“, sagte Franziska Jurga, die Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg.

Betroffen waren die Mercedes-Niederlassung in Busdorf, die nur wenige Kilometer von der Autobahn entfernt direkt an der Bundesstraße liegt, und das Autohaus Thomsen in Kropp. Auch dieses Gelände liegt an der B77.

Beim ersten Mal schien es sich um einen zwar schwerwiegenden, aber immer noch normalen Autodiebstahl zu handeln: Am vorletzten März-Wochenende wurden in Busdorf drei nagelneue Sprinter-Transporter des Autohauses gestohlen. Diebe wurden nicht beobachtet, die Beute hat einen Wert von rund 150.000 Euro.

Eine Woche später wurde derselbe Autohändler erneut zum Tatort: Diesmal verschwand ein schwarzer Mercedes GLE, Verkaufswert rund 150.000 Euro. Allerdings hatten Zeugen maskierte Männer auf dem Hof gesehen. Die sofort alarmierte Polizei konnte wenig später drei Männer kurz vor der Autobahnauffahrt Jagel festnehmen und den gestohlenen Mercedes sicherstellen. Die Verdächtigen hatten bereits Kennzeichen für den Wagen bereitgelegt. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, wurden die drei Männer im Alter zwischen 29 und 33 Jahren zu den Vorwürfen befragt, schließlich aber nach Überprüfung der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt.

Am vergangenen Wochenende traf es das Autohaus Thomsen in Kropp, zwischen Sonnabend, 14 Uhr, und Montagmorgen wurden ein schwarzer Skoda Oktavia, ein VW Crafter-Transporter, ein Crafter-Wohnmobil sowie drei Sätze Kennzeichen von eigenen Firmenwagen entwendet. Gesamtschaden: 97.000 Euro.

„Die Gemeinde Kropp und auch wir profitieren sehr von unserer guten Anbindung“, sagt Carsten Saß, Geschäftsführer im Autohaus Thomsen. „Aber die andere Seite der Medaille ist leider, dass uns nicht nur die Kunden gut erreichen, sondern auch die Diebe – wobei diese wohl eher an den guten Fluchtwegen interessiert sind. „Von uns sind es sieben Minuten bis zum Autobahnanschluss Jagel, sieben Minuten bis zur Auffahrt Owschlag – und nach Rendsburg und Schleswig ist es auch nicht viel weiter“ rechnet Saß vor, „und bei den Kollegen in Busdorf muss man nur einmal abbiegen, dann ist man auf der A7.“

Einen wirksamen Schutz gegen die professionellen Autodiebe sieht der Geschäftsführer nicht. „Eine hochwertige Videoüberwachung hat auch in Busdorf nichts genutzt und ein Kollege in Kropp versucht es mit einem Zaun um das Gelände. Aber auch dort ist schon gestohlen worden.“

Über einen Zaun wurde im Autohaus Thomsen ebenfalls nachgedacht. Als vor etwas 15 Jahren „massenhaft Transporter“ gestohlen wurden, riet die Versicherung zu solch einer Maßnahme. „Ich habe dann gefragt, wer mir den Umsatz erstattet, der durch Leute generiert wird, die sich am Sonnabend oder Sonntag unsere Gebrauchtwagen auf dem Gelände ansehen. Da war das Thema schnell vom Tisch.“

Saß geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um Profis handelt. Die Schlüssel der gestohlenen Wagen befanden sich in einem Tresor, der in einem videoüberwachten Raum steht. „Aber die brauchen keinen Schlüssel“, ist sich der Geschäftsmann sicher, „technisch sind die besser ausgerüstet als unsere Service-Leute.“

Was ihn an der ganzen Angelegenheit besonders nervt, ist der rechtliche Umgang mit den Tätern. „Wenn diese Leute nach einer Befragung gleich wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen, stimmt doch etwas nicht. Das frustriert nicht nur uns Geschädigte, sondern auch die Polizei.“

In Kropp wird nun neu darüber nachgedacht, wie man es den Dieben zumindest ein wenig schwerer machen kann. Viel Hoffnung auf eine Lösung macht sich Carsten Saß jedoch nicht. Die Autohäuser an der B  77 zwischen Schleswig und Kropp müssen wohl auch weiterhin mit dem Fluch ihrer guten Anbindung leben.

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