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Ausstellung : Ausweiskontrolle vor der Reise zum Militär

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Streifzug durch 350 Jahre Militärgeschichte: In den Museen im Kulturzentrum ist die neue Ausstellung „Kaserne an der Eider“ zu sehen.

„Stop. Licht aus. Insassen aussteigen. Ausweiskontrolle.“ Die Besucher der neuen Ausstellung im Hohen Arsenal werden von Schildern mit Befehlen in schwarzen Riesenlettern empfangen. „Der Ausweis ist unaufgefordert vorzuzeigen.“ Doch die Gäste können ihren Pass beruhigt in der Tasche stecken lassen. Denn die Tafeln haben ihre ursprüngliche Funktion längst verloren. Als am 26. März 2008 die letzten Soldaten die Eiderkaserne verließen und die Anlage geschlossen wurde, wanderten die Warnschilder vom Haupteingang der Kaserne in das Archiv der Museen im Kulturzentrum.

Lars Mischak, wissenschaftlicher Volontär in den Museen, hat die blechernen „Zeitzeugen“ aus dem Fundus geholt und als Einstieg in den Rundgang durch die Sonderschau „Kaserne an der Eider“ in Szene gesetzt. Die Ausstellung mit dem Untertitel „Zur Geschichte eines Rendsburger Militärstützpunktes“ wird im Kulturzentrum gezeigt. Die Präsentation lädt zu einer Reise durch mehr als drei Jahrhunderte Militärgeschichte auf dem Gebiet des westlichen Neuwerks ein. Lars Mischak, der in Kiel ein Studium der Kulturwissenschaft absolvierte, hat den Streifzug als eigenständige Ausstellung zum Abschluss seiner zweijährigen praktischen Ausbildung in den Museen erarbeitet.

„Das Thema ist sehr gut umgesetzt“, gibt Museumsleiter Dr. Martin Westphal seinem jungen Kollegen eine Bestnote. „Die Geschichte zur Militärhistorie der Stadt an Eider und Kanal wird umfassend chronologisch dargestellt und überzeugend erzählt.“ Denn der 31-Jährige forschte nicht nur in Archiven und wertete historische Quellen aus, sondern interviewte auch Menschen der Gegenwart. So können die Besucher in einem Sessel Platz nehmen und über Kopfhörer die Einschätzungen unter anderem von einem ehemaligen Pastor der Christkirche, einem Soldaten, einer Geschäftsfrau und einer Kneipenbesitzerin in Neuwerk lauschen.

„Für viele Rendsburger war die Bekanntgabe des Truppenabzuges ein Schock“, weiß Lars Mischak. Man wusste nicht, welche Auswirkungen das Abziehen der Soldaten haben wird. Wie macht sich das Fehlen der Armee in der Zivilgesellschaft bemerkbar? Was wird aus diesem Gelände? Viele Fragen sind immer noch offen. Die Antwort allerdings auf die Frage, warum Rendsburg so stark mit dem Militär verwurzelt ist, hat der Museumswissenschaftler mit der Ausstellung geliefert. Für den Titel habe er bewusst auf den Begriff „Eiderkaserne“ verzichtet und das Wortspiel „Kaserne an der Eider“ verwendet. Denn das Gebiet, das schon ab 1690 militärisch erschlossen wurde, sei nur etwa ein Drittel seiner gesamten Zeit als „Eiderkaserne“ bekannt gewesen.

Die geschichtliche Entwicklung über 350 Jahre dokumentiert Lars Mischak anschaulich mit Objekten wie Uniformen, Kanonenkugeln, Helmen, Pickelhauben, alten Fotos und einem Kurzfilm. Nach der „Ausweiskontrolle“ werden die Ausstellungsgäste durch weitere Pforten wie Wachhäuschen und Kasernentüren durch die Stationen geleitet. Die Tour führt von den Anfängen der Garnisonsstadt mit dem Bau des Neuwerks über das Ende der dänische Vorherrschaft zu den Preußen, der Weimarer Republik, der nationalsozialistischen Diktatur, zu den Befreiern der Briten, Dänen und Norweger bis schließlich zur Nato und dem Hauptquartier Landjut. Am Ende steht das Fazit des Museumswissenschaftlers: „Rendsburg wäre ohne die ‚Kaserne an der Eider‘ komplett anders zu denken – die Soldaten haben die Menschen geprägt und die Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist.“

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erstellt am 15.Jul.2017 | 15:21 Uhr

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