Aus Jevenstedt nach Japan

Im Kyoto Utano Youth Hostel wird Angelina zwölf Monate lang arbeiten.
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Im Kyoto Utano Youth Hostel wird Angelina zwölf Monate lang arbeiten.

Angelina Paustian weiß, was sie will. Seit drei Jahren lernt die Jevenstedterin freiwillig Japanisch. Ihre Sprachkenntnisse kann sie ab Mitte September testen: Dann macht sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Japan und arbeitet in einer Jugendherberge.

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18. August 2009, 07:30 Uhr

Jevenstedt | "Ganz von hinten habe ich mich durchgekämpft." Angelina Paustian ist stolz auf ihren Erfolg. Sie ist neben einem Braunschweiger die einzige Norddeutsche, die einen von wenigen Plätzen ergattert hat, die für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Japan vergeben werden.

Die Abiturientin ist fasziniert von dem Land der aufgehenden Sonne. Angefangen hat es mit der TV-Serie "Dragon Boy Z". Da war die Jevenstedterin 13 Jahre alt. Dann las sie Mangas. Mit 16 begann sie, Japanisch zu lernen. Und jetzt, mit 19 Jahren, fliegt sie Mitte September nach Kyoto, um zwölf Monate lang in einer Jugendherberge zu arbeiten.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Ausland ist für die Schulabgänger längst nicht mehr ungewöhnlich. Amerika und Neuseeland sind kein Problem. Doch Asien - das ist eine völlig andere Welt. Auch sprachlich. "Ich habe versucht, mir die Sprache alleine beizubringen", erinnert sich Angelina. Ihre Mitbewerber um die rund 20 FSJ-Plätze, die der Verein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) deutschlandweit jährlich vergibt, hatten es da vielfach einfacher. In den Ballungsgebieten werden Kurse an den Volkshochschulen angeboten, erzählt sie. Im Norden: Fehlanzeige. "Mit 16 Jahren habe ich in Kiel eine Sprachschule gefunden." Seit sich der Kurs dort aufgelöst hat, nimmt sie Privatunterricht bei einer Japanerin. Anfangs fuhr ihr Freund Angelina nach Kiel. Heute fährt sie selbst Auto - und verdient sich als Kurier bei einem Pizza-Service das Geld für Sprachkurs und Lebensunterhalt. Zum Sprachkurs fährt sie nur noch einmal

im Monat - sonst erteilt die Leherin den Unterricht über Skype, das ist Telefonieren mit Kamera über das Internet.

Angelina Paustian lebt selbstständig in einer kleinen Wohnung im elterlichen Haus. Auch im Flur und im Wohnzimmer der Eltern deutet alles auf ihre Leidenschaft hin: An vielen Gegenständen kleben kleine Zettel mit japanischen Schriftzeichen und Begriffen. "Suicchi" ist ein Lichtschalter, verrät das Papier an der entsprechenden Stelle. Ist die Sprache nicht schwer? Angelina zuckt mit den Achseln. "Es geht, man muss eben viel auswendig lernen."

Als sie zum FSJ-Bewerbungsgespräch sollte, waren ihre Kenntnisse eingerostet. Sie stand lediglich auf der Warteliste und hatte sich darum ausschließlich auf das Wiso-Abitur an der Berufsschule in Rendsburg vorbereitet. Zwei Tage vor dem Abi-Ball erfuhr sie plötzlich, dass sie zur Vorstellung nach Berlin sollte. Und überzeugte: "98 haben sich beworben, 40 kamen zum Gespräch, 20 wurden genommen." Darunter Angelina - obwohl ihre Sprachkentnisse eingerostet waren.

Dann galt es, eine zweite Hürde zu nehmen: Zur Finanzierung von Unterkunft, Verpflegung und Sozialversicherung müssen die Teilnehmer Spenden sammeln. Jeder. Dies hat den Sinn, erläutert die junge Frau, dass nicht nur Jugendliche aus gut betuchten Elternhäusern ins Ausland können. 2400 Euro muss Angelina sammeln - die Spender ordentlich aufgelistet. Die Hälfte hat sie erst geschafft, aber sie gibt nicht auf. Während sie in Japan ist, kümmern sich ihre Eltern darum, dass bis Januar die restliche Summe zusammen kommt.

Noch ist sie nicht aufgeregt. Ob ihr der japanische Lebensstil vor Ort tatsächlich gefallen wird, da ist sie sich nicht sicher. Was ihr auf jeden Fall gefällt, ist die Höflichkeit der Japaner. "Ich bin hier oft böse, dass die Menschen so frech sind", erklärt die 19-Jährige. Und sie nennt ein Beispiel für die japanische Höflichkeit: "In Tokio sagt man Bleiben Sie bitte zum Essen. Dann isst man und geht danach". In der Konsai-Region, in der auch Kyoto liegt, bedeutet die Wendung jedoch: Gehen Sie bitte nach Hause.

Angelina wird zwölf Monate bleiben. Ihr Freund will auf sie warten.
Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland
Das FSJ ist ein nicht-formales Bildungsjahr für Jugendliche und junge Erwachsene, die ein Jahr in einer sozialen oder kulturellen Organisation arbeiten wollen.
Das FSJ kann in gemeinwohlorientierten Einrichtungen, insbesondere in der Wohlfahrtspflege, in der Kinder- und Jugendhilfe, in der außerschulischen Jugendbildung und in Einrichtungen für Jugendarbeit oder in der Gesundheitspflege und kulturellen Projekten geleistet werden. Das FSJ im Ausland kann auch anstelle des Zivildienstes geleistet werden.

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