Start von DVB-T2 : Aus für altes Antennen-TV sorgt für Kundenansturm

<p>„Kann mein Fernseher das auch?“ Mit dieser Frage wurde „Euronics“-Verkäufer Holger Hinrichsen zuletzt häufig konfrontiert.</p>
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„Kann mein Fernseher das auch?“ Mit dieser Frage wurde „Euronics“-Verkäufer Holger Hinrichsen zuletzt häufig konfrontiert.

Der Beratungsbedarf im Elektronik-Fachhandel ist groß. Wer nicht aufgerüstet hat, sieht ab heute schwarz.

shz.de von
29. März 2017, 09:40 Uhr

Rendsburg | Ab Mittwoch wird es auf einigen TV-Bildschirmen in der Region dunkel. Zumindest bei Geräte-Besitzern, die seit Jahren über Antenne fernsehen und technisch nicht rechtzeitig aufgerüstet haben. Und schuld am „Blackout“ ist kein Stromausfall. Denn in der Nacht sollte das alte Signal DVB-T in der östlichen Hälfte des Landes abgeschaltet werden. Auch der Großraum Rendsburg ist davon betroffen. Er empfängt das terrestrische Fernsehsignal aus Kiel. Ab sofort gilt im Dunstkreis der beiden Hochbrücken DVB-T2 HD als Übertragungsstandard.

Der Empfang per Antenne ist zwar nach wie vor möglich, sogar in besonders hoher Auflösung (High Definition, kurz HD). Allerdings geht das nur noch mit einem passenden Fernseher der jüngsten Generation oder einer Settop-Box, die im Handel zwischen 50 und 150 Euro kostet. Fernsehzuschauer, die über Kabel, Satellit oder Internet Sendungen verfolgen, müssen sich keine Gedanken machen – für sie ändert sich nichts.

Dem Fachhandel hat die mit großem Vorlauf angekündigte Umstellung in den vergangenen Wochen einen Kundenansturm und steigende Umsätze beschert. Eine Kundin aus Borgstedt besorgte sich am Sonnabend im „Euronics“-Elektromarkt gleich zwei neue Fernseher, die über einen grünen „DVB-T2-HD“-Aufkleber verfügen. „Die Nachfrage ist sehr groß, jedes zweite Gespräch in unserer Fernsehabteilung betrifft dieses Thema“, bestätigte Inhaber Kai Populinski der Landeszeitung. Verkäufer Holger Hinrichsen berichtete gestern von 30 bis 40 Kunden am Tag, die nur wegen der Umstellung in das Geschäft an der Friedrichstädter Straße kommen. Der Anteil der Zuschauer, die noch immer über Antenne gucken, betrage bundesweit zwar nur fünf Prozent. „Im Raum Rendsburg sind es aber gefühlt mehr“, meinte Hinrichsen.

Kunden, die trotz der vielen anderen digitalen Bildquellen weiter der veralteten Technik vertrauen, gibt es nach seiner Schilderung genug. Wenn die Kammer im Dachgeschoss, der Wohnwagen auf dem Campingplatz oder das Gästezimmer mit einem Fernseher bestückt werden muss, hält sich der Aufwand mit einer Stabantenne meist in Grenzen.

Und gerade weil früher alles so einfach war, Stecker rein, Antenne rein, Glotze an, wird Holger Hinrichsen und seinen Kollegen oft die Frage nach dem Warum gestellt. „Das ist dann schwierig zu beantworten“, sagt der „Euronics“-Verkäufer und zuckt leicht mit den Schultern. „Hochauflösendes Fernsehen ist jetzt einfach der Standard.“ Deutschland habe da Aufholbedarf, andere Länder in Europa seien weiter.

Eine Kundin, die mit einem Receiver und Kabeln für zusammen 110 Euro den „Euronics“-Markt verlässt, um ihren Fernseher für DVB-T2 HD zu ertüchtigen, nerven die Unterschiede von Land zu Land. „Es müsste Dinge geben, die überall in Europa funktionieren.“

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