Integration : Aus dem Krieg in Lohn und Brot

Mit einer Schleifmaschine bearbeitet Asmerom Okubay verzinkte Metallteile. Ihm gefällt sein Job bei der Rendsburger Feuerverzinkerei an der Friedrichstädter Straße sehr gut.
Mit einer Schleifmaschine bearbeitet Asmerom Okubay verzinkte Metallteile. Ihm gefällt sein Job bei der Rendsburger Feuerverzinkerei an der Friedrichstädter Straße sehr gut.

Asmerom Okubay flüchtete aus Eritrea. Rendsburger Feuerverzinkerei hat 27-Jährigen als Hilfsarbeiter eingestellt.

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15. Mai 2018, 11:28 Uhr

Rendsburg | Er hat seinen Platz gefunden. Asmerom Okubay flüchtete im Oktober 2015 vor dem Krieg in seiner Heimat Eritrea nach Europa. Weniger als zwei Jahre später, im Juni 2017, übernahm die Rendsburger Feuerverzinkerei an der Friedrichstädter Straße den 27-Jährigen als Leiharbeiter in der Metallverarbeitung. Vor sechs Monaten kam seine Ehefrau Geneh Genet per Flugzeug nach. Das Paar lebt in Rendsburg, will Kinder haben und sich hier eine Existenz aufbauen. Okubay vermisst seine Eltern, freut sich aber über den Job: „Die Arbeit gefällt mir gut. Es macht Spaß mit den Kollegen.“

In Eritrea am Roten Meer leistete er fünf Jahre Dienst als Soldat. „Meine Heimat hat keinen Frieden. Deshalb musste ich sie verlassen.“ Okubay verabschiedete sich von seinen Eltern und seiner Frau. Ein Freund und er gingen zwei Tage zu Fuß in den Sudan. In einem Auto ließ sich Okubay nach Libyen mitnehmen. Wie tausende andere Schutzsuchende setzte er über das Mittelmeer nach Italien über. Drei Tage harrte er auf dem Wasser in einem Boot zwischen ungefähr 400 Menschen aus. „Es war ganz gefährlich. Viele Leute hatten Angst.“ Aus seinem Boot kamen alle wohlbehalten an, aber er weiß, dass viele andere ertranken.

Mit dem Zug fuhr Okubay nach München, dann per Bus zwei Tage nach Norddeutschland. Nach drei Wochen in einem Camp in Neumünster und einer Zwischenstation in Kellinghusen wurde er der Gemeinde Fockbek zugeteilt.

Seinen Job hat Okubay vielen Unterstützern und seiner eigenen Motivation zu verdanken. Als sein Asylantrag bewilligt worden war, wies das Team „Flüchtlinge“ des Jobcenters Kreis Rendsburg-Eckernförde ihn der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) an der Friedrichstädter Straße zu. Sechs Monate nahmen er und weitere 28 Geflüchtete an dem Lehrgang „Perspektive“ teil. Leiterin Maren Dickmann bereitete sie auf den Arbeitsmarkt vor (siehe Info-Kasten). „Herr Okubay ist sehr schnell zu mir gekommen und hat gesagt: ,Ich möchte arbeiten. Ich bin stark. Ich habe gute Laune.‘ Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht und sich nie beklagt.“ Sie wandte sich an Holger Glimm vom Richter Personalservice in Kiel. Er vermittelte Okubay im Rahmen eines Leiharbeitsverhältnisses einen Job bei der Feuerverzinkerei. Bei der Tochter der Fockbeker Hobby-Wohnwagenwerken werden unter anderem Bauteile der Urlaubsmobile verzinkt. Okubay verrichtet im Zwei-Schicht-Betrieb Hilfstätigkeiten. Sobald die Teile aus einem Zinkbad gekommen und abgekühlt sind, schleift er überstehende Zinkreste ab. Er arbeitet mit Schleif- und Bohrmaschinen, bedient Kräne und Computer. Produktionsleiter Norbert Koll ist sehr zufrieden. „Das bringt richtig Spaß zu sehen, wie es funktioniert.“ Drei Geflüchtete arbeiten in dem Team: Miftar Gasi (42) aus dem Kosovo, Mohanad Azeez (35) aus dem Irak und Okubay. „Sie kommen mit den Deutschen gut klar. Die Deutschkenntnisse verbessern sich.“ Er bezeichnet die Zusammenarbeit als „nächste Stufe der Integration“.

Deutsche für solche Hilfsarbeiten zu finden, ist schwierig, berichtet Glimm. Umgekehrt sei nicht jede Firma bereit, Geflüchtete einzustellen. Wolfgang Harbeck, Geschäftsführer der Feuerverzinkerei, will nicht auf die ausländischen Kräfte verzichten: „Wir haben nicht nur einen Fachkräftemangel. Auch bei der Suche nach nicht so hoch qualifizierten Arbeitern tun wir uns schwer.“ Die Herkunft der Beschäftigten ist ihm egal. „Er kommt hierher, um ein friedliches Leben zu führen und sein Glück zu finden.“

Kritikfähigkeit im Test

Das Team „Pepe“ der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Rendsburg bereitet Geflüchtete seit 2016 auf den Arbeitsmarkt vor. Zugewiesen werden sie vom Team „Flüchtlinge“ des Jobcenters Kreis Rendsburg-Eckernförde. Jeweils 29 sogenannte erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit Migrationshintergrund nehmen an dem sechsmonatigen DAA-Lehrgang „Perspektive“ teil. Standortkoordinatorin und Lehrgangsleiterin Maren Dickmann erläutert: „Wir leisten ein Profiling: Was bringen die Teilnehmer an beruflichen und sozialen Kompetenzen mit? Gibt es Zeugnisse, die man anerkennen lassen kann? Welche Alltagsprobleme müssen gelöst werden?“ Mit Übungen testen die Dozenten, ob jemand eher handwerklich oder kognitiv begabt ist. Die Teilnehmer erarbeiten Berufswünsche und lernen passende Sprachkenntnisse. Bei einem interkulturellen Kompetenztraining werden sie Diskussionen ausgesetzt. Die Dozenten wollen sehen, ob die Geflüchteten kritik- und teamfähig sind. Jobcenter und Arbeitgeber erhalten Einschätzungen.

32 Jobs in 12 Monaten

Sobald Geflüchtete Asyl erhalten, werden sie Kunden des Jobcenters. Von April 2017 bis März 2018 haben 145 Geflüchtete aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden, davon lebten 32 Personen in Rendsburg. Diese Zahlen teilte der Statistik-Service Nordost der Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage mit. Sie beziehen sich auf sogenannte „Personen im Kontext von Fluchtmigration“. Die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) Rendsburg hat seit 2016 viele Schutzsuchende in Praktika, Arbeit und Ausbildung vermittelt. Genaue Zahlen möchte Standortleiterin Maren Dickmann aber nicht veröffentlichen.

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