Gegen den Fachkräftemangel : Aus China in die deutsche Pflege

Die Verantwortlichen der Imland-Pflegeschule mit dem in Fernost rekrutierten Pflegenachwuchs: Integrationsbeauftragte Shumin Zhang (ganz rechts), Schulleiter Hans-Joachim Carlsen und seine Vertreterin Manuela Scherpe mit den Chinesinnen.
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Die Verantwortlichen der Imland-Pflegeschule mit dem in Fernost rekrutierten Pflegenachwuchs: Integrationsbeauftragte Shumin Zhang (ganz rechts), Schulleiter Hans-Joachim Carlsen und seine Vertreterin Manuela Scherpe mit den Chinesinnen.

Frisch in Deutschland – und schon in der Klinik-Ausbildung: 13 junge Asiatinnen haben eine aufregende Zeit in Rendsburg vor sich.

shz.de von
13. Januar 2018, 09:00 Uhr

Der Fachkräftemangel veranlasst die Imland-Klinik zu einem ungewöhnlichen Schritt: Erstmals durchläuft eine ganze Gruppe von Berufsanfängern aus China in Rendsburg die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Die 13 Asiatinnen zwischen 20 und 25 Jahren befinden sich erst seit zehn Tagen in Deutschland. Zwei Mitschülerinnen aus Fernost werden noch erwartet. Sie alle sollen in der klinikeigenen Pflegeschule nach deutschen Standards ausgebildet werden.

Bevor es ab Mai in die Pflegepraxis geht, absolvieren die Schülerinnen zunächst einen berufsbezogenen Sprachlehrgang. Der Unterricht in der Rendsburger Volkshochschule beginnt am Montag. In China haben die Neubürgerinnen bereits die „B1“-Prüfung am Goethe-Institut bestanden. Sie können sich im Alltag auf Deutsch verständigen. Für die Arbeit im Krankenhaus und den Berufsabschluss reicht das aber nicht aus. „B2“ ist das Ziel. In Rendsburg soll dieses Niveau in wenigen Monaten erreicht werden.

Hans-Joachim Carlsen, Leiter der Pflegeschule, ist zuversichtlich, dass die Premiere gelingt. Intensiv und monatelang habe man sich auf das Projekt vorbereitet. „Die jungen Chinesinnen wurden aus ihrer Heimat nach Deutschland verpflanzt. Wir haben eine hohe Verantwortung für sie und müssen alles dafür tun, dass das klappt.“ Das Anwerben von Personal im Ausland begründet der Leiter mit der demografischen Entwicklung. „Wir laufen auf einen Mangel an Pflegekräften zu. 20 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze in der Pflege können wir bis 2030 nicht besetzen – beim günstigsten Verlauf.“ Über das Hamburger „Institut für Talententwicklung“ streckte Imland die Fühler in das Reich der Mitte aus. Die Vorstellungsgespräche führten die Personalverantwortlichen mittels Videotelefonie. Danach dauerte es Monate, bis alle Formalitäten erledigt waren. Zig Behörden mussten grünes Licht geben oder ihre Förderung zusagen. Carlsen: „Viele Räder griffen ineinander, bevor alles in trockenen Tüchern war.“

Die ersten Tage in Rendsburg haben die Chinesinnen genutzt, um die Zeitumstellung und den Kulturschock zu verkraften. Die meisten sind zum ersten Mal in Deutschland. Wichtigste Kontaktperson ist Shumin Zhang, seit August Integrationsbeauftragte an der Pflegeschule. Die Chinesin, die bereits seit zehn Jahren in Deutschland lebt, kümmert nicht nur um Berufliches. Sie soll auch bei der kulturellen Eingliederung helfen und ist dankbar für diese Chance: „Ich bin begeistert, dass die Imland-Klinik und die Pflegeschule dieses Projekt starten.“

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