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August 1864: Rendsburg wird Depot für Kriegsbeute aus Dänemark

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit Mai dieses Jahres nimmt der frühere Fernsehjournalist Hans Joachim Kürtz die Leser der Landeszeitung mit auf eine Reise in die Vergangenheit: genau 150 Jahre zurück, in die Zeit des Deutsch-Dänischen Krieges. Im letzten Teil des Rückblicks berichtet Kürtz von sechs voll beladenen Schiffen, die „heiße Fracht“ in Form von Schießpulver und Geschützen vom dänischen Kolding in die Kanalstadt brachten.


Zwar war am 18. Juli 1864 im Wattenmeer vor der Insel Föhr der letzte Kanonenschuss des Deutsch-Dänischen Krieges abgefeuert worden – es herrschte Waffenstillstand zur Vorbereitung der Friedensverhandlungen. Doch erhielt Rendsburg noch Mitte August ein gigantisches Waffendepot der besonderen Art. Zwei Hamburger Schleppdampfer brachten über den Eider-Kanal sechs bis an den Rand beladene Schiffe mit Kriegsmaterial, die hier an Land gesetzt wurden – darunter mehr als 200 Geschütze und 105 Tonnen Schießpulver.

Diese „heiße Fracht“ kam aus dem dänischen Ostseehafen Kolding. Sie bestand überwiegend aus der Kriegsbeute der Österreicher und der Preußen, aber auch aus den ersten Geschützen, mit deren Abzug aus Dänemark das preußische Heer angesichts des bevorstehenden Friedensschlusses begonnen hatte.

Mit dem Datum 13. August berichtete die Augsburger „Allgemeine Zeitung“, die zu den größten in Deutschland zählte, aus Kolding: „Seit gestern wird hier im Hafen alles Artilleriematerial auf Schiffe verladen, um es nach Rendsburg zu bringen. An 300 Bauernwagen haben es hierher gefahren, wobei auch noch österreichisches und preußisches Armeefuhrwerk half. Die Vorräthe bestehen neben den zahlreichen Geschützen in vielen Tausenden von Hohl- und Vollgeschossen aller Kaliber, in Hunderten von Fässern Pulver und massiven Bleibarren, Laborir- und anderen Geräthen ect. Ihr Gesamtgewicht ist veranschlagt auf 9 bis 10 000 Centner. Der Eigenthümer der Schleppdampfer „Hercules“ und „Goliath“, die hier schon länger lagen, hat dazu sechs dänische Frachtschiffe gemiethet.“

Die Transportkosten für den Seeweg über Kiel seien auf 3000 Taler veranschlagt, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Die Fortschaffung über Land hätte 1200 Fuhrwerke erfordert und mit 6000 Thalern das Doppelte gekostet – und das, nur um erst einmal bis zur nächsten Bahnstation Rothenkrug bei Apenrade zu gelangen.“ Nur die besonders schweren Belagerungsgeschütze der Preußen würden per Bahn von Rothenkrug nach Rendsburg gebracht. Für den Schiffskonvoi gab es dann ein paar Tage Verspätung für das Ablegen in Kolding. Denn die Arbeitskommandos der preußischen Artillerie- und Pioniertruppen, die man für die Beladung der Schiffe eingesetzt hatte, mussten „größte Vorsicht und Sorgfalt bei den vielen hundert Pulvertonnen und sonstigen Feuerwerkskörpern obwalten lassen, was die Abfahrt der kleinen Flottille verzögerte.“ Was dann in Rendsburg mit den kriegerischen Hinterlassenschaften geschehen sollte, darüber konnte sich der Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung“ nur in vagen Vermutungen ergehen: „Ich lasse es unentschieden, ob das bedeutende Artilleriematerial daselbst verkauft, resp. zum Bedarf der demnächstigen Bundesfestung abgetreten, oder ob es dort solange nur verwahrt wird, bis der Friede abgeschlossen wird.“ Schließlich hatte der Deutsche Bund beabsichtigt, Rendsburg als den wichtigsten Eiderübergang nach dem Krieg zur Bundesfestung auszubauen.

So hatten bereits mehrere der Bundesstaaten Fachleute aus ihren sogenannten „Intelligenztruppen“ (militärische Spezialeinheiten für Befestigungen) hierher geschickt, um Vorarbeiten für die Planung der Anlagen zu leisten. Dass dann aber aus dem Vorhaben nichts wurde, lag an Bismarck, der die Herzogtümer Schleswig und Holstein zwei Jahre später kurzerhand dem Königreich Preußen einverleibte.

Am 22 August 1864 veröffentlichte die Börsenzeitung ein Inserat, in dem es heißt: „Das k.u.k. österreichische Generalkonsulat in Hamburg bringt hiermit zur öffentlichen Kenntniß, dass zu Folge Verordnung des hohen k.u.k. Kriegsministeriums das in Rendsburg befindliche erbeutete ehemals dänische Kriegsmaterial verkauft werden soll, und ladet demnach Kauflustige ein, ihr Gebot baldthunlichst abzugeben. Das fragliche Quantum besteht in der Hauptsache aus beiläufig 224 eisernen Kanonen unterschiedlichen Kalibers, 14 Stück 10- bis 15-zölligen Mörsern, 1000 gezogenen Infanteriegewehren , 105 Tonnen Pulvers und sonstigen Gegenständen.“

Was am Ende dann wirklich mit dem nach Rendsburg verfrachteten Waffendepot geschah, bleibt im Unklaren. Weitere Meldungen dazu waren in den damaligen Zeitungen nicht zu finden.

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