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NS-Landräte : Aufräumen in der Ahnengalerie

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Jahrzehntelang hingen im Rendsburger Kreishaus auch Porträts von NS-Landräten. Das soll nun ein Ende haben. Die Ahnengalerie wird neu gestaltet.

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erstellt am 18.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Die „braunen Flecken“ sind verschwunden. Der Raum 169 im Rendsburger Kreishaus ist frisch gestrichen worden. Bevor die Maler gestern ihre Arbeit aufnahmen, wurden die Porträts der Ahnengalerie abgehängt. Die 36 Bilder mit ehemaligen Landräten lagern nun verpackt in Kartons im Nebenzimmer. Darunter befinden sich auch die umstrittenen Fotos mit Verwaltungschefs, die in der Nazi-Zeit im Amt waren.

Wann die Porträtaufnahmen wieder zurückkehren in das repräsentative Sitzungszimmer, in dem der Hauptausschuss tagt und Besucher empfangen werden, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass die Ahnengalerie neu gestaltet wird. Denn bisher hingen die Bilder unkommentiert an der Stirnwand der „guten Stube“ im Kreishaus. Nach einer Entscheidung im Hauptausschuss soll diese Art der Würdigung ein Ende haben und die Fotos der NS-Landräte mit einem Begleittext versehen werden.

„Die Landräte waren unbestritten ein Teil des Systems“, sagt Kreispräsident Lutz Clefsen. Auch die übrigen Mitglieder im Hauptausschuss waren sich einig, dass die Nazi-Vertreter nicht länger gleichbedeutend in einer Reihe mit demokratischen Verwaltungschefs geehrt werden sollten. Die belasteten Männer sollten allerdings auch nicht sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden. Daher entschieden sich die Politiker für eine neue Konzeption: Die Aufnahmen sollen künftig mit Informationstexten ergänzt und nach Epochen gruppiert werden: Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik.

Die neue Strukturierung wird aber nur der erste Schritt sein. Außerdem soll eine Studie in Auftrag gegeben werden, um die Geschichte der NS-Landräte in der Region wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dafür sind 25 000 Euro im Haushalt bereit gestellt worden. Ein Gutachten über Waldemar von Mohl, der auch in der Rendsburger Ahnengalerie vertreten war, gibt es bereits. Er leitete von 1933 bis 1945 die Segeberger Kreisverwaltung und war zuvor von 1921 bis 1932 im ehemaligen Kreis Bordesholm Landrat. Die Segeberger Kreispolitiker hatten den Forschungsbericht in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war eindeutig: „Als Landrat besaß von Mohl eine wichtige Funktion bei der Umsetzung nationalsozialistischer Politik“, heißt es in der Studie.

Doch es geht nicht nur um Waldemar von Mohl. Die ehemaligen NS-Landräte Walter Alnor, Peter Matthiessen, Hans Kolbe, Wilhelm Hamkens und Julius Peters befleckten ebenfalls die Kreishaus-Ehrengalerie. Nun sind die Bilder der Nationalsozialisten in die braunen Kartons umgezogen.

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