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Rader Hochbrücke : Neue Rader Hochbrücke wird sechsspurig

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Reaktionen aus der Region zur Änderung der Hochbrücken-Pläne fallen positiv aus.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 06:40 Uhr

Rendsburg | Drei statt zwei vollwertige Spuren je Richtung auf der neuen Rader Hochbrücke – diese Nachricht aus Berlin löste in der Region Rendsburg am Montag ein äußerst positives Echo aus.

„Bravo!“, lautete die erste Reaktion von Gero Neidlinger, Bürgermeister von Borgstedt. Die unterhalb der Rader Hochbrücke liegende Gemeinde leidet wie kaum eine andere unter der Geräuschkulisse, die von dem Bauwerk ausgeht. „Man hätte ein Nadelöhr für die Zukunft geschaffen“, sagte Neidlinger mit Blick auf die bisheriger Planungen. Für seinen Ort bedeutet der Schritt zu drei vollwertigen Spuren einen Quantensprung in Sachen Lärmschutz. „Jetzt entsteht kein Ersatzneubau mehr, sondern eine völlig neue Brücke“, erklärte der Bürgermeister der 1500-Seelen-Gemeinde. Folge: Es gelten die aktuellen Schallschutzbestimmungen und nicht die der 1970-er Jahre. „Jetzt bekommen wir hochkarätigen Lärmschutz“, freute sich Neidlinger

<p>Gero Neidlinger, Bürgermeister von Borgstedt.</p>

Gero Neidlinger, Bürgermeister von Borgstedt.

In Planung mit einbezogen werden

Hans Stephan Lütje, Bürgermeister von Rade auf der anderen Seite des Nord-Ostsee-Kanals, staunte über die Entscheidung: „Ich finde das vollkommen in Ordnung, bin aber überrascht, dass wir gar nicht eingebunden wurden.“ Immerhin stehe 80 Prozent der Brücke auf Rader Gebiet. „Neue Regierung, neues Spiel“, so Lütje. Die Gemeinde habe die Sechsspurigkeit stets gefordert. „Das ist für die Region wichtig. Dann ist auch der Lärmschutz gewährleistet.“

Es ist Lütje aber wichtig, dass die Gemeinde während der zwölfjährigen Bauphase intensiv in die Planung einbezogen wird. Die Zu- und Abwegung der Baustelle sei in der Vergangenheit zwar mit der Kommune besprochen worden. Aber mit der Erweiterung werde auch die Baustelle um ein Drittel größer ausfallen. Damit müsse mehr Stahl und Erde bewegt werden.

Schnelle Umsetzung gewünscht

„Oh, das ist gut“, freute sich Jörn-Peer Wohlert, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition aus Bollingstedt, über die neue Entwicklung. „Eine sechsspurige Brücke ist ein absolutes Muss – die Kanalbrücke ist die Lebensader für die ganze Region“, sagte er. Trotz der guten Neuigkeiten bleibt er auch vorsichtig: „Das Wichtigste ist, dass es dann aber auch schnell vonstatten geht: Die neue Brücke muss unbedingt fertig gestellt sein, bevor die alte abgerissen ist. Nicht nur der Speditionsverkehr, sondern der gesamte Wirtschaftsraum Schleswig-Holstein würde zusammenbrechen, wenn die alte Brücke kaputt geht, bevor die neue steht.“

Skepsis gegenüber Zeitplanung

Gisela Callsen, Seniorchefin des gleichnamigen Taxiunternehmens reagierte verhalten und sarkastisch auf die Neuigkeiten aus Berlin: „In zehn Jahren – oder wann soll es dann losgehen?“, fragte sie provokativ, als sie von dem geplanten Neubau erfuhr. „So wie unsere Politiker drauf sind, gehe ich davon aus, dass es noch endlos dauert, bis es dann endlich konkret wird. Allein die Planung und die Beschaffung der Geldmittel wird viel Zeit in Anspruch nehmen.“ Außerdem rechnet sie mit Einwänden, die das Vorangehen weiter stoppen werden: „Die Naturschützer finden sicher noch irgendwelche Eulen oder Maulwürfe, die ausgerechnet an der Stelle ansässig sind, an der die neue Brücke entstehen soll, und wegen denen der Bau dann doch wieder verschoben werden muss.“

Eine Verzögerung darf es nicht geben. Diese Meinung vertritt Landrat Rolf-Oliver Schwemer. Es sei unabdingbar, dass der festgelegte Zeitplan eingehalten wird. „Im Jahr 2026 brauchen wir zwar noch kein fertiges Gesamtbauwerk, wohl aber eine nahtlose Übergangslösung für das bisherige Bauwerk. Das muss durch die Verantwortlichen sichergestellt werden“, sagte er.

Ähnlich argumentierte der Vorsitzende des Rendsburger Senats, Helge Hinz: „Die Entscheidung für sechs Spuren hätte viel früher fallen müssen, denn die Verkehrprognosen sind ja seit langem bekannt.“ Er erwartet vom Bundesverkehrsministerium, dass die neue Hochbrücke genauso vorausschauend realisiert werde wie derzeit der Ausbau der A7. „Die Arbeit der Deges sollte man als Maßstab nehmen“, so Hinz.

Helge Hinz und Karin Wiemer-Hinz.
Helge Hinz und Karin Wiemer-Hinz. Foto: dj

Lutz Kirschberger, Rendsburger Vertreter der Industrie- und Handelskammer, zeigte sich erleichtert über die Entscheidung aus Berlin: „Es hätte keinen Sinn gemacht, für viel Geld eine vierspurige Brücke zu bauen, die sich nach Fertigstellung als Nadelöhr erweist.“

Lutz Kirschberger
Lutz Kirschberger

Uneingeschränkte Erleichterung bei Kai Lass, Geschäftsführer der Rendsburg Port Authority und Eigentümer des Schwerlasthafens Rendsburg Port: „Ich freue mich, dass es nach dem Dilemma der vergangenen Jahre endlich auch mal gute Nachrichten für die Region Rendsburg gibt. Für den Wirtschaftsstandort ist eine Rader Brücke mit sechs Spuren ganz wichtig.“
 

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