zur Navigation springen

Kanalquerung : Auf zwei Bahntrassen über den Kanal

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Neue Pläne für die Zugverbindungen bei Rendsburg: Das Land will den Fernverkehr durch einen neuen Tunnel für Autobahn und Schiene bei Rendsburg fahren lassen, den Nahverkehr aber weiter über die Eisenbahnhochbrücke zum Rendsburger Bahnhof.

von
erstellt am 27.Sep.2013 | 19:01 Uhr

Trotz des Widerstands von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer treibt dessen schleswig-holsteinischer Kollege Reinhard Meyer die Pläne für einen neuen Straßen- und Schienentunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg voran. Gegenüber dem sh:z konkretisiert Meyers Staatssekretär Frank Nägele jetzt erstmals den Vorstoß: Wie schon für die Gleise zum Fehmarnbelt favorisiert das Land auch für die Querung des Kanals die Einrichtung von zwei getrennten Bahntrassen – eine für den Nahverkehr und eine für den Fern- und Güterverkehr. „Der Nahverkehr würde weiter über die Hochbrücke und den Rendsburger Bahnhof fahren, alle anderen Züge durch einen neuen kombinierten Tunnel für Autobahn und Schiene bei Büdelsdorf“, sagt SPD-Politiker Nägele. Dort könnte dann ein Fernbahnhof entstehen.

Eine solche „2+2-Variante“ mit den zwei alten Gleisen über die Hochbrücke und zwei neuen Gleisen durch den Tunnel wäre laut Nägele „zeitgemäßer als die heutige“ und hätte gleich vier Vorteile: Erstens wären Fern- und Güterzüge schneller, weil sie nicht mehr in Rendsburg die zeitraubende Schienenschleife auf die Hochbrücke hinauf oder von der Hochbrücke herab fahren müssten. Zweitens nähme die Belastung der 100 Jahre alten Brücke ab. Drittens müssten die Anwohner der Schleife nicht mehr so viel Lärm aushalten. Und viertens könnten Nahverkehrspendler nach Neumünster, Flensburg und Kiel trotzdem weiterhin den stadtnahen Bahnhof in Rendsburg nutzen. Um Fern- und Güterzüge durch den geplanten Tunnel zu führen, müsste nach Nägeles Plänen ein neues Trassenstück gebaut werden, das bei Bokelholm von der jetzigen Bahnlinie Neumünster-Flensburg abzweigt und nördlich von Alt Duvenstedt wieder auf sie zurückführ.

An CSU-Minister Ramsauer übt Nägele deutliche Kritik wegen dessen abweisender Haltung zu dem vom Land geforderten Kombitunnel unter dem Kanal. Ramsauer lehnt das Vorhaben mit der Begründung ab, dass sowohl die denkmalgeschützte Eisenbahnhochbrücke als auch die baufällige Rader A7-Hochbrücke derzeit saniert würden und sich daher die Frage nach einem Ersatzbauwerk „nicht stellt“. – „Da weiß der Bund offenbar mehr als wir“, spottet Nägele. Das Land werde erst nach Abschluss der Reparaturen an der Rader Hochbrücke wissen, wie lange das vor 41 Jahren eingeweihte Bauwerk noch hält. „Wir gehen aber davon aus, dass die ursprüngliche Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren bei weitem nicht erreicht werden kann“, sagt Nägele. Daher müsse der Bund angesichts immer längerer Planungszeiträume schon bald mit der Vorbereitung eines Ersatzbaus für die Brücke beginnen.

Aus Rendsburg und Büdelsdorf erhielt Nägele für seine Pläne Beifall: „Das ist der richtige Vorstoß zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast. Man dürfe sich nicht von Ramsauers Äußerungen abschrecken lassen und müsse die Zeit nutzen, in der die marode Brücke im Bewusstsein der Öffentlichkeit stehe. „Wichtig bei den weiteren Überlegungen wird es sein, die Erreichbarkeit und zentrale Position Rendsburgs zu erhalten“, sagte Gilgenast

Auch Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein bewertete die Pläne positiv und mahnte zugleich konkrete Schritte an. „Auch wenn ein solches Projekt erst in 20 oder mehr Jahren verwirklicht wird, sollte so schnell wie möglich eine Trasse festgelegt werden, um die Flächen freizuhalten. “

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen