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Probleme für Rollstuhlfahrer : Auf Umwegen ins Fitness-Studio

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Drehkreuz im Eingang des „Wellyou“ stellt Hürde für Rollstuhlfahrer Clas Neuenfeldt dar / Ausnahmeregel für Seiteneingang durchgesetzt

Drehkreuze im Supermarkt, Einkaufszentrum oder in der U-Bahnstation sind eigentlich nichts ungewöhnliches. Doch für den 33-jährigen Clas Neuenfeldt stellen sie eine unüberwindbare Hürde dar. Denn der Rendsburger sitzt im Rollstuhl. Umso enttäuschter zeigte er sich, als er Mitglied im Fitness-Studio „Wellyou “ werden wollte. Denn dieses kann nur über den Eingang an der Denkerstraße durch ein Drehkreuz betreten werden.

Clas Neuenfeldt möchte trainieren, genauso wie alle anderen. Ein anderes Fitness-Studio kann er sich aber nicht leisten, außerdem ist das „Wellyou“ direkt um die Ecke von seiner Wohnung. Er kennt den Betreiber, vor zwei Jahren war er schon einmal Mitglied dort. Damals wurde das Drehkreuz für ihn ausgebaut. Heute sei das aber nicht mehr möglich, habe man ihm auf Anfrage mitgeteilt. Das kann Clas Neuenfeldt verstehen. Doch warum er nicht durch den Seiteneingang ins Studio gelangen darf, ist für ihn unbegreiflich.

Der Betreiber des Fitness-Studios, Nico Döhring, sagte, ihm seien die Hände gebunden. Der Vermieter wolle nicht, dass die Seitentür genutzt werde, betonte er gegenüber der Landeszeitung. „Wir wollen dem jungen Mann auf keinen Fall den Zutritt zu unserem Studio verwehren. Er soll hier genauso trainieren dürfen, wie alle anderen. Wir sind offen für jeden, egal ob im Rollstuhl oder nicht“, so Döhring.

Nach der Anfrage der Landeszeitung hat am Donnerstag ein Gespräch zwischen Vermieter und Studiobetreiber stattgefunden. Das Ergebnis: Es wird eine Ausnahme für Clas Neuenfeldt geben, ab Mittwoch kann er im Fitness-Studio trainieren. Das teilte Nico Döhring unserer Zeitung mit.

Über diese Wendung zeigte sich Clas Neuenfeldt erfreut: „Das ist super. Ich grinse gerade übers ganze Gesicht“, sagte er, als er von der guten Nachricht erfuhr. Denn gerade für ihn sei regelmäßiger Sport sehr wichtig. Arme sowie Nacken- und Rückenmuskulatur müssen trainiert werden. Der Studiobetreiber hatte schon in der Vergangenheit einen speziellen Fitnessplan für den Rendsburger konzipiert. Auch jetzt möchte er den 33-Jährigen weiter unterstützen, kündigte Döhring an.

Dass die ganze Geschichte doch noch ein gutes Ende genommen hat, freut Clas Neuenfeldt. Gleichzeitig zeigt das Erlebte aber aufs Neue, dass Barrierefreiheit längst nicht überall gewährleistet wird. Im Alltag habe sich die Situation für Rollstuhlfahrer in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert, doch eben längst nicht überall, so Neuenfeldt. Beim Busfahren oder an einigen Straßen mit zu engen Bürgersteigen habe er noch immer mit Problemen zu kämpfen. Der Rendsburger ist seit seiner Geburt querschnittsgelähmt. Aus eigener Kraft kann er sich nicht aus dem Rollstuhl hochziehen.

 

 

 

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erstellt am 04.Apr.2015 | 05:45 Uhr

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