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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Auf jeden Bürger im Kreis kommen 724 Euro Schulden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Schulden der öffentlichen Haushalte sind um drei Prozent gestiegen. Die Verwaltung glänzt im Vergleich zu anderen Kreisen jedoch.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2014 | 17:00 Uhr

Trotz aller Spar-Anstrengungen haben die Schulden der öffentlichen Haushalte im Kreis Rendsburg-Eckernförde im vergangenen Jahr zugenommen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistikamts Nord hervor. Sie zeigen, dass Gemeinden, Ämter und der Kreis mit gut 194 Millionen Euro in der Kreide standen. Damit haben die Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent zugelegt. Sowohl mit der Gesamthöhe als auch mit der Zunahme liegt Rendsburg-Eckernförde damit im Mittelfeld aller elf Kreise in Schleswig-Holstein. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ergibt sich jedoch ein anderes Bild – da glänzt der Kreis mit einem geringen Schuldenstand.

Mit 724 Euro pro Einwohner muss sich der flächengrößte Kreis nur Stormarn geschlagen geben. Dort liegt die Verschuldung pro Einwohner durchschnittlich bei nur 441 Euro. Die Stormarner führen mit einer Gesamtverschuldung von knapp 103 Millionen Euro zum Ende des Jahres 2013 sowie einem Rückgang gegenüber 2012 von neun Prozent die Liste an. Der Kreis Pinneberg steht hingegen mit einem Gesamtschuldenstand von rund 476 Millionen und einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1590 Euro am schlechtesten da. Auch Nordfriesland kommt schlecht weg: Dort stiegen die Verbindlichkeiten um 14 Prozent auf knapp 253 Millionen.

Dass Rendsburg-Eckernförde im vergangenen Jahr an Schulden zugenommen hat, liegt nicht an der Kreisverwaltung. Sie hat ihre Rückstände gegenüber 2012 um 16 Prozent auf knapp über 20 Millionen Euro gesenkt. Damit liegt der Kreis erneut hinter Stormarn mit fast elf Millionen Euro Verwaltungsschulden und einem Rückgang um knapp die Hälfte – 48 Prozent. Auch Steinburg ist besser. Dort hat die Kreisverwaltung 8,5 Millionen Euro Schulden, die um zehn Prozent geschrumpft waren. Besonders schlecht sieht es in Ostholstein aus. Dort hat die Kreisverwaltung einen Schuldenberg von über 81 Millionen Euro angehäuft. Ähnlich hoch sind die Verbindlichkeiten der Verwaltungen in Dithmarschen und Schleswig-Flensburg mit jeweils rund 80 Millionen.

Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer freut, dass sein Haus mit 75 Euro Schulden pro Einwohner gut abschneidet. Mit dieser Zahl messen sich ihm zufolge die Verwaltungen untereinander. Auch hier sind nur Stormarn (47) und Steinburg (66) besser. Dithmarschen kommt mit 806 Euro am schlechtesten weg. Schwemer führt die guten Werte Rendsburg-Eckernfördes auf das Konsolidierungskonzept 2010 bis 2013 zurück. Davor habe die Verschuldung noch bei rund 40 Millionen Euro gelegen. Die Rückgänge seien dadurch erreicht worden, dass nur noch die notwendigsten Investitionen getätigt wurden, „also zum Beispiel keine neuen Radwege“, so der Landrat.

Der Schuldenabbau sei so wichtig, um sich nicht die Handlungsfähigkeit in der Zukunft zu verbauen. „Wenn wir das nicht tun, müssen die nachfolgenden Generationen die Schuldenberge abbauen und wir belasten zukünftige Haushalte mit hohen Zinskosten“, sagte der Landrat auf Nachfrage der Landeszeitung. Er freue sich zwar, dass die Kreditzinsen derzeit niedrig seien. Es sei aber sicher, dass das nicht so bleiben werde. „Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat doch vor Augen geführt, was passiert, wenn die Schulden ein zu großes Ausmaß annehmen – siehe Griechenland.“ Schwemer rechnet damit, dass der Schuldenstand zum Ende dieses Jahres noch einmal um zwei Millionen auf rund 18,2 Millionen Euro sinkt. Für das Jahr 2015 hofft er jedoch, dass sich die Verbindlichkeiten wegen der Auswirkungen des Kommunalen Finanzausgleichs nicht wieder erhöhen (wir berichteten). In den Jahren danach könne es moderate Rückgänge geben.

Neben dem geringen Schuldenstand glänzt Rendsburg-Eckernförde zudem als einziger Kreis neben Stormarn damit, dass er im vergangenen Jahr keine Kassenkredite aufnehmen musste. Wie private Dispositionskredite seien die dafür da, kurzfristig Liquidität zu erreichen, um etwa laufende Zahlungen wie Sozialausgaben zu decken. Kassenkredite seien immer ein Zeichen dafür, dass „Einnahmen und Ausgaben im konsumptiven Bereich nicht im Einklang stehen“, so Schwemer. Die Kreditschulden seien hingegen ausschließlich für Investitionen vorgesehen, etwa in Schulen oder Straßen.

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