Behörden ermitteln : Auf der Spur eines Umweltsünders

Rund zwölf Kubikmeter Polystyrol-Hartschaum-Teile hat ein unbekannter Täter in der Feldmark zwischen Borgstedt und Rickert abgekippt. Marc Schwandt (links) und Rainer Callsen vom Haus- und Hofdienst der Kreisverwaltung transportierten das Material gestern ab.
Rund zwölf Kubikmeter Polystyrol-Hartschaum-Teile hat ein unbekannter Täter in der Feldmark zwischen Borgstedt und Rickert abgekippt. Marc Schwandt (links) und Rainer Callsen vom Haus- und Hofdienst der Kreisverwaltung transportierten das Material gestern ab.

Unbekannter Täter kippt zwölf Kubikmeter Kunststoff-Schrott illegal in die Feldmark. Die Abfuhr wilden Mülls kostet jährlich 30 000 Euro

shz.de von
22. März 2017, 10:52 Uhr

Alte Autoreifen, ausgediente Flachbildfernseher und ein kaputter Katzenkratzbaum – die Feldmark zwischen Rickert und Borgstedt entwickelt sich zur wilden Müllhalde. Sogar einer ganzen Sofagarnitur hat sich jemand entledigt. Doch der jüngste Fund am Plattenweg zwischen dem Borgstedter und dem Winkelhörner Weg macht auch Michael Wittl, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis, fassungslos: Ein unbekannter Täter hat dort rund zwölf Kubikmeter Kunststoff-Schrott einfach in die Landschaft gekippt. Wittl sucht nun Zeugen, die Hinweise geben können, wo das Material herkommt.

Wilder Müll hat sich zu einem ausgewachsenen Problem im gesamten Kreisgebiet entwickelt, schildert Dr. Martin Kruse, Fachbereichsleiter für Regionalentwicklung. Besonders in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen, wie im aktuellen Fall wenige hundert Meter von der B203 entfernt, werde immer wieder Sperrmüll abgekippt. „Meistens nachts oder am Wochenende, wenn es keiner sieht“, sagt Kruse. Neuralgische Orte liegen auch rund um Nortorf, Fockbek und im Kieler Randgebiet. Oft wird dann der Haus- und Hofdienst, der eigentlich für die Gebäude der Kreisverwaltung zuständig ist, mit der Beseitigung beauftragt – rund 80 Mal im Jahr. Dem Kreis und damit der Allgemeinheit entstehen dadurch Kosten von jährlich 25  000 bis 30  000 Euro, Tendenz steigend. Bis 2005 lag die Summe noch weit unter 20  000 Euro.

„Das ist kein Kavaliersdelikt“, warnt Martin Kruse. Je nach Stärke der Umweltverschmutzung kann ein Bußgeld von bis zu 100  000 Euro verhängt werden. Besonders schlimme Fälle, wenn etwa Gefahrstoffe verklappt werden, stellen sogar Straftatbestände dar, die vor Gericht behandelt werden. Allerdings können Kruse und Wittl die Täter nur selten ermitteln. Im Fall der großen Menge Kunststoffteile in Borgstedt sind sie jedoch zuversichtlich. Es handelt sich Wittl zufolge nach bisherigen Erkenntnissen um einen speziellen Werkstoff, der in der Industrie verwendet wird: Expandierter Polystyrol-Hartschaum. Das Material wird etwa in der Gusstechnik verwendet. „Deshalb gehen wir davon aus, dass der Verursacher ein Unternehmer ist“, so Wittl. Er vermutet, dass der einem Kunden die Abfuhr und die Entsorgung sogar berechnet hat und den Müll nur deshalb illegal abkippte, weil die nahegelegene Abfallwirtschaftsgesellschaft vielleicht schon geschlossen war. Wittl hofft nun, dass etwa der Kunde der Firma das Material wiedererkennt und sich beim Kreis meldet. Wenn der Täter ermittelt wird, wird ein saftiges Bußgeld fällig, denn der wirtschaftliche Vorteil, der durch die wilde Entsorgung entstanden ist, wird der Strafe zugrundegelegt. Hinzu kommen der Aufwand der Entsorgung und eine angemessene Entschädigung für die Tat selbst. Auf den großen Hartschaum-Teilen hat Wittl handschriftliche Vermerke gefunden, die bei den Ermittlungen helfen können. Zudem sind Kleinteile des Materials sowie Spanplatten- und Holzreste in drei Bigpacks, wie sie zur Entsorgung verwendet werden, an der Stelle in der Feldmark abgestellt worden.

Martin Kruse, Michael Wittl und Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger rufen dazu auf, Umweltsünder sofort beim Kreis zu melden. „Niemand muss Hemmungen haben, denn die Natur gehört uns allen“, so Neidlinger. Hinweise nimmt Heiko Hadenfeldt vom Fachdienst unter Tel. 0  43  31/20  25  12 entgegen.

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