Triathlon : Auf der letzten Felge zum EM-Titel

Vom Wettkampf gezeichnet: Margit Bartsch hatte beim Laufen große Mühe.
Vom Wettkampf gezeichnet: Margit Bartsch hatte beim Laufen große Mühe.

Margit Bartsch holt sich bei den Triathlon-Europameisterschaften über die Olympische Distanz in Kitzbühel den Titel in der Altersklasse W60-64. Beim abschließenden Laufen über 10 km hatte Bartsch große Mühe, verteidigte aber Platz 1 bis ins Ziel.

shz.de von
28. Juni 2014, 06:00 Uhr

Am Ende fehlte Margit Bartsch sogar die Kraft zum Jubeln. „Auf der letzten Felge“, wie sie es hinterher beschrieb, schleppte sich die 60-Jährige von der SG Athletico Büdelsdorf bei den Triathlon-Europameisterschaften über die Olympische Distanz in Kitzbühel (Österreich) ins Ziel. Danach sank Bartsch erst einmal zu Boden, unfähig sich zu regen. Der Dreikampf aus 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Rad fahren und zehn Kilometer Laufen hatte ihr alles abgefordert. Und so registrierte sie gar nicht, wie um sie herum Familienangehörige und Freunde auf sie zustürmten und ihr zum Sieg gratulierten. Bartsch hatte den EM-Titel in der Altersklasse W60-64 gewonnen. „Ich war einfach nur froh, es geschafft zu haben. Das war brutal. Das war der härteste Wettkampf meines Lebens“, sagt die Siegerin mit dem Abstand von einigen Tagen.

Schon 48 Stunden vor dem Wettkampf ahnte sie, welche Tortur sie erwarten würde. Bartsch besichtigte den Radkurs, der zweimal zu durchfahren war. Das Streckenprofil mit seinen giftigen Anstiegen zwischen zehn und 15 Prozent nötigte der Rendsburgerin allergrößten Respekt ab. Mehr als 360 Höhenmeter pro Runde warteten auf die Athleten. „Ich bin bei der Besichtigung die Anstiege im kleinsten Gang gefahren und hatte größte Probleme. Ich dachte, das schaffe ich nie.“ Doch auf der Radstrecke war Bartsch, wie auch schon zuvor im Wasser, die schnellste der sieben Athletinnen in ihrer Altersklasse. „Es war hilfreich, dass ich den Kurs zuvor einmal abgefahren bin. So wusste ich, dass ich nicht zu schnell in den Berg reinfahren darf. Und auch die Abfahrten waren nicht ungefährlich. Das ist man als Schleswig-Holsteinerin ja nicht gewohnt. Ich habe aber jegliches Risiko vermieden.“ Und so wechselte die Rendsburgerin als Erste auf die abschließende Laufstrecke. Bartsch: „Nach österreichischen Kriterien war das ein flacher Kurs, nach schleswig-holsteinischen ein bergiger.“ Mit jedem Meter, den die 60-Jährige zurücklegte, schwanden die Kräfte und kamen die Krämpfe. „Ich konnte bergauf nicht mehr laufen, sondern musste gehen.“

Den letzten Kilometer absolvierte Bartsch dann „wie im Tunnel. Ich war völlig unterzuckert.“ Bartsch hatte beim letzten Wechsel einen Energieriegel verloren. Der Körper verlangte nach Zucker, bekam aber keinen. Die Reserven neigten sich immer mehr dem Ende entgegen. Bartsch: „Leider gab es an der Strecke auch keine zuckerhaltigen Getränke, sondern nur Wasser. Letztlich sind wir Sportler aber für uns selbst zuständig. Eigentlich weiß ich ja auch, was ich bei so einem Wettkampf brauche. Aber der Kurs war so fordernd, so dass meine normale Verpflegung eben nicht ausgereicht hat.“ Die Beine wollten nicht mehr, was Bartsch wollte. Zweimal fiel sie sogar hin. Aber immerhin funktionierte noch der Willen. Irgendwie ankommen hieß das große Ziel. Nach 2:51:05 Stunden hatte es die Rendsburgerin dann endlich geschafft. Und nicht nur das. Auf der Laufstrecke büßte sie zwar viel von ihrem Vorsprung ein, aber nicht so viel, als dass sie noch abgefangen wurde. Der EM-Titel war der verdiente Lohn für die vorangegangenen Qualen.

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