Fotografie : Auf der Jagd nach dem besonderen Bild

Hat die Kamera immer im Anschlag: Uwe Naeve und sein Arbeitsgerät.
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Hat die Kamera immer im Anschlag: Uwe Naeve und sein Arbeitsgerät.

Uwe Naeve aus Erfde ist Natur- und Tierfotograf aus Leidenschaft – gelernt hat er etwas ganz anderes.

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19. August 2017, 09:00 Uhr

Uwe Naeve ist ein Jäger, sagt er selbst. Aber ihm geht es weder um Abschusspläne noch um Trophäen. Seine „Beute“ sind Bilder, seine „Waffe“ ist eine Kamera. Der 65-Jährige ist ein ambitionierter Tier- und Landschaftsfotograf. Seine Aufnahmen zeigt Naeve in Vorträgen, und auch in der Landeszeitung erscheinen immer wieder Fotos des Erfders.

Beruflich hatte Uwe Naeve nie mit der Fotografie zu tun. „Ich bin gelernter Koch und habe unter anderem fast 35 Jahre lang im Berufsbildungszentrum Rendsburg-Eckernförde als Küchenmeister gearbeitet.“ Der gebürtige Schleswiger ist in Haddeby aufgewachsen, die Natur ist seine Kinderstube. „Ich habe mich dort immer wohlgefühlt. Und auch später, wenn ich im Beruf mal Stress hatte, bin ich nach Feierabend einfach raus in die Natur gegangen. Das war mein Ausgleich.“ Fotos habe er schon immer gern gemacht – die Ergebnisse seien allerdings stets „nur so lala“ gewesen. Nachdem er eines Tages zu einem Treffen des Fotoclubs Albersdorf eingeladen worden war, sei sein Ehrgeiz geweckt worden. „Da habe ich gesehen, wie professionell Bilder aussehen können und wollte das auch können.“ Kurzerhand verkaufte Naeve sein Motorrad, um sich eine gute Fotoausrüstung zulegen zu können. Heute besitzt er drei Kameras und sechs Objektive sowie ein Stativ, damit die Bilder nicht verwackeln. Am häufigsten fotografiert Naeve Vögel und Säugetiere, aber auch Landschaften hält er im Bild fest. „Die Landschaftsfotografie finde ich schwieriger als Tiere abzulichten“, sagt Naeve. „Man sieht das Bild ja vor sich, aber es genauso zu fotografieren, ist nicht einfach.“ Die Qualität des Fotos hänge unter anderem von der Lichtstimmung, dem Blickwinkel und der Wahl des Objektivs ab. „Ein Tier hingegen kommt in dein Sichtfeld oder eben nicht. Du musst nur entscheiden, wie du es ins Bild setzt.“

Doch auch das ist nicht immer einfach. Um Vögel überhaupt vor die Linse zu bekommen, nutzt Uwe Naeve fast immer ein Tarnzelt. Um ein paar Bilder von einer Dachsmutter mit ihrem Nachwuchs zu machen, verharrt er schon mal eine Woche lang jeden Abend in dem Bereich, in dem er die Tiere vermutet. „Entweder hat man Glück oder gibt irgendwann auf. Wenn die Vierbeiner sich dann aber zeigen, halte ich nur noch drauf – egal, wie die Tiere gerade stehen.“ So aufregend dieser eine Moment auch ist, so sehr entspannt das Warten den Naturfreund. „Wenn ich zum Beispiel in meinem Tarnzelt sitze, fahre ich völlig runter. Ich bin dann in einer anderen Welt, das tut richtig gut.“ Dabei führt die Fotografie Uwe Naeve zwar nicht tatsächlich in andere Welten, aber zumindest in andere Länder. So hat er unter anderem in Florida schon Alligatoren abgelichtet, war in Norwegen und Schottland, Polen, Russland und Schweden, um nur einige Reiseziele zu nennen. „Früher habe ich jahrelang von Afrika geträumt – und davon, die ‚Big 5‘, also Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard, zu fotografieren. Das reizt mich heute nicht mehr so sehr. Viel lieber möchte ich einmal in meinem Leben in den Denali-Nationalpark nach Alaska fahren.“ Dort würde er unter anderem gern Grizzlys und Elche im Bild festhalten. Außerdem steht auch der Wolf ganz oben auf der Liste der Tiere, die Naeve unbedingt einmal vor der Kamera haben möchte.

Auf ein Lieblingsbild aus all den Jahren kann sich der ehemalige Koch nicht festlegen, das seien eigentlich immer die, die er zuletzt gemacht hat, sagt Naeve. An zwei spezielle Situationen kann er sich allerdings noch sehr gut erinnern – nämlich wenn es brenzlig wurde. „In einer Situation habe ich eine Wildschwein-Mutter mit ihren Frischlingen fotografiert. Sie lagen in ihrem Versteck, dem Kessel, als die Bache mich wahrgenommen hat. Sie ging sofort auf mich los, und bei meiner Flucht habe ich meine Brille verloren. Dann bin ich gestolpert, und die Bache stand auf einmal über mir. Sie hat mir nichts getan und ist irgendwann wieder abgezogen. Ich musste aber ja meine Brille suchen und dementsprechend wieder in Richtung des Kessels laufen. Letztlich habe ich aber tatsächlich meine Brille wiedergefunden, ohne dass noch mal etwas passiert ist.“ Generell sei es so, dass er immer zu leichtsinnig war, wenn es mal kritisch wurde, gibt Uwe Naeve zu. Solche Situationen kämen aber immer seltener vor – er sei ja mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste, sagt der 65-Jährige und grinst dabei.

Auch wenn es ihn für seine Leidenschaft immer wieder in die Ferne zieht, ist Naeve mittlerweile zu einem echten Stapelholmer geworden, wie er sagt. Seit 1999 lebt er in Erfde. Und weil er sich mit der Region so verbunden fühlt, hat er für das kommende Jahr einen Kalender mit Motiven aus Stapelholm erstellt. Erhältlich ist er ab September unter anderem direkt bei Uwe Naeve. Mehr Informationen dazu und viele Bilder gibt es auf der Internetseite www.un-naturfoto.de. Und irgendwann gibt es dort vielleicht auch Bilder von Grizzly und Wolf zu sehen. Denn Uwe Naeve ist noch lange nicht müde von der Jagd nach den schönsten Fotomotiven.

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