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LZ-Serie : Auf dem Weg zum Dörpsee werden Wetten abgeschlossen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der LZ-Serie „Lieblingsorte – Lieblingsplätze“ zeigt Rosemarie Naudszus, wo es in Emkendorf am schönsten ist.

von
erstellt am 22.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Was verbindet Menschen mit dem Ort, in dem sie leben? Welche Erinnerungen werden wach? Und an welche Lieblingsplätze kehren sie gern zurück? Mit alteingesessenen Bürgern unternehmen wir einen Spaziergang durch ihre Heimatgemeinde. In dem heutigen Teil der Serie führt Rosemarie Naudszus durch Emkendorf.

 

„Ist das nicht schön hier?“, fragt Rosemarie Naudszus und blickt auf die unendlichen Weiten der Natur. „Hier vorne sind noch unsere eigenen Ländereien, aber da hinten fängt dann schon der Wald an“, zeigt Naudszus in die Ferne. Wenn die Sonne scheint und der Himmel blau leuchtet, „dann sieht die Natur noch viel schöner als, als an so einem regnerischen Tag wie heute.“ Ihr Lieblingsplatz in der Gemeinde sei „ein wenig komisch“: So muss Naudszus, um die Aussicht genießen zu können, die 27 steilen Stufen hinauf auf eine landwirtschaftliche Anlage ihres Sohnes klettern. „Die Aussicht von hier oben ist aber einfach fantastisch.“

Rosemarie Naudszus kam 1945 mit Eltern und Pferden als Flüchtling aus Ostpreußen nach Emkendorf. Auf dem Gut wurden Weiden für die Pferde gepachtet. „Als Emkendorf 1947 ausgesiedelt worden ist, haben wir auch ein Grundstück bekommen, weil wir ja schon Pächter waren“, berichtet Rosemarie Naudszus aus der Vergangenheit. Seitdem hat sich das Gelände am Grotenheid in Kleinvollstedt stetig erweitert. 50 Jahre lang wurde Tabak angebaut, „und der landwirtschaftliche Betrieb ist stetig gewachsen“, blickt Naudszus zurück. Mittlerweile hat ihr Sohn Alfred den Betrieb übernommen und ein Altenteil gegenüber des Grundstückes wurde vor gut 20 Jahren errichtet. „Aber auf die ,Aussichtsplattform’ darf ich natürlich trotzdem noch“, lacht die ehemalige Landwirtin.

Auch der Gemeindesaal in Bokelholm hat es der 79-Jährigen angetan. „Der versprüht einfach Charme.“ Auch, wenn sie froh sei, dass das „Hopfenstübchen“ dank der Gemeinde besteht, so sei der über 100 Jahre alte Saal „einfach gemütlicher.“ „Die Leute strömen dort schlichtweg hin, wenn Veranstaltungen stattfinden, wie beim plattdeutschen Gottesdienst“, berichtet Rosemarie Naudszus. In der Gemeindevertretung, in der sie selbst 24 Jahre (davon acht als stellvertretende Bürgermeisterin) Mitglied war, wurde damals sogar über einen Abriss des Gebäudes diskutiert. „Ich bin froh, dass es dazu nicht gekommen ist. Das ,Alte’ versprüht so viel Positives.“

Die Entwicklung der Gemeinde über die letzten Jahrzehnte sei durchweg positiv. „Viele Bäume wurden hier gepflanzt, das haben wir vor allem dem Einsatz und den guten Beziehungen von Bürgermeister Jochen Runge zu verdanken“, erklärt Naudszus. Die Natur fasziniere sie immer wieder. Sonntägliche Spaziergänge werden auch gern im Park des Guts Emkendorf unternommen. „Das sieht einfach toll aus“, betont Naudszus.

Im Sommer trat Rosemarie Naudszus nach 47 Jahren als Leiterin des Seniorenclubs zurück. „Das war eine wunderbare Erfahrung“, resümiert sie. Vor allem sei sie stolz, dass die Senioren in der Gemeinde ein „sehr schönes Miteinander“ pflegen. „Wir hatten immer sehr viel Spaß.“ Trotz des Rücktrittes kommt bei Rosemarie Naudszus keine Langweile auf. Zweimal die Woche wird für die Familie und Arbeiter gekocht, der großzügige Garten mit Teich und den typischen Heiden, die den Straßennamen „Grotenheid“ geprägt haben, erfordert viel Zeit. Nach einem anstrengenden Tag wird von Kleinvollstedt aus bei gutem Wetter mit dem Fahrrad zur Badestelle am Dörpsee geradelt. „Dort finde ich Erholung“, erklärt Rosemarie Naudszus. Vor allem abends, wenn der Sonnenuntergang naht, sei die Badestelle einer ihren absoluten Lieblingsplätze in der Gemeinde. Nicht nur eine Runde im kühlen Nass sei eine willkommene Abwechslung, sondern auch die Erinnerungen, die sie mit dieser Stelle verknüpfe seien immer ein Schmunzeln wert. „Früher sind wir immer mit einem vollen Auto hierher gefahren und haben auf dem Weg Wetten abgeschlossen, wieviele Badegäste wohl da sein werden“, erinnert sich die 79-Jährige. „Manchmal waren wir aber die einzigen hier, weil früher noch ganz viel Schilf am Uferrand wucherte, so dass viele nicht hier durch mochten.“ Mittlerweile ist das Schilf längst beseitigt. Eine kleine Hütte mit WC-Anlage, Umkleideraum, Kiosk und Sitzgelegenheiten wurde errichtet. Die Badestelle wurde mit Steg und Rutschen verschönert. „Es ist ein richtig schöner Erholungsplatz geworden.“

 

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