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Landeszeitung

23. November 2017 | 06:49 Uhr

Auf dem Bolzplatz sind alle gleich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flüchtlinge, Migranten und deutsche Jungs aus der Region stehen gemeinsam auf dem Fußballplatz des Rendsburger Turn- und Sportvereins

von
erstellt am 17.Mai.2016 | 06:53 Uhr

Fußball ist ein Sport, der Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Fußball verbindet, Fußball schweißt zusammen. Beim Rendsburger Turn- und Sportverein (RTSV) geschieht das auf eine ganz besondere Art: Dort stehen junge Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam auf dem Bolzplatz. Kulturunterschiede und Sprachprobleme werden plötzlich zur Nebensache. Es zählt nur noch eines: die gemeinsame Leidenschaft für den Ballsport.

Beate Böhm vom RTSV hat dieses besondere Projekt mit ins Leben gerufen. Seit September vergangenen Jahres trainieren junge Fußballer aus der Region mit minderjährigen Flüchtlingen und Migranten aus Eritrea, Afghanistan, Pakistan, Syrien und dem Iran. Einmal pro Woche stehen die knapp 30 Jugendlichen gemeinsam auf dem Sportplatz in der Nobiskrüger Allee.

Einer von ihnen ist der 16-jährige Afghane Ahmadshah. Er nimmt seit ein paar Wochen am kostenfreien Training teil: „Ich freue mich jedes Mal sehr, hierher zu kommen. Es macht Spaß, mit den Deutschen gemeinsam zu spielen“, sagt er. Auch der 17-jährige Rasmus aus Rendsburg ist von dem Konzept überzeugt. Zuvor hatte er noch gar keinen Kontakt zu Asylbewerbern. „Ich finde es cool, mit Leuten aus anderen Ländern zu spielen. Ich habe schon verschiedene Sachen von den Jungs gelernt“, sagt er. Für den Sportverein ist das Projekt ein voller Erfolg. Das Fußballfeld sei bestens dafür geeignet, Barrieren abzubauen und den Flüchtlingskindern ein bisschen Ablenkung von den traumatischen Erlebnissen in der Heimat zu bieten, so Beate Böhm vom RTSV. „Die Kinder und Jugendlichen sind alle sehr motiviert und haben viel Spaß.“

Trainer der multikulturellen Mannschaft ist der Brasilianer Guilherme de Oliveira. Er engagiert sich ehrenamtlich für das Flüchtlingsprojekt. Unterstützung dabei bekommt er von Christine Reimer, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Auf die Frage, warum er die Mannschaft freiwillig trainiert, sagt er: „Weil ich Fußball so liebe und weil das super viel Spaß macht. Die Jungs sind so toll und haben große Lust zu spielen. Auch ohne die richtige Ausrüstung kommen sie zu den Spielen. Einige haben am Anfang nicht einmal richtige Sportschuhe. Das motiviert mich sehr, dort zu helfen, wo man gebraucht wird.“

Auch seine Unterstützerin zeigt sich begeistert von der Arbeit mit den Flüchtlingen: „Ich finde es sehr spannend. Ich habe meine Meinung über Asylbewerber dadurch geändert. Nach meinem Sozialen Jahr hier werde ich weiter im Team bleiben“, sagt Christine Reimer. Laut Guilherme de Oliveira seien sogar ein paar sehr begabte Spieler unter den Flüchtlingen. Ob sie allerdings das Zeug dazu haben, später Profis zu werden – das stehe noch in den Sternen.

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