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Frühes Engagement : Auf Augenhöhe mit jungen Opfern von Kriminalität

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bente und Sina Kühl aus Alt Duvenstedt arbeiten ehrenamtlich für den Weißen Ring.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Fröhlich und positiv wirken die beiden jungen Frauen. Zusammen sind sie gerade einmal 44 Jahre alt. Die Schwestern Sina (24) und Bente (20) Kühl aus Alt Duvenstedt engagieren sich seit einiger Zeit gemeinsam in der Jungen Gruppe Schleswig-Holstein des Weißen Rings. Der Verein hilft Opfern von Kriminalität auf vielfältige Weise. Der ehrenamtliche Nachwuchs ist im nördlichsten Bundesland gerade erst aus den Startlöchern heraus. Vor einem knappen halben Jahr – im November 2013 – wurde die Gruppe gegründet und hofft auf weitere Unterstützung.

Sina Kühl studiert in Kiel an der Christian-Albrechts-Universität Rechtswissenschaften. „Dass ich das machen möchte, wusste ich schon seit der neunten Klasse. Von daher habe ich ein ausgeprägtes Interesse am Strafrecht“, sagt sie. Nach einem täterbezogenen Uni-Projekt in der Justizvollzugsanstalt Neumünster im Jahr 2010 wandte sie ihren Blick der Opferseite der Kriminalität zu: „Ich habe mich gefragt, wer sich abseits des Opferentschädigungsgesetzes um die Opfer, um die menschliche Ebene der Opferarbeit kümmert. Auf der Suche nach Möglichkeiten, mich zu engagieren, bin ich auf den Weißen Ring gekommen.“ Nach einem Auslandsjahr war sie mitverantwortlich für die Gründung der Jungen Gruppe, deren Zentrum in Kiel ist. „Hier sind durch die Hochschulen die meisten jungen Leute geballt und daher am einfachsten zu erreichen“, erklärt Sina Kühl.

Als sie mit den Vorbereitungen zu einem Gottesdienst anlässlich des Tages der Kriminalitätsopfer am 22. März dieses Jahres beschäftigt war, klinkte sich auch ihre Schwester Bente mit ein. „Ich war sofort von dem Thema fasziniert. Wie kann man Opfern von Kriminalität helfen? Was brauchen sie an Unterstützung? Seitdem stand für mich fest, dass ich mitmachen möchte“, sagt die Bankauszubildende, die derzeit die Jüngste im Team der Jungen Gruppe ist.

Von den aktuell neun Mitgliedern der Nachwuchsgruppe – allesamt weiblich – sind drei bereits soweit ausgebildet, dass sie eigene Fälle betreuen dürfen. Sina Kühl ist eines davon. Ungefähr zehn Hospitationen absolvierte sie, begleitete dabei erfahrene Betreuer bei konkreten Fällen, wenn die Opfer damit einverstanden waren. Nachdem sie auch am vom Weißen Ring geforderte Grundseminar teilgenommen hatte, wurde sie zur ehrenamtlichen Mitarbeiterin ernannt. „Mittlerweile habe ich zwei eigene Fälle betreut. Es waren Sexualdelikte, die Opfer waren 17 und 22 Jahre alt“, berichtet die Jura-Studentin. Ihrerseits habe sie mit größerer Nervosität gerechnet, eigenverantwortlich mit den Opfern ins Gespräch zu kommen. Doch dann zahlte sich die gute Vorbereitung und die Ausbildung im Weißen Ring aus. Nach jeweils nur einem Termin mit den Betroffenen konnte sie schnell psychologische Hilfe vermitteln. Bente Kühl hingegen steht noch am Anfang ihrer Ausbildung, beginnt demnächst die Hospitationen, drei müssen es mindestens sein. Das Grundseminar steht im September an.

Ihr relativ junges Alter sehen die Kühl-Schwestern nicht als Problem bei der Arbeit mit Opfern. „Einerseits kann eine gewisse Lebenserfahrung in bestimmten Bereichen sicherlich von Vorteil sein. Anderseits haben wir auch jüngere Opfer. Mit denen können gerade jüngere Betreuer vielleicht auch besser umgehen und mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren“, sagt Sina Kühl. Und Bente Kühl pflichtet ihr bei: „Es ist stark vom Opfer abhängig, welcher Betreuer zu welchem Fall am besten passt. Zum Beispiel wenn es um Stalking im Bereich Social Media, also über WhatsApp oder Facebook, geht, können sich jüngere Betreuer möglicherweise leichter in die Lage der Opfer versetzen.“

Doch beim Weißen Ring, und speziell bei der Jungen Gruppe, gehe es nicht ausschließlich um die Betreuung von Opfern. Denn das, so Bente Kühl, sei eine Arbeit, die nicht jedem liege. Dennoch gebe es zahlreiche Möglichkeiten, sich anderweitig zu engagieren. „Öffentlichkeitsarbeit, Kriminalprävention, Projekte“, zählt sie unter anderem auf. Auch der Internetauftritt müsse gepflegt werden. Zwischen fünf und zehn Stunden ihrer Freizeit widmen Bente und Sina Kühl pro Woche ihrem freiwilligen Einsatz. „Aber jeder kann so viel Zeit investieren, wie er möchte. Vor allem sind wir auf der Suche nach Leuten mit konkretem und längerfristigem Interesse an einer Mitarbeit“, sagt Sina Kühl. In einer Psychologie-Vorlesung hatten neulich zwei Studenten Interesse gezeigt. Nun hofft sie, dass sie auch beim nächsten Treffen der Jungen Gruppe dazukommen. „Über weitere Unterstützung würden wir uns sehr freuen.“

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