Aukrug : Auerochsen mitten im Ort

Das drei Wochen alte Bullenkälbchen hatte tags zuvor seine obligatorischen Ohrmarken verpasst bekommen.
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Das drei Wochen alte Bullenkälbchen hatte tags zuvor seine obligatorischen Ohrmarken verpasst bekommen.

Die Vierte Erna-Landschaft wurde in Aukrug eröffnet. Zahlreiche Besucher informierten sich beim „Tag der offenen Flur“ über die dort lebenden Auerochsen.

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08. Juli 2014, 06:00 Uhr

Beim „Tag der offenen Flur“ an der Bünzer Burg wurde die neue Jungviehkoppel des Vereins für „Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Aukrug“ (Erna) vorgestellt. „Wir eröffnen hier heute unsere vierte Erna-Landschaft“, sagte Stefan Siemesgelüss, als er die Aktionstagsgäste begrüßte. Seit 2002 sind Auerochsen von Erna an der Buckener Au in Aukrug-Homfeld als Landschaftspfleger im Einsatz, seit 2003 am Kirchweddelbach in Fitzbek (Kreis Steinburg) und seit 2006 an der Bünzer Au. Die neue Färsenkoppel liegt in Sichtweite von Sport- und Tennisplätzen zwischen Innien und Bünzen. „Leute, die nach Aukrug kommen, haben immer gefragt: Wo sind die Rinder?“, vermerkte Siemesgelüss, „und jetzt haben wir die Auerochsen auch mitten im Ort.“

Die Bereitstellung des dafür erforderlichen Weideareals sei eine Gemeinschaftsaktion gewesen, berichtete Siemesgelüss: „Die Fläche setzt sich zusammen aus Ländereien des Aukruger Bunds für Natur- und Landschaftsschutz, von Privatleuten, von der Schrobach-Stiftung und von der Gemeinde Aukrug.“ Die Färsenkoppel soll auch in züchterischer Hinsicht eine wichtige Funktion erfüllen. „Die Rinder sind leider sehr frühreif und bekommen meist im Alter von zwei Jahren – wenn sie also noch nicht ausgewachsen sind – schon ihr erstes Kalb“, erläuterte Siemesgelüss, „hier auf der neuen Weidefläche sollen die Färsen ein Jahr lang vom Bullen ferngehalten werden.“

Junge Kühe von den drei anderen Erna-Landschaften sollen auf die neue Fläche transportiert werden, sich dort in Ruhe entwickeln und dann zurück in ihr Heimatrevier verfrachtet werden. „Da sollen sie dann im Februar oder März kalben“, erklärte Siemesgelüss, „auch das ist ja ein Ziel der extensiven Freilandhaltung: Dass die Rinder saisonal im Frühjahr kalben, wenn das Futter auf den Wiesen ist.“ Eine Sommergeburt ist das Bullenkalb, das die als Aufpasserin eingeteilte Auerochsen-„Tante“ der neuen Herde vor drei Wochen zur Welt gebracht hat. „Das Kalb hat auch schon einen Namen: Nr. 756“, meinte Siemesgelüss mit Blick auf die Ohrmarke, die er dem jüngsten Erna-Nachwuchs verpasst hat. Mit Nr. 756 hat die neue Erna-Koppel nun sechs vierbeinige Bewohner, von denen lediglich drei Färsen sind. Während der Winterfütterung habe man die für die neue Fläche bestimmten Rinder in den drei anderen Auerochsenrevieren fangen wollen, so Siemesgelüss, aber das habe nicht geklappt, weil „der Winter überraschend schnell zu Ende gegangen ist.“ Um die kleinen Kälber der Herden nicht zu gefährden, habe man auf riskante Einfangaktionen verzichtet.

„Die Eindrücke von der heutigen Exkursion auf die Fläche sollten Sie alle bei sich abspeichern“, sagte Siemesgelüss, ehe er die Besucher über die Färsenkoppel führte, „in vier Jahren beim nächsten ‚Tag der offenen Flur’ machen wir dann die gleiche Exkursion und Sie können sehen, was hier in der Zwischenzeit hinsichtlich der Pflanzenvielfalt alles passiert ist.“

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