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100. Jubiläum : Auch die Kleinbahn „Rosa“ konnte in Remmels tanken

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Freitag wird der 100. „Geburtstag“ des Wasserturms gefeiert. Er wird noch als Übergabestation genutzt und ist zum Wahrzeichen für die Gemeinde geworden.

Er ist 13 Meter hoch, hat ein Fassungsvermögen von 73 Kubikmetern, ist das Wahrzeichen seines Dorfs, und am Freitag wird sein 100. „Geburtstag“ gefeiert: der Wasserturm von Remmels, der bis in die 70er- Jahre als Wasserspeicher diente. Zum alten Eisen zählt der Wasserturm mit seinen 100 Jahren aber noch lange nicht, denn er fungiert nach wie vor als Übergabestation, wo das Trinkwasser aus Hohenwestedt in das Remmelser Netz eingespeist wird.

1912 ließ Hans Steffens in Remmels eine dampfgetriebene Mühle errichten, musste dann aber feststellen, dass die vorhandenen Brunnen nicht genug Wasser für den Betrieb lieferten. Der Mühlenbesitzer wurde auf eine ungenutzte Wasserquelle im Nachbarort Nindorf aufmerksam gemacht, wo man Ende des 19. Jahrhunderts bei der Suche nach Erdöl auf eine sogenannte „artesische“ (aus der Erde sprudelnde) Wasserader gestoßen war. „Das genaue Lokalisieren der Quelle war 1912 mit viel Aufwand verbunden“, weiß Henning Mollenhauer, der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende der Wasserleitungsgenossenschaft Remmels. Eine Dampframme und zwölf Meter lange Fichtenstämme waren waren erforderlich, um die Quelle „einzufangen“. Zwischen Nindorf (56 Meter über Normalnull) und Remmels (31 Meter über N.N.) besteht ein deutlicher Höhenunterschied, den man sich zunutze machte. Der damalige Hohenwestedter Landwirtschaftsschuldirektor Pries berechnete, dass das Wasser aus Nindorf ganz ohne Pumpenhilfe – nur mittels Schwerkraft – einen Wasserturm im benachbarten Remmels füllen würde.

Nachdem Hans Steffens, Fritz Wiese und Hans Treede die Wasserleitungsgenossenschaft Remmels gegründet hatten, wurde so ein Wasserturm 1913 gebaut, und finanziert wurde er von der Familie Stieper (Papenau). Als Entschädigung dafür, dass sie ihr Land für den Leitungsbau zur Verfügung stellten, bekamen die Bauern an der Leitungsstrecke kostenloses Wasser für ihre Viehtränken. Auch die Kleinbahn „Rosa“ profitierte später vom Wasserturm: Am Bahnhof in Remmels konnte die Dampflok mit frischem Wasser aufgetankt werden.

Das Wasser aus der Nindorfer Quelle war indes so eisenhaltig, dass die Wäsche beim Waschen nie richtig weiß wurde und die Einwohner sogar den Spitznamen „die grauen Mäuse von Remmels“ verpasst bekamen. Die Dorffrauen holten sich deshalb ihr Wasser zum Wäschewaschen auch oft aus den Brunnen im Ort, von denen in der 50er- Jahren drei zusätzliche gebohrt wurden.

Mitte der 70er- Jahre entschlossen sich die Remmelser zum Anschluss an das Hohenwestedter Wassernetz. „Die bestehende Leitung vom neuen Hohenwestedter Wasserwerk führte damals bis Falkenburg“, berichtet Mollenhauer, „die Anschlussleitungen wurden parallel zur Bundesstraße durch die Felder gelegt und haben 70 000 Mark gekostet.“

Im Prinzip hatte der Wasserturm damit seine Schuldigkeit getan. Ein Abriss des Bauwerks, das zum Wahrzeichen von Remmels geworden ist und später auch zum zentralen Symbol des Dorfwappens gekürt wurde, habe allerdings nie zur Debatte gestanden, betont Mollenhauer. Der Wasserturm wurde vielmehr zur Übergabestation ausgebaut, in der das Wasser aus Hohenwestedt ankommt und auf die Remmelser Haushalte verteilt wird.

Die Wasserleitungsgenossenschaft Remmels hat heute einen ehrenamtlichen Aufsichtsrat (Henning Mollenhauer, Rainer Maschmann, Maik Pohlmann) und einen ehrenamtlichen Vorstand (Eggert Vierth, Burkard Gaser, Claus Peter Maschmann). „Wir teilen alle Aufgaben durch sechs und machen alles gemeinsam“, sagt Rainer Maschmann. Auch die 100-Jahr-Feier haben Vorstand und Aufsichtsrat gemeinsam organisiert. „100 Jahre Wasserturm Remmels“ werden am Freitag, dem 27. September, gefeiert. Eingeladen sind alle Mitglieder der Wasserleitungsgenossenschaft Remmels mit ihren Familien. Treffpunkt ist um 19.30 Uhr am Wasserturm, der am Freitag mit Halogenstrahlern beleuchtet wird. Mollenhauer wird einen Vortrag zur Historie des Turms und der Genossenschaft halten, und anschließend wird im benachbarten Dorfgemeinschaftshaus „Alter Bahnhof“ ein Imbiss serviert.

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